Bundesrat
Ein Solothurner wird Einflüsterer des Innenministers

Als Stratege und Troubleshooter im Zentrum der Macht: Der Solothurner Michael Brändle wird einer von zwei persönlichen Mitarbeitern von Bundesrat Alain Berset. Brändle war bisher stellvertretender Generalsekretär der Suva.

Andreas Toggweiler
Merken
Drucken
Teilen

Wenn ein Bundesrat ins Kreuzfeuer der Sonntagspresse gerät, dann läutet das Handy seiner persönlichen Mitarbeiter. Und wenn derselbe Bundesrat denselben Journalisten interessante Zahlen zuschanzen will, die sein Departement in ein gutes Licht rücken sollen, ebenso.

Politisches Gespür unerlässlich

Persönliche Mitarbeiter (PM) tragen Informationen zusammen, mit denen der Chef in der «Arena» auftrumpfen kann, oder weisen ihn auf Schwachstellen hin, welche der politische Gegner benutzen könnte, um ihn anzuschiessen.Es sind Personen, die von vielen Dingen viel verstehen, recherchieren können und politisches Gespür haben.

Kommunikation ist (fast) alles

Es geht zunehmend auch um Kommunikationsstrategien: Denn wer schneller und besser kommuniziert, gewinnt Oberwasser im politisch-medialen Haifischteich.

«Persönliche Mitarbeiter sind Liberos, welche dem Bundesrat den Rücken freihalten oder spezielle Aufträge für ihn ausführen», erklärt Michael Brändle.

Der 40-jährige Politologe aus Solothurn ist vom neuen Freiburger SP-Bundesrat Alain Berset zum PM ernannt worden. Er wird seine Arbeit am 1. Februar antreten.

Den zweiten persönlichen Mitarbeiter hat Berset letzten Freitag designiert: SP-Generalsekretär Thomas Christen steht ihm künftig ebenfalls zu Diensten.

Gegenseitiges Vertrauen
Wie wird man PM eines Bundesrats? «Wichtigste Bedingung ist gegenseitiges Vertrauen», erklärt Brändle. «Und man muss das Heu auf derselben Bühne, also dieselben Ziele haben.»

Berset habe er kennen gelernt, als er während fünf Jahren im Departement von Micheline Calmy-Rey arbeitete. Dabei ergaben sich viele Kontakte zu Parlamentariern.

Schon damals hat sich Brändle vor allem mit Sozial- und Finanzpolitik befasst und lernte unter anderem auch die Suva kennen, zu der er vor drei Jahren beruflich wechselte. Ein ausführliches Portrait von Michael Brändle finden Sie in der heutigen Ausgabe von "Der Sonntag".