Langenthal
Ein Kauf unter gegensätzlichen Vorzeichen

Anstelle der Stadt kaufen die Industriellen Betriebe das Gelände an der Bleienbachstrasse. Diese Kehrtwende habe sich im Laufe der Verhandlungen ergeben, so die Stadt in einer Stellungnahme.

Urs Byland
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Das alte Zeughaus kann von der Vorderseite wie von der Rückseite befahren werden. uby

Das alte Zeughaus kann von der Vorderseite wie von der Rückseite befahren werden. uby

Solothurner Zeitung

Das Langenthaler Zeughaus an der Bleienbachstrasse steht seit längerem leer. Die Armee hat keinen Bedarf mehr für das Areal. Vor zwei Jahren verhandelte der Gemeinderat mit der Armasuisse, der Immobilienfirma der Armee, über den Kauf des Zeughauses. Nun vermeldeten am Freitag die Industriellen Betriebe Langenthal (IBL) den Kauf der Liegenschaft (wir berichteten).

Pikanterweise sprach Stadtpräsident Thomas Rufener vor zwei Jahren von Gesprächen mit der IBL, die als Untermieter infrage kämen. Nun ist nicht die Stadt Käufer, sondern die IBL – und die Stadt wird zum Untermieter der IBL.

Weshalb diese Kehrtwende? Sie ist für Stadtpräsident Thomas Rufener kein Problem: «Wir wussten ja von Anfang an vom Interesse der IBL, nun sind sie die Käufer und wir werden uns einmieten.» Diese Kehrtwende habe sich im Laufe der Verhandlungen mit der Armasuisse ergeben.

Mit dem Kauf des Geländes durch die IBL entfallen zwei politische Hürden. Einerseits muss der Stadtrat dem Kauf nicht zustimmen, andererseits muss der Gemeinderat auch kein Nutzungskonzept erstellen. Das Gelände wird aber indirekt der Stadt gehören, ist sie ja zu 100 Prozent Besitzerin der IBL.

Seit Jahren auf der Suche

Bei einem Treffen vor Ort erklärt Hans Beer, Direktor der Industriellen Betriebe, die Gründe für den Kauf des Zeughauses: «Unser Problem ist, dass wir werkhofmässig an der Talstrasse unterversorgt sind. Unsere Lagerbedürfnisse können wir dort nicht befriedigen.»

Die IBL sind deshalb in «halb Langenthal» dezentral eingemietet. Nachteil ist: «Wird ein höherwertiger Mieter gefunden, müssen wir jeweils eine neue Lagermöglichkeit suchen», sagt Beer. Zudem würden die Möglichkeiten immer geringer, dass man ein grösseres Gelände finde, um es als Werkhof zu nutzen. Die Suche nach einem geeigneten Depot laufe nun schon seit Jahren.

«Hier mit dem Zeughausareal sind wir nun fündig geworden.» Das Gebäude eigne sich ideal als Lagerhaus und habe weitere Vorteile. «Wir haben Buntmetalle wie Kupferkabel, diese sind gesucht. Beim alten Zeughaus sind diese sicher gelagert. Weiter wurden unsere Depots für illegale Ablagerungen missbraucht.» Viele dieser Unannehmlichkeiten würden am neuen Standort ein Ende finden, ist Beer überzeugt.

Geprüft wurde auch ein Neubau. «Aber der Preis für das Land rechnet sich nicht für einen Werkhof. Im Moment brauchen wir nicht etwas qualitativ Hochwertiges. Was wir brauchen, muss abschliessbar und trocken sein.»

Das Zeughaus an der Bleienbachstrasse verfügt über zwei befahrbare Geschosse. Aktuell benötige die IBL nur ein Drittel der Fläche. Bereits eingemietet ist die städtische Abteilung Signalisation und Markierungen. «Wir werden auch für die weiteren Flächen Mieter finden», erklärt Beer. In erster Linie denkt er an den Zivilschutz.

Weg von militärisch genutzter Zone

Der Umstand, dass die IBL zu 100 Prozent der Stadt gehören, hat zum Kauf mit beigetragen. «Bis Ende Mai wird das Gelände militärisch genutzt. Nun muss es in eine zivile Nutzung überführt werden. Dazu nötig wird eine Umzonung. Diesen Antrag wollen wir nun dem Gemeinderat stellen», sagt der Direktor.

Weil die IBL eine halböffentliche Unternehmung ist, geniesse sie Vorrechte, erklärt Beer. Das Gelände könne ohne Umzonung nur genutzt werden, wenn eine öffentliche Nutzung gewährleistet sei. «Da wir der Stadt gehören, sind wir ein solcher Grenzfall.» Das Amt für Gemeinden und Raumordnung habe ihm erklärt, dass das Gebiet in einem «kleineren Verfahren» von einem Gebiet mit militärischer Nutzung in ein Gebiet mit öffentlichrechtlicher Nutzung überführt werden könne.

«Der grosse Schritt, die Überführung in eine normale Gewerbezone, folgt später, wenn der Zonenplan wieder einmal überarbeitet wird.» Längerfristig soll das Gelände gewerblich genutzt werden können – und möglicherweise als Ersatz dienen bei einer Aufgabe der Aktivitäten am jetzigen Hauptsitz an der Talstrasse mitten in der Wohnzone. «Die Lage ist natürlich optimal. Hier ist man ausserhalb der Stadt und noch nicht in einer anderen Gemeinde und auch verkehrstechnisch ist das Objekt gut erschlossen», so Beer.

Schweigen zum Kaufpreis

Über den Kaufpreis schweigt sich Beer aus. Er sei sicher geringer als der Marktwert, eben weil dem Militär die Übung mit der Umzonung erspart bleibe. Zudem bestehe eine Auflage: Wird das Gelände in den nächsten 20 Jahren veräussert, geht die Hälfte des Gewinns ans Militär

Dennoch hat das az Langenthaler Tagblatt schon vor zwei Jahren einen Richtpreis für das Gelände erhalten, als die Stadt noch daran interessiert war. Damals war im Investitionsplan der Betrag von zwei Millionen Franken aufgeführt. «Diese Planung beruhte auf einer externen Schätzung des Objektes», sagt der Stadtpräsident.