Fussball 1. Liga
Eine fünfstellige Summe für diesen Spieler? Ärger im FC Dietikon

Die Gruppenkontrahenten Dietikon und Thalwil geraten wegen eines Transfers aneinander. Dietikon ist hoch interessiert am Mittelfeldspieler Raphael Meyer. Der FC Thalwil klammert sich aber an seinen Star und verlangt eine Strafe wegen Vertragsbruchs.

Raphael Biermayr
Merken
Drucken
Teilen
Subjekt der Dietiker Begierde: Thalwils Leistungsträger Raphael Meyer.

Subjekt der Dietiker Begierde: Thalwils Leistungsträger Raphael Meyer.

André Springer

Die Fehde zwischen dem FC Dietikon und dem FC Thalwil geht in die nächste Runde. Sie wurde an der Person von Raphael Meyer neu entfacht. Der Offensivspieler war in der laufenden Vorrunde der torgefährlichste Akteur der Thalwiler – nun bemüht sich Gruppenkontrahent Dietikon um die Dienste des 21-Jährigen.

Trainer Goran Ivelj kennt ihn aus vergangenen Zeiten im GC-Nachwuchs, als Meyer Spieler und Ivelj Co-Trainer war. Der ehemalige U15-Nationalspieler würde mit seinem Tordrang aus dem Mittelfeld hervorragend zu den Limmattalern passen. Selbstredend wollen die Thalwiler den vierfachen Vorrundentorschützen aber auf dem Etzliberg halten.

FCD-Sportchef Pietro Iellamo hat sich kürzlich mit seinem Thalwiler Pendant Patrick Kamm getroffen, um über die Verpflichtung von Meyer zu sprechen. Es sei ein gutes Gespräch gewesen, doch im Anschluss daran folgte die Überraschung: «Thalwil verlangt einen fünfstelligen Betrag für den Spieler», sagt Iellamo. Das liege ausserhalb der Möglichkeiten der Limmattaler und sei darüber hinaus «viel zu viel auf Amateurniveau».

Der Beginn der Differenzen

Die erste Vermutung legt nah, dass die hohe Forderung eine Art Retourkutsche für die Saison 2012/13 ist, als Dietikon und Thalwil um den Aufstieg in die 1. Liga spielten.

Die Limmattaler hatten damals – wider besseren Wissens – mit Srdjan Aksic einen Spieler nach abgelaufener Transferfrist verpflichtet und eingesetzt. Weil die Einsprachefrist verstrichen war, hatte das keine Konsequenzen für den Verein – was unter anderen die Thalwiler auf die Palme brachte.

Die profitierten in der Schlussphase der Saison von einer Punktegutschreibung am grünen Tisch und stiegen schliesslich auf, was wiederum im FCD nicht gut aufgenommen wurde. Seither liegt bei den Aufeinandertreffen stets Verbissenheit in der Luft.

Nun gibt es also wieder einen Reibungspunkt. Dietikons Sportchef Iellamo spricht davon, dass Raphael Meyer in Thalwil unglücklich sei, «wie andere Spieler auch». Deshalb verstehe er noch weniger, weshalb der Verein den Spieler nicht ziehen lasse.

FCT-Sportchef Patrick Kamm schreibt auf Anfrage per E-Mail: «Wir haben mit jedem Spieler einen Vertrag bis 30. Juni unterzeichnet. In diesem ist auch festgehalten, dass bei einem Wechsel eine Transfergebühr geltend gemacht wird, mehr kann ich dazu nicht schreiben! Tatsache ist: Der Transfer wird nur zum Thema, wenn diese Summe betreffend Vertragsbruch bezahlt wird.»

Es handelt es bei der Forderung also nicht um eine Ablösesumme, sondern vielmehr um einen Denkzettel an die Adresse des Spielers, dass er nicht ohne Konsequenzen vorzeitig aus dem Kontrakt aussteigen kann.

Kamm äussert sich auch auf Nachfrage nicht zur Höhe der Forderung. Er teilt lediglich mit, dass die Summe bereits im Dezember bekannt gewesen sei, als Meyer von FCD-Trainer Ivelj kontaktiert worden sei, der ihm «alles Blaue vom Himmel erzählt» habe.

Andere Zuzüge für Dietikon

Das Hin und Her um Meyer dürfte sich weiter hinziehen. Gemäss Iellamo definitiv kein Thema mehr hingegen ist die Verpflichtung der vormaligen Thalwiler Alessio D’Angelo und Ardian Laski.

Drei Zuzüge stehen gegenwärtig fest. Von YF Juventus wechselt der Ex-Profi Luca Senicanin auf die Dornau. Der bei den beiden grossen Mailänder Klubs ausgebildete Flügelspieler spielte zuvor im FC Schaffhausen und in Sheffield (England). Zuletzt in Serbien engagiert war Offensivspieler Rajko Stankovic, der gemäss Iellamo über «einen glücklichen Zufall» nach Dietikon gefunden habe.

Der dritte sichere Neue ist Milos Janicijevic. Der ehemalige Srbija-Mittelfeldspieler hat kürzlich seine einjährige Sperre abgesessen: Ende 2013 war er – offensichtlich massgeblich – in einen Spielabbruch involviert, bei dem ein Schiedsrichterassistent bedrängt wurde. «Wir finden, er hat diese Chance verdient, mal sehen, wie er in der 1. Liga zurechtkommt», kommentiert Iellamo die Verpflichtung des vormaligen 2.-Liga-Spielers.

Gar eine Etage tiefer spielte bislang ein aktueller Trainingsgast der Dietiker: Morris Donati vom FC Birmensdorf. Er ist ein Bekannter von Luca Senicanin aus gemeinsamen Zeiten in Italien.

In zwei Wochen werde man entscheiden, wie es mit dem Mittelfeldspieler weitergehe, sagt Iellamo. Nicht zum Probetraining erschienen ist indes Gabriel Machado, der von 2007 und 2009 19 Super-League-Einsätze für die Grasshoppers bestritt. Der Stürmer – zuletzt in Rumänien – sagte Iellamo per SMS ab, weil er bei United Zürich in der 2. Liga interregional unterschrieben hatte.

Auf der Liste der Dietiker Abgänge stehen bislang sieben Namen: André Sisic, Igor Bilic, Ivan Medakovic (alle Blue Stars), Dragan Dunjic (Morava), Anthony Gullo (Schlieren), Samir Kozarac und Eric Arekhandia (beide offen). Der achte dürfte Anis Benbiri sein. Er ist momentan im Probetraining – in Thalwil.