Madiswil
Ein pensioniertes Ehepaar auf dem Weg zum Gipfel

René und Rösli Merz waren auf dem Kilimandscharo, dem höchsten Berg Afrikas. Die Erwartungen von Rösli und René Merz an diese aussergewöhnliche Reise wurden vollauf erfüllt. Und ihre grosse Anstrengung wurde auch mit einem Diplom belohnt.

Berty Anliker
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Rösli und René Merz – für ihre Leistung gab es ein Zertifikat.bag

Rösli und René Merz – für ihre Leistung gab es ein Zertifikat.bag

René und Rösli Merz, 69 und 64 Jahre alt, sind erfahrene Berggänger. «Wir haben schon viele Bergtouren gemacht. Als wir überlegten, was wir noch machen könnten, kam uns der Kilimandscharo in den Sinn. Bergsteigerisch ist er kein Problem, klettern muss man da nicht», erzählen sie. Ein Sonntagsspaziergang ist es allerdings auch nicht. Denn der Gipfel liegt auf 5895 Meter über Meer und die Luft dort oben ist sehr dünn.

Anfängliche Bedenken

«Ich habe zuerst gezögert, weil ich dachte, ich schaffe das vielleicht nicht. Und so weit reisen, um dann aufgeben zu müssen ...», hatte Rösli Merz anfangs Bedenken. «Man weiss ja wirklich nicht, ob man die Sache durchsteht», ergänzt ihr Mann. Doch sie wagten es, buchten die Expedition bei «Berg-Welt» in Steffisburg und flogen zusammen mit neun andern Abenteuerlustigen von Kloten nach Nairobi.

Aber der Kilimandscharo, der im Nordosten von Tansania liegt, musste noch etwas warten. Vorerst wurde zur Akklimatisation ein anderer Berg in Angriff genommen – der Lenana im Mount Kenia-Massiv. Dieser Berg hat ebenfalls die beachtliche Höhe von 4985 Metern. In den fünf absolvierten Tagesetappen konnten sich die Reiseteilnehmer langsam an
die immer dünner werdende Luft gewöhnen.

Freudentränen

«Als wir auf dem Gipfel standen, habe ich fast geweint vor Freude. Es war einfach fantastisch und bereits ein so grosses Erfolgserlebnis, dass ich dachte: Nun ist es mir gleich, ob ich den Kilimandscharo auch noch schaffe», erinnert sich Rösli Merz. Nach diesem Trip waren die Berggänger dann gut vorbereitet, um ihr Hauptziel in Angriff zu nehmen -– den Berg Kibo, den höchsten Gipfel im Kilimandscharo-Massiv.

Das Gebiet um den Kilimandscharo ist ein Nationalpark. Man muss Eintritt bezahlen und viele Vorschriften beachten. «Beispielsweise ist limitiert, wie viel Gepäck die Träger schleppen dürfen», erklärt René Merz. Der Start zur Expedition war beim Marangu-Gate auf einer Meereshöhe von rund 1800 Metern. Daniel Andres aus Wynau war als Schweizer Reiseleiter dabei, die Führung lag jedoch in den Händen der Afrikaner.

Schritt für Schritt

Acht Reiseteilnehmer und mehr als 20 Begleitpersonen machten sich also auf den Weg. Beim Marsch in die Höhe veränderte sich die Umgebung immer wieder: Landwirtschaft, Regenwald, Gebüsch und Grasland, Geröll, zuoberst Schnee. «Der Weg war eigentlich gut zu begehen. Wir gingen langsam, Schritt für Schritt, so merkten wir kaum etwas vom Sauerstoffmangel», versichert das Ehepaar Merz.

Die Begleitmannschaft versorgte die Gruppe ausgiebig mit Essen und ging jeweils voraus, um die Zelte fürs Biwak aufzustellen. Vom letzten Rastort brachen sie am fünften Tag bereits um Mitternacht auf, um zum Gipfel des Berges Kibo, genannt Uhuru Peak, aufzusteigen. Am sogenannten Gillman’s Point gelangten sie an den Rand des Kraters und gingen diesem entlang bis zum Gipfel.

Eindrucksvolles Erlebnis

Als sie den Uhuru Peak erreichten, zeigte die Uhr Viertel nach sechs Uhr und die Sonne war gerade aufgegangen. Es war kalt – mindestens zehn Grad Minus. Nachdem man sich gegenseitig gratuliert und ausgiebig Fotos geschossen hatte, begann gleich der Abstieg. Man stieg am selben Tag noch ganze 2000 Meter ab. Und am sechsten Tag bis ins Tal hinunter.

Die ganze Gruppe hat es auf den Gipfel geschafft, niemand musste aufgeben. Das ist eher die Ausnahme als die Regel. Von den Strapazen erholen konnten sich die Reiseteilnehmer dann bei einer Safari durch den Amboseli-Nationalpark, was ebenfalls ein sehr eindrucksvolles Erlebnis war.

Die Erwartungen von Rösli und René Merz an diese aussergewöhnliche Reise wurden vollauf erfüllt. Ihre grosse Anstrengung wurde auch mit einem Diplom belohnt. Sie haben viele Fotos nach Hause gebracht, haben viel zu erzählen und werden noch lange von den Erinnerungen zehren. «Es war überwältigend, am höchsten Punkt von Afrika zu stehen», schwärmen sie.