Kleinkunst
Ein Stück über Knechte und Mägde, simpel aber einheimisch

«Es Läbe lang dr Gring am Bode u nie e Glogge ume Haus» ist ein Satz, der auf der Zunge zergeht. Erfunden hat den Satz der Autor Heinz Stalder, die dem Langenthaler «Theater überLand» als Grundlage ihrer dritten Produktion dient.

Urs Byland
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Marlise Fischer und Martin Abbühl spielen und musizieren in «Es Läbe lang dr Gring am Bode u nie e Glogge ume Haus»

Marlise Fischer und Martin Abbühl spielen und musizieren in «Es Läbe lang dr Gring am Bode u nie e Glogge ume Haus»

Zur Verfügung gestellt

1994 begleitete Heinz Stalder den alljährlichen Herbst-Ausflug des Bernischen Verbandes landwirtschaftlicher Angestellter. Daraus entstand das Stück.

Nur zwei Personen auf der Bühne

Nach den beiden Grossproduktionen «Die Tote im Weiher» und «Schiffbruch» folgt nun eine kleine Produktion des «Theaters überLand». Auf der Bühne werden einzig die Schauspielerin Marlise Fischer und der Musiker Martin Abbühl zu sehen sein. «Man darf vom dramaturgischen Ablauf nicht zu viel erwarten. Dieser ist ganz einfach», sagt Fischer.

Sie sage, was die pensionierten Knechte und Mägde an ihrem Tagesausflug sagen. «Teilweise verbinde ich dies zu Dialogen oder ich sage, was einer denkt.» Interessant habe sie die Fragen empfunden: «Wie stehen die Leute zueinander und wie setze ich das um auf der Bühne? Das verändert sich auch immer weiter.»

«Jedes Jahr eine Grossproduktion»

Die Produktion sei deshalb eher klein geblieben, weil das «Theater überLand» bereits auch wieder mit der Grossproduktion für das nächste Jahr beschäftigt ist. Es wird ein Krimi von Philipp Engelmann sein, nach Glausers erstem Kriminalroman «Der Tee der drei alten Damen» aus den dreissiger Jahren.

«Unser Bestreben ist schon, jedes Jahr eine Grossproduktion zu machen. Dass es heuer eine kleine Produktion geworden ist, ist eher ausserordentlich», sagt Fischer, ohne weiter auf die Gründe einzugehen. «Aber wir wollen schon auch im Segment Kleinkunst aktiv sein, und dazu zähle ich die aktuelle Produktion.» Mit einer Uraufführung eines Schweizer Autors seien die grundsätzlichen Ziele des Theaters erfüllt.

In Langenthal heimisch

Das «Theater überLand» wurde 2008 gegründet. Die in Bern wohnende freischaffende Marlise Fischer, bekannt von ihrer Arbeit beim Stadttheater Bern, ist die einzige Schauspielerin im Team. Mit dabei ist neben anderen auch Regisseur Reto Lang, Leiter des Stadttheaters. Sie beide wollten schon lange ein Tourneetheater auf die Beine stellen, das Uraufführungen produziert und je nach Produktion weitere Schauspieler engagiert. Fischer und Lang kennen sich schon lange und haben während längerer Zeit das Projekt entwickelt.

Als das Theater eine Partnerstadt ausserhalb der Zentren suchte, zeigte Langenthal Interesse. «Die Stadt Langenthal unterstützt uns sehr real und kontinuierlich», sagt Fischer. Wer nun denkt, ja klar, da hat Lang mitgeholfen, irrt sich. «Es war eine ganz seltsame Situation. Wir waren am Aufbau des ‹Theaters überLand›, als Reto Lang für die Stelle im Stadttheater in die Ränge kam. Daraufhin habe ich Reto gesagt, wenn Du diese Arbeit willst, dann müssen wir zuerst einmal unser Theaterprojekt stoppen.» Was dann geschah. Das Projekt wurde später wieder aufgenommen und «selbstverständlich auch in Langenthal vorgestellt».

Bilanz durchzogen

Eine andere Geschichte ist die, welche zum Namen des Theaters führte. «Wir haben lange darüber diskutiert. An einem Treffen mit Autoren haben wir beim Essen diverse Vorschläge genannt, welche alle als Humbug abgetan wurden. Plötzlich sagte jemand: Nennt doch Euer Theater über Land.» Alle seien begeistert gewesen. Der Namen könne in zweifachem Sinn gedeutet werden. «Ein Theater, das über das Land, also durch die Schweiz fährt, und ein Theater, das Stücke über unser Land
produziert.»

Den bisherigen Erfolg des Theaters nach drei Produktionen bewertet Fischer als durchzogen. «Aber wir wären nicht mehr dabei, wenn es nicht immer wieder Lichtblicke gäbe.» Der Verkauf der Grossproduktionen gestalte sich insofern schwierig, als die Schweiz eben einen begrenzten Markt biete. Immerhin bleibe das aktuelle Stück im Repertoire, was bei den Grossproduktionen mit den vielen externen Spielern schwer praktizierbar ist. Dennoch konnte «Schiffbruch» 21 Mal in der Schweiz gespielt werden. «Damit haben wir mit einer Grossproduktion die Schweiz beinahe schon abgegrast.»

Freitag, 2. Dezember, 20 Uhr, «Es Läbe lang dr Gring am Bode u nie e Glogge ume Haus», Theater überLand, Stadttheater Langenthal