Tram Bern West
«Ein lang ersehnter Tag»

Wochenende im Zeichen des neuen Trams – gestern die grosse Eröffnungsfeier. Nach 20 Jahren Planung sei das Projekt nun endlich realisiert worden, meinte Gemeinderätin Regula Rytz von den Grünen.

Katharina Schwab
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 Regierungsrätin Barbara Egger (l.) und Gemeinderätin Regula Rytz läuten zur ersten offiziellen Tramfahrt in den Westen der Stadt Bern.
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 Links gehts ins Fischermätteli, geradeaus führen die Gleise neu nach Bümpliz und Bethlehem.
 Am Loryplatz scheint die Abendsonne direkt in den Führerstand und blendet den Chauffeur.
 Angeregte Tramfahrt: Alt-Stapi Klaus Baumgartner, Regula Rytz, Barbara Egger und Bernmobil-Chef René Schmid (v.l.) unterhalten sich.
 Kurz vor der Haltestelle "Unterführung" kitzelt die Wintersonne nochmals den Tramchauffeur ...
Eröffnung von Tram Bern West
 René Schmid dankt ...
 ... Barbara Egger lobt ...
 und Regula Rytz freut sich über die "neue Tramstadt Bern".
 Angekommen an der zweiten Endstation im Westside ...
 ... gehts zum VIP-Apéro.

Regierungsrätin Barbara Egger (l.) und Gemeinderätin Regula Rytz läuten zur ersten offiziellen Tramfahrt in den Westen der Stadt Bern.

Gestern Sonntag änderte der Fahrplan. Nicht nur bei den SBB, sondern auch in der Stadt Bern: keine Busse mit den Nummern 13 und 14 mehr, dafür neue Trams mit den neuen Nummern 7 und 8. Ein Grund für Jung und Alt, das «Tram Bern Fest» zu begehen. Schliesslich wartete man lange genug auf die neuen Tramlinien nach Bümpliz und Bethlehem.

Die Berner Gemeinderätin Regula Rytz (Grüne) sprach in ihrer Rede am Samstag vom Tram Bern West als ein Projekt, «das 100 Jahre lang diskutiert und 20 Jahre lang geplant worden war». Die Rede galt über zweihundert geladenen Gästen, die am Samstagnachmittag mit zwei Extratrams Richtung Bümpliz chauffiert wurden und an der ersten Eröffnungsfeier teilnahmen.

Drei Sterne erwartet

Regierungsrätin Barbara Egger-Jenzer (SP) zog den Vergleich zum Stern von Bethlehem. So etwa sprach sie die Leuchtendächer an den Haltestellen an, die ankündigten, «dass da etwas Neues kommt». Und «ganz unbescheiden» erwarte auch das bernische Bethlehem heuer nicht einen Stern, sondern deren drei - die drei Spitzenlichter des ersten Trams. Der 12. Dezember sei ein «lang ersehnter Tag», herbeigesehnt von den Kämpfern für das neue Tram, aber auch von denen, die unter dem Lärm der Baustellen gelitten hätten. Sie freue sich, dass das Tram Bern West planmässig gebaut werden konnte und Zeit und Kosten nicht überschritten worden seien.

Tramstadt Bern

Die Hauptstadt mausere sich zur Tramstadt. Denn das Berner Tramnetz von 17,4 Kilometer Länge vergrösserte sich gestern auf über 24 Kilometer. Dies nütze nicht nur der Stadt, sondern auch dem Kanton, sagte die Regierungsrätin. Wenn der wichtigste Wirtschaftsraum des Kantons über gute Verkehrsinfrastrukturen verfüge, fördere dies den Wirtschaftsraum: «Und wenn Bern floriert, nützt dies wiederum dem ganzen Kanton», so Egger-Jenzer.

Zudem bedeute ein neues Tram «neue Strassen, gelungene Plätze, neue Stadtquartierlandschaften und viele Emotionen», sagte die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin des Kantons. Solch aufgewertete Strassen und Plätze könnten nun auch von einstigen Gegnern des Tram-Projekts bewundert werden, sagte sie, und sprach damit den langen Kampf ums Tram an.

In die Ferne leuchten

Für die städtische Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadtgrün, Regula Rytz, war klar, was zum Gelingen dieses Projekts beigetragen hat: der frühe Einbezug der Quartierbevölkerung von Bümpliz und Bethlehem, überparteiliche Zusammenarbeit sowie Beharrlichkeit. Und nun sei es so weit: «Täglich wird nun der historische Röstigraben zwischen Bern-Ost und Bern-West durch Bernmobil überwunden.»

Bernmobil-Chef René Schmid nahm die Eröffnung des Trams Bern West zum Anlass, um für weitere geplante Tramlinien einzutreten: «Das Tram Bern West soll für weitere Tram-Projekte leuchten, bis nach Ostermundigen und Köniz.» Ob der neue Stern von Bethlehem aber so weit zu leuchten vermag, steht sozusagen in den Sternen.

Die Eröffnung verlief gestern nicht ganz störungsfrei: Wegen eines Stromausfalls standen 15 Minuten lang die Trams still, wie die SDA berichtete. Der Stromausfall ging auf eine Netzüberlastung zurück. Als um 9.30 Uhr morgens alle Trams von Bernmobil mit laufender Heizung auf den Schienen unterwegs waren, habe im Osten Berns ein Gleichrichter von Energie Wasser Bern der Belastung nicht mehr standgehalten, sagte Schmid am Rande der Eröffnungsfeierlichkeiten.