Prostitution
Ein Puff aus Steuergeldern? - Im Kreis 4 oder 5 wäre es denkbar

Wäre ein städtisches Bordell in Zürich denkbar? In «Talk Täglich» liefern SVP-Politiker Martin Götzl und SP-Gemeinderätin Marianne Aubert Argumente dafür und dagegen.

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In einem städtischen Bordell wären die Prostituierten ihre eigenen Chefs. (Symbolbild)

In einem städtischen Bordell wären die Prostituierten ihre eigenen Chefs. (Symbolbild)

/AP/FRANKA BRUNS

Soll die Stadt Zürich eine Liegenschaft für ein städtisches Bordell bereitstellen? Die Frage spukt in den Medien und auf der politischen Agenda Zürichs herum, seit SP-Gemeinderätin Christina Seidler eine entsprechende Motion eingereicht hat. Ihren Argumenten zufolge, würde ein ein solches Etablissement die Arbeitsbedingungen von Prostituierten substanziell verbessern.

Die Zürcher SVP verschmäht diesen Vorschlag: SVP-Fraktionspräsident Martin Götzl betont in der Sendung «Talk Täglich» die Untragbarkeit dieser Vorstellung: Die Stadt und damit der Staat könne unmöglich zu Puffbetreibern werden und dieses Unternehmen aus öffentlichen Geldern finanzieren.

Seit drei Jahren existiere eine neue Prostitutionsgewerbeverordnung, in der die Sicherheit von Sexualarbeiterinnen bereits geregelt werde.

Gemäss dieser Verordnung müssen Prostituierte mündig und urteilsfähig - also das 18. Lebensjahr erreicht haben, ausserdem über das Aufenthaltsrecht sowie eine Zulassung zur Erwerbstätigkeit und eine Krankenversicherung verfügen. Trifft dies zu, wird ein Gesuch stattgegeben.

Für die Zürcher SP-Gemeinderätin Marianne Aubert, die sich intensiv mit der Prostitution der Stadt Zürich befasst, bestehen trotz Verordnung noch Mängel. Zum Beispiel im Langstrassenquartier gebe es immer noch gewisse Schwierigkeiten: Die Prostituierten seien von der Strasse verbannt worden, da der Strassenstrich mit der neuen Verordnung in dieser Gegend nicht mehr erlaubt sei. Denn Zonen werden nach prozentualem Einwohneranteil gesteckt: Übersteigt der Wohnanteil in einem gewissen Gebiet die 50-Prozentmarke, sind Bordelle oder auch Kleinstbetriebe verboten.

Die Mietzinsen in Zürich befänden sich ausserdem in horrenden Höhen, was sich ein Kleingewerbe nicht leisten könne. Aus diesem Grund müsse die Stadt Zürich einschreiten und eine Liegenschaft zu Verfügung stellen.

Damit werde Sicherheit für die Prostituierten geschaffen, die in einem Bordell selbstständig arbeiten und sich dementsprechend auch selber organisieren können.

«Zürich darf nicht zum Magnet werden»

Für Götzl fällt die Sicherheit der Prostituierten nicht in den Aufgabenbereich der Stadt. Diese greife ein - wie beim Strassenstrich Sihlquai - sollte sich die Situation zu einem Problem entwickeln, das auch das öffentliche Interesse tangiere.

Zürich laufe mit einem städtischen Bordell Gefahr, zu einem Magnet für Auswärtige zu werden. Dass ausserkantonale Kundschaft zukünftig nicht in das städtische Bordell strömen, liegt gemäss seiner Aussage auch im Interesse der Bevölkerung.

«So wenig wie möglich, so viel wie nötig» soll unternommen und damit ein befriedigender Mittelweg gefunden werden. Sollte der sexuelle Verkehr zwischen Prostituierten und Freiern in Büschen oder dunklen Hauseingängen stattfinden, müsse die Stadt eingreifen. In der heutigen Situation sieht er jedoch keinen Handlungsbedarf.

Für jede ein eigenes Zimmer

Die Frage, wo ein städtisches Bordell Platz findet, beschäftigte bereits Ex-Stadträtin Monika Stocker. Ihrer Meinung nach wäre ein solches Etablissement im Kreis 4 oder 5 denkbar. Auch Marinne Aubert unterstützt diesen Vorschlag. Da ein Bordell ein diskretes Geschäft sei, werde es in einem etwas belebteren Quartier nicht unangenehm auffallen. Es liege schliesslich auch im Interesse der Kunden, nicht gesehen zu werden.

Nach der Vorstellung von Aubert erhält jede Frau ihre Räumlichkeiten. Ebenfalls vorhanden sein müssen Bäder und WC, damit die Frauen sich nach dem Verkehr waschen können.

Es sei auch keineswegs als eine Schenkung der Stadt Zürich gedacht, denn die Frauen müssen selbstverständlich Miete zahlen.

Bereits ein bewilligtes Bordell in Wollishofen

Gemäss einem Zuschauer, der sich per Telefon in der Sendung meldete, gibt es in Zürich-Wollishofen bereits ein Bordell. «Als die Idee vors Volk kamen, haben diese Mordio und Zeter geschrien»; mittlerweile haben sich die Gemüter beruhigt, denn das Geschäft sei sehr diskret: Er sehe weder Prostituierte noch Freier auf der Strasse.

Der Zürcher Anwalt Valentin Landmann initiierte das erste legale Bordell.

Der Zürcher Anwalt Valentin Landmann initiierte das erste legale Bordell.

Keystone

Das «Petite Fleur» ist im Februar 1998 als «erstes offiziell bewilligtes Bordell in Zürich» eröffnet worden. Damit wurde Prostituierten die Möglichkeit zur Verfügung gestellt, selbstständig und in einer geschützten Atmosphäre ihrer Tätigkeit nachgehen zu können.

Nun liegt es am Gemeinderat, über ein städtisches Bordell zu urteilen. Danach hat die Stadt zwei Jahre Zeit, um einen konkreten Vorschlag auszuarbeiten.

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