Aarwangen
Eine vielfältige Natur ist der Dank für jahrelange Fronarbeit

Jahr für Jahr leisten die Mitglieder des Vogelschutzvereins Aarwangen viele Stunden freiwilligen Arbeitseinsatz im Naturschutzgebiet Höchbachweiher. Die Natur dankt es ihnen mit einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt.

Ernst Glur
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Solothurner Zeitung

Jahr für Jahr leisten die Mitglieder des Vogelschutzvereins Aarwangen viele Stunden freiwilligen Arbeitseinsatz im Naturschutzgebiet Höchbachweiher. Die Natur dankt es ihnen mit einer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt. Es war ein ungewohnter Anblick, am Samstagmorgen: Da stampften fast zwei Dutzend Personen im Naturschutzgebiet Höchbachweiher herum und dies trotz der Devise: Betreten verboten! Zudem waren sie alle ausgerüstet mit Handgeräten wie Pickel, Schaufel, Rechen, Baumscheren oder Sägen. Einige dieser Personen knieten auf dem Boden, andere hantierten mit kleinen Schubkarren, und einzelne versuchten im angrenzenden Wiesensaum, das ungeliebte Blackenkraut auszustechen.

Es war ein emsiges Treiben und des Rätsels Lösung hiess: freiwilliger Arbeitseinsatz, oder wie es Einsatzleiter Beat Stöckli vom Natur- und Vogelschutz Aarwangen klar ausdrückte: «Um das Schutzgebiet in einem guten Zustand zu erhalten und den Zielarten weiterhin einen geeigneten Lebensraum zu bieten, braucht es unsere regelmässige Pflege.»

Über 400 Arbeitsstunden hat der Verein bereits in den Unterhalt dieser rund 70 Aren umfassenden Naturschutzanlage direkt an der Aare und am Rand des schon seit Längerem bestehenden Naturschutzgebietes «Aarestau» investiert. Dabei wurde dieses in seiner Art einzigartige Biotop erst vor knapp fünf Jahren errichtet.

Ökologischer Ausgleich

Damals löste der Bau der zentralen Abwasserreinigungsanlage Langetental (ZALA) die bestehende ARA ab. Als Ersatzmassnahme und als ökologischer Ausgleich für den Bau der neuen ZALA im offenen Gelände, bot sich deshalb eine Renaturierung des alten ARA-Areals an. In der Folge übernahm die Organisation «Pro Natura Bern» das Gelände als Eigentümerin. Dieser wiederum schloss mit dem lokalen Vogelschutzverein einen Vertrag bezüglich der Pflege und des Unterhalts des Schutzgebietes ab. Bis gegen 1000 Stunden Freiwilligenarbeit wenden die Mitglieder des Vereins pro Jahr für den Natur- und Vogelschutz auf.

Fremd sind ihnen die vielfältigen Arbeiten in diesem speziellen Naturreservat keineswegs. Das Höchbächli, welches die grösseren und kleineren Weiher als dominierender Mittelpunkt des Areals mit Wasser speist, wird in der Umgebung von kiesigem und entsprechend nährstoffarmem Material abgelöst. Zudem grenzt auf der südlichen Seite eine artenreiche und extensiv genutzte Wiese das Gebiet ab.

Der Arbeitseinsatz galt denn auch unter anderem dem Entfernen unerwünschter oder sich zu stark ausbreitender Pflanzenarten wie Kratzdistel, Kreuzkraut oder der Neophyten Goldrute und Sommerflieder. Entsprechend der Strukturvielfalt und der ganz bewusst offen gehaltenen, lediglich von einzelnen Kleinstrukturen aus Steinen, Sand und Holz durchsetzten Kiesflächen, entwickelte sich im Laufe der Jahre die Tier- und Pflanzenwelt.

22 Libellenarten und Eisvogel

Mehrere Amphibien, die seltene Blauflügelige Sandschrecke sowie 22 verschiedene Libellenarten haben sich neben dem Eisvogel, verschiedenen Wildbienenarten und die Ringelnatter im Höchbachweiher angesiedelt. «Wir warten noch auf die Gelbbauchunke und die Geburtshelferkröte», sagte Beat Stöckli. Ganz bewusst werden aber keine Tiere speziell angesiedelt. «Sie müssen selber kommen», sagte Stöckli. Dass dabei auch unerwünschte Gattungen Einzug halten, zeigte das Beispiel des plötzlich auftauchenden, dominanten aber nicht heimischen Seefrosches.

Etwas weniger restriktiv verhält es sich mit der Pflanzenwelt. Hier wurden – um nur einige wenige zu nennen – Rohrkolben, Thymian, Sanddorn, gemeiner Schneeball und Wundklee teilweise gesät oder angepflanzt. Zur Beobachtung dieses interessanten Naturreservats besteht zwischen den beiden grösseren Weihern eine Aussichtsplattform.