Kirchgemeinde Bleienbach
Ein Rolls-Royce vor dem Pfarrhaus ist unerwünscht

Die Kirchgemeinde Bleienbach will das Pfarrhaus kaufen – dank eines neuen Steuerzahlers kann sie sich das auch leisten. Die Kirchgemeinde hat heute ein Eigenkapital von knapp 660000 Franken.

Jürg Rettenmund
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Die Kirchgemeinde Bleienbach prüft den Kauf des Pfarrhauses.

Die Kirchgemeinde Bleienbach prüft den Kauf des Pfarrhauses.

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Das Pfarrhaus gehört zur nahen Kirche, und das soll so bleiben: Darin waren sich der Kirchgemeinderat und die rund 30 Anwesenden am Informationsabend vom Montag einig. Deshalb soll die Kirchgemeinde dem Kanton das währschafte Haus aus dem Jahr 1704 mitsamt dem Pfarrspycher und der Pfarrhofstatt abkaufen. Entscheiden wird die Kirchgemeindeversammlung am Mittwoch, 6. Juni.

Es wäre für ihn ein unerträglicher Gedanke, dass dereinst der Rolls-Royce eines privaten Bewohners vor dem Pfarrhaus parken könnte, sagte alt Pfarrer Christian Gerber. Dafür verantwortlich, dass dieses Schreckensszenario nicht eintrifft, könnte allerdings ein Bleienbacher sein, der sich einen Rolls-Royce durchaus leisten könnte.

Denn als der Kanton 2009 der Kirchgemeinde erstmals ein Kaufsangebot unterbreitete, hätte sich diese das Pfarrhaus gar nicht leisten können, wie Kassier Samuel Zürcher aufzeigte. Doch inzwischen hat die Kirchgemeinde zuerst eine Schenkung erhalten, und seit 2010 hat sich der Steuerertrag dank einer «juristischen Personengruppe» sprunghaft um rund 100000 Franken nahezu verdoppelt. Die Kirchgemeinde sitzt deshalb heute auf einem Eigenkapital von knapp 660000 Franken.

Sanierung etappieren

Rein wirtschaftlich lohne sich der Kauf zwar nach wie vor nicht, bekannte Zürcher. Denn neben dem Kaufpreis von 170000 Franken muss die Kirchgemeinde mit Sanierungen von rund einer halben Million Franken rechnen. Doch tragbar ist die Investition nun, besonders wenn die Sanierung etappiert wird, was gemäss dem Kirchgemeinderat mit Ressort Liegenschaften, Raymond Petzold, durchaus möglich erscheint.

Einig war man sich in der Versammlung, dass das Pfarrhaus in der zweitkleinsten Kirchgemeinde des Kantons Bern ein Zentrum ist. Und zwar nicht nur bei seelisch-geistlichen Anliegen, wie Pfarrerin Annerös Jordi betonte, sondern auch «für sozial nicht so gut Gestellte.» Das Pfarrhaus brauche es nicht nur für das kirchliche Leben, sondern auch als Zentrum des Dorfes. Wenn schon vieles anderes unsicher sei, so wolle man das bewahren, was man selbst in den Händen habe.

Parkplätze fehlen

Schliesslich ging es am Informationsabend nochmals um Autos. Allerdings nicht um einzelne Rolls-Royce, sondern um die grosse Zahl an fahrbaren Untersätzen für Normalverdienende, die heute auch zu einem lebendigen kirchlichen Treffpunkt dazugehören. Bei der Kirche Bleienbach fehlen dafür die Parkplätze, und nicht alle Besucher einer Taufe, einer Hochzeit oder einer Beerdigung lassen sich auf den Schulhausplatz verweisen. Sie stellten ihre Autos auf den Nachbarliegenschaften ab und würden auch noch frech, wenn die Besitzer das nicht tolerieren, erzählte ein Nachbar.

Eine Lösung könnte sich auf der Pfarrhofstatt bieten, die der Kanton der Kirchgemeinde für 7000 Franken auch noch anbietet. Dieser Preis gilt allerdings nur, wenn sie mit einem Bauverbot belegt würde. Ohne diese Einschränkung würde sie 34000 Franken kosten. Der Kirchgemeinderat wird bis zur Kirchgemeindeversammlung am 6. Juni abklären, ob in der Pfarrhofstatt überhaupt ein Parkplatz gebaut werden dürfte.

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