Schöftland
«Eine Region ohne Lokomotive ist schlecht»

Ein Anlass über Gemeinde-Zusammenschlüsse zeigt, wie Wirtschaft und Behörde über Fusionen denken.

barbara vogt
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«Gemeindezusammenschlüsse sind ein heisses Eisen» – zu diesem Thema veranstaltete die FDP Schöftland am Mittwochabend einen spannenden Informationsanlass: Referenten aus Wirtschaft und Politik waren zugegen. Balz Bruder, Kommunikationsleiter des Gesundheitsdepartements, moderierte die Podiumsdiskussion.

Eine Region brauche starke Zentren und gesunde Gemeinden, ansonsten befinde sich die Wirtschaft auf dem Sinkflug, betonte Peter A. Gehler, Kommunikationsleiter der Siegfried Group Zofingen. «Eine Region ohne Lokomotive ist schlecht.» Er habe bemerkt, dass die Wirtschaft vom Westen immer mehr in den Osten des Kantons abwandere. «Es gibt noch einiges zu tun für die Gemeinden.»

«Zitrone einmal ausgepresst»

Nicht alle 220 politischen Gemeinden im Aargau hätten die gleichen Strukturen, sagte Gemeindeammann Peter Stadler aus Hirschthal. «Wir haben sie, dank der wirtschaftlichen Entwicklung und dank dem A1-Anschluss.» Es sei wichtig, Visionen zu haben und über den eigenen Gartenhang hinaus zu denken. Doch würden auf die Gemeinden hohe Kosten des Bundes und Kantons zukommen, «irgendeinmal ist die Zitrone ausgepresst».

Primär müsse man an die eigene Gemeinde denken, findet Gemeinderat Rolf Buchser aus Schöftland. Der regionale Gedanken sei gut, «unsere Region hat Entwicklungschancen und -bedarf.» Und wenn der finanzielle Druck für die kleinen Gemeinden zu hoch werde, sei der Fusionsgedanke auch nicht mehr weit. «Ein Unternehmer soll selbstständig bleiben», so Fritz Hunziker, Delegierter des Verwaltungsrates der Pfiffner Messwandler AG aus Hirschthal. «Aber momentan sind wir im Gespräch mit unserem Konkurrenten für eine allfällige Zusammenarbeit.»

Hans Jörg Elsasser, Präsident von «aargauSüd» und ehemaliger Gemeindeammann aus Unterkulm, zeigt sich offen für Zusammenschlüsse. Eine Gemeinde müsse sich immer Gedanken machen, wohin sie wolle. Dafür brauche es einen mutigen Gemeinderat und Stimmbürger, die Ja sagten. Das Geld dürfe dabei nicht die wichtigste Rolle spielen, «das innere Feuer muss intensiver sein».

Gemeindeammann Stadler aus Hirschthal findet, dass eine Fusion nicht nur aus finanziellen, sondern auch aus ideellen Überlegungen geschehen soll. Die Region muss stärker werden, Planungsverbände und Gemeinden enger zusammenarbeiten. «Sonst überleben wir nicht.»

«Mikrogemeinden» seien schlecht und kollektive Sozialhilfeempfänger, meinte Peter A. Gehler provokativ. Gemeindeammann Regina Lehmann aus Reitnau wehrte sich: «Es gibt auch strukturschwache Gemeinden ohne wirtschaftliches Entwicklungspotenzial.» Und eine Fusion müsse von der Basis und ohne Druck entstehen.

«Hochkarätige Zufriedenheit»

Eine Fusion mit Uerkheim sei für Zofingen vorteilhaft, sagte Stadtammann Hans-Rudolf Hottiger. Unter anderem wegen der Siedlungs- und Bevölkerungsentwicklung. Alt Gemeindepräsident Georg Dubach aus Triengen beschrieb die Fusion zwischen Triengen und fünf umliegenden Gemeinden. Das Fazit: Eine «hochkarätige Zufriedenheit». «Doch stand die Behörde voll und ganz hinter dem Projekt.» Eine Aussage, die an diesem Abend mehrfach zu hören war.