Langenthal
Ein Neuanfang mit Konfekt für den pensionierten Bäcker

Mit der Pensionierung kommt es auch zu Änderungen im Laden von Annelies und Jürg Däster. So backen sie keine Brote mehr, die Konditoreiabteilung ist geschlossen. In der Confiserie Däster in Langenthal gibt es nur noch Schokolade-Spezialitäten.

Urs Byland
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Jürg und Anneliese Däster in den sanft renovierten Ladenräumlichkeiten ihrer Confiserie. uby

Jürg und Anneliese Däster in den sanft renovierten Ladenräumlichkeiten ihrer Confiserie. uby

Im Treppenhaus zum Privatbereich grüsst von einem Plakat die Berühmteste ihrer Zunft: Juliette Binoche. Im Film «Chocolat» hat sie dem Berufsstand der Confiseure und Confiseurinnen einen Hauch der Verführung verliehen, und die Verarbeitung von Kakao zu etwas Geheimnisvollem gemacht. Dieses Geheimnisvolle, Verführerische findet man in Langenthal im umgebauten Laden von Anneliese und Jürg Däster. Für Letzteren hat die Zeit nach der Pension begonnen.

Pensionierter Bäcker bleibt Confiseur

«Wir fühlen uns beide fit und wollen das Confiseriegeschäft weiterführen», sagt Jürg Däster. Aber die Konditoreiabteilung schliessen sie. Der alte Backofen in der Backstube, im hinteren Bereich des Erdgeschosses, ist erloschen. Er war einer der ersten elektrisch betriebenen Bäckereiöfen und wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg vom Grossvater eingebaut, der seinerzeit die Bäckerei übernommen hatte.

Jürg Däster führt in dritter Generation den Betrieb. Seine Lehre absolvierte er in Lenzburg, bevor er ein Jahr lang in England arbeitete. «Danach kam ich zurück und arbeitete unter meinem Vater.» Wie auch Anneliese Däster, die seit 1969 im Laden mitarbeitet. 1983 übernahmen die inzwischen verheirateten Anneliese und Jürg Däster den Betrieb vom Vater.

«Als erstes haben wir das Tearoom, das mein Vater einrichtete und zusätzlich zum Bäckergeschäft betrieb, wieder aufgegeben.» Noch heute zeugen die mit «Damen» und «Herren» angeschriebenen Toiletten im Gang zwischen Backstube und Laden sowie die seltsame Türe mit dem kleinen runden Fenster unter der Treppe von der Zeit des Tearooms. Hinter der Türe befand sich auf engstem Raum eine Telefonkabine.

Schönheit und Kitsch

Im Wohnbereich, im zweiten Stock berichten Jürg und Anneliese Däster von ihren Absichten. Auf der Anrichte neben den vielen Fotos von Enkelkindern steht ein Kerzenständer mit hellblauen und rosaroten Kerzen und fasziniert zwischen Schönheit und Kitsch. Beides gehört zum Laden, der von Anneliese Däster geprägt ist. «Sie ist das ‹Gesicht› des Ladens. Ich bin meistens in der Backstube und in den vielen Jahren den Langenthalern ein unbekanntes Wesen geblieben», berichtet Jürg Däster.

Künftig wird sich sein Wirkungskreis auf das 1. Stockwerk beschränken. Dort ist der Confiseriebereich eingerichtet mit dem Kühler, dem Lager und dem grossen Tisch mit der weissen Marmorplatte. An diesem Tisch wird er weiterhin Schokolade rühren und in Formen giessen, und so die süssen Spezialitäten ihrer Confiserie herstellen: die eigenen Pralinés, das Langenthaler-Porzellan, die -Grüessli, -Forellen und -Bsetzistei.

Weiterexistieren mit Spezialitäten möglich

Der Laden wurde einer sanften Renovation unterzogen und die Spuren des Konditoreibetriebs, wie Brotgestelle entfernt. «Das bisher grosse Warenangebot mit Confiserie- und Konditoreiprodukten wollen wir nicht mehr aufrechterhalten.» Wegfallen wird dann auch die Ausbildung von Lehrlingen. «Wir hatten seit Vaterszeiten drei Lehrlinge, mit denen der Doppelbetrieb funktionierte», sagt Jürg Däster. Im Vorjahr beendete die letzte Lehrtochter ihre Ausbildung. «Wir haben die Lehrlingsausbildung im Hinblick auf meine Pensionierung auslaufen lassen. Danach hat es aber bei uns angehängt. Wir waren uns rasch schnell einig, uns auf die Confiserie zu beschränken.»

Der Konzentration auf Confiserieprodukte sehen sie gelassen entgegen. «Ein Weiterexistieren sollte mit unseren Spezialitäten möglich sein. Wir sind überzeugt, dass dies auch in der Kleinstadt Langenthal funktioniert.» In Langenthal hätten sie bisher eine treue Kundschaft erleben dürfen. Die grössten Umsätze holten Dästers um die Jahrtausendwende herein.

«Danach gab es Einbrüche. Ich denke, das hat mit den Veränderungen im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umfeld zu tun», so Jürg Däster. In der eigenen Familie zeichnet sich keine Nachfolge ab, aber eine mögliches Weiterbestehen will er nicht ausschliessen. «Je nachdem, wie sich der Confiseriebetrieb wirtschaftlich entwickelt.»