Wangen
Ein Lichtblick zeichnet sich ab: Grossbank interessiert sich für geschütztes Haus

Das Haus Vorstadt 15 und 17 in Wangen steht seit Jahren auf der Roten Liste des Heimatschutzes. Nun gibt es einen Interessenten. Damit könnte auch eine neue Nutzung des Gebäudes zustande kommen.

Jürg Retttenmund
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Das Haus in der Vorstand steht unter Denkmalschutz, ist aber seit Jahren unbewohnt. Fotos: Hanspeter Bärtschi

Das Haus in der Vorstand steht unter Denkmalschutz, ist aber seit Jahren unbewohnt. Fotos: Hanspeter Bärtschi

Solothurner Zeitung

Setzt sich eine Saatkrähe aufs Dach des Hauses Vorstadt 15 und 17 in Wangen an der Aare, finden zwei zusammen, die etwas gemeinsam haben: Beide stehen auf einer Roten Liste. Jene mit der Saatkrähe wird seit 1977 von der Vogelwarte Sempach erstellt und wurde gemäss deren Homepage zum Vorbild für spätere Rote Listen verschiedener Tier- und Pflanzengruppen. Und auch für jene des Schweizer Heimatschutzes, wie Peter Egli einräumt, der dort als Architekt und Redaktor arbeitet.

Auf dieser Roten Liste befindet sich auch das erwähnte Haus in Wangen, gemäss Beschreibung des Heimatschutzes ein ehemaliges Bauernhaus von 1813 mit Scheune von 1840, ein «grosszügiger Bau mit dem Charakter eines Dorfgasthauses», der das Strassenbild dominiert. Hervorgehoben wird die zweiarmige Vortreppe an der Strassenseite mit schönem Relief (Tuch, Ölzweig und Taube) sowie die klassizistische Gestaltung des Türsturzes.

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, ist jedoch seit Jahren unbewohnt. Das ist denn auch der Grund, weshalb es auf der Roten Liste des Heimatschutzes steht. Wie dieser 2003 bei der Lancierung betonte, will er mit der kostenlosen Internet-Plattform auf bedrohte Gebäude aufmerksam machen, und zum Verkauf stehende Objekte an potenzielle Käufer vermitteln.

Seit 2003 auf der Liste

Seit 2003 ist auch das Haus Vorstadt 15 und 17 in Wangen auf der Liste, wie Peter Egli erklärt. Wie es genau dorthin kam, kann er allerdings nicht mehr sagen. Generell sei es so, das die Gebäude von den Heimatschutz-Sektionen oder den kantonalen Denkmalpflege-Stellen gemeldet werden. Die schweizerische Geschäftsstelle in Zürich trägt sie dann in die Liste ein und agiert als Vermittler. Die Adresse des Eigentümers findet sich nicht im Internet, Anfragen kommen zum Heimatschutz, der sie weiterleitet. «In der Regel kontaktieren wir die Eigentümer aber bereits, bevor wir ein Objekt in die Liste aufnehmen», erklärt Egli. Heute kämen viele Eigentümer selbst auf den Heimatschutz zu.

Das Gebäude in Wangen gehört dem Ingenieur- und Planungsbüro Basler & Hofmann West in Zollikofen. Dieses kam «contre coeur» dazu, wie Verwaltungsratspräsident Hansjörg Schenker sich ausdrückt: Als die Zürcher Basler & Hofmann AG 1994 das Burgdorfer Ingenieurbüro Steiner & Buschor übernahm und sie in ihre Basler & Hofmann West AG integrierte, gehörte das Gebäude Steiner & Buschor.

«In die neue Unternehmung passt es jedoch nicht mehr», erklärt Schenker, «denn wir halten nur Liegenschaften, die wir auch selbst nutzen.» Praktisch seit 1994 versuche Basler & Hofmann das Haus deshalb zu verkaufen, bisher allerdings ohne Erfolg. Um Schäden zu verhindern, liess Basler & Hofmann für rund 250000 Franken das Dach erneuern, was auch in der Roten Liste registriert wurde. Die Gebäudesubstanz sei in einem guten Zustand, der Rest jedoch renovationsbedürftig, heisst es dort.

«Freude am Objekt»

Von diesem Eintrag hörte Hansjörg Schenker vom «az Langenthaler Tagblatt» allerdings zum ersten Mal. Dabei müsste der Heimatschutz eigentlich Freude an diesem Verkäufer haben. «Unser Ziel ist nicht ein möglichst hoher Verkaufspreis, sondern ein Käufer, der Freude hat an dem Objekt und daraus etwas machen will.»

Schenker verhehlt allerdings auch die Problematik der Liegenschaft nicht: Sie ist sehr gross, was sich auch im Kaufpreis und den Renovationskosten niederschlägt. Zudem seien die Banken zurückhaltend, wenn es um die Finanzierung von denkmalpflegerischen Mehrkosten gehe. Für diese müsse ein Bauherr deshalb Eigenkapital besitzen.

Diese Einschätzung teilt auch Peter Egli. Es sei denn auch kein typisches Objekt auf der Roten Liste. «Diese sind eher klein, und in ruhiger schöner Wohnlage. Für solche Objekte erhalten wir jeweils rasch zahlreiche Anfragen.»

Jetzt zeichnet sich gemäss Schenker in Wangen allerdings ein Lichtblick ab: Eine Grossbank interessiere sich für das Objekt, womit eine neue Nutzung zustande kommen könnte. Aus der Roten Liste verschwindet es damit allerdings nicht, es rutscht lediglich von den aktuellen Projekten zu den erfolgreichen.

Lebendes Gedächtnis

Denn der Heimatschutz versteht seine Liste auch als «lebendes Gedächtnis». In dieses könnte sich der Oberaargau zum ersten Mal mit einem Erfolg einschreiben. Bisher findet man dort erst einen Verlust: Ein Wohnhaus an der Friedaustrasse 7 in Wynau. Es wird als Bestandteil einer älteren Häuserzeile beschrieben, die ein wichtiger Teil des Ortsbildes war. Hervorgehoben werden die originelle Komposition aus mehreren Gebäudeteilen sorgfältig gestaltete Details sowie ein Sichtbacksteinsockel am Stall mit etlichen Verzierungen. Zudem seien verschiedene Ausbauetappen deutlich ablesbar.

«Auch wenn das Gebäude keinem reinen Bautyp zugeordnet werden kann, ist es doch ein gewachsenes Zeugnis der kultur- und baugeschichtlichen Identität des Dorfes und in seiner gut sichtbaren Position ein wichtiger Teil des Dorfbildes.» Trotz dieser Lobeshymne fiel das Haus 2005 dem Parkplatz für die altersgerechten Wohnungen der Genossenschaft Betreutes Wohnen zum Opfer .

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