Dietikon
Ein Judoka mit Ambitionen: «Ich will so weit wie möglich kommen»

Julian Bersnak vom Judo-Sportclub Dietikon kämpft am Wochenende an den Schweizer Meisterschaften. Er erklärt, warum es für seine Judo-Karriere wichtig ist, einen flexiblen Arbeitgeber zu haben.

Von michel sutter (Text und foto)
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Julian Bersnak aus Hedingen freut sich auf die Schweizer Meisterschaften.

Julian Bersnak aus Hedingen freut sich auf die Schweizer Meisterschaften.

Michel Sutter

Montagabend, Turnhalle des Schulhauses Steinmürli in Dietikon. Die Erwachsenen des Judo-Sportclubs Dietikon trainieren gerade. Mit dabei ist auch der 16-jährige Julian Bersnak.

Ihm dienen die Trainingseinheiten als Vorbereitung für die Schweizer Meisterschaften, die am 21 und 22. November in Magglingen stattfinden und sind gleichzeitig ein Belastungstest.

Denn Bersnak kehrt von einer Knieverletzung zurück, die ihn zwei Monate lang vom Training abgehalten hat und die noch nicht ganz abgeklungen ist. «Sie behindert mich aber nicht mehr gross», versichert er.

Seit fast zehn Jahren ist Bersnak Judoka. Zum Judo gekommen ist er über seinen älteren Bruder Dominic. «Ich war bei seinem Training dabei und habe dann auch damit angefangen», erzählt er. Ebenso kämpfen seine jüngeren Brüder Severin und Yanis beim Judo-Sportclub Dietikon.

Aber nicht nur der Nachwuchs ist in der Familie Bersnak im Judo engagiert. Mutter Monika ist Aktuarin des Vereins, Vater René der Präsident. Wenig erstaunlich also, dass Judo nicht nur in der Halle, sondern auch zu Hause im Wohnzimmer ein grosses Thema ist.

«Wir schauen uns jeweils Videosequenzen an und analysieren, was wir besser machen können», sagt Julian Bersnak. «Mein Vater gibt mir oft Tipps.»

Derzeit trainiert Bersnak zweimal pro Woche im Schulhaus Steinmürli und zweimal im Regionalen Leistungszentrum Zürich, wo er jeweils noch Übungskämpfe absolviert. «Nur die beiden Trainings im Steinmürli wären zu wenig», sagt er.

Neben dem Judo spielt er auch zwei Mal wöchentlich Handball. «Das ist aber eher ein Hobby», meint er. «Das Judo ist mir schon wichtiger.»

Was genau gefällt ihm am Judo denn so gut? «Die Gemeinschaft», antwortet Bersnak. «Und die Technik. Es geht beim Judo vor allem um Technik.»

Dank Vereinbarung ins Training
Wenn er mal nicht in der Halle trainiert, absolviert der 16-Jährige eine Lehre als Informatiker. Selbstredend, dass da nicht mehr viel Zeit für anderes übrig bleibt. Doch Bersnak bringt alles zeitlich unter einen Hut: «Ich habe eine Sportvereinbarung von Swiss Olympics», erklärt er.

«Da bekomme ich Freistunden fürs Training oder für Trainingslager.» Einen Arbeitgeber zu finden, der sich dazu bereit erklärt, sei zwar nicht ganz einfach gewesen, gibt Bersnak zu. «Aber es funktioniert gut.»

Seine Ausbildung ist Bersnak wichtig. Denn er weiss: Selbst wenn er als Judoka eine grosse Karriere machen sollte, würde er finanziell als Profisportler unter Druck geraten. «Das Problem ist, dass man mit Judo nicht sehr viel Geld verdienen kann», klagt er. «So gesehen muss man noch etwas anderes machen.»

Die mageren Aussichten auf finanziellen Reichtum im Judo halten Bersnak allerdings nicht davon ab, hohe Ziele anzustreben.

«Ich würde gerne mal an Olympischen Spielen teilnehmen», schwärmt er. So wie sein grosses Vorbild, Teddy Riner. Der 132 Kilogramm schwere Judoka aus Frankreich hat 2012 an den Olympischen Spielen in London gekämpft und dort im Schwergewicht die Goldmedaille errungen.

Bersnak kämpft dagegen nur bis 50 Kilogramm. «Daher kann ich mir von Riner nicht so viel abschauen», erklärt er. Aber Riners Technik gefalle ihm.

Er selbst setzt vor allem aufs Tempo. «Meine Stärke ist, dass ich sehr schnell kämpfe», sagt er. «Damit kann ich meine Gegner überrumpeln.» Sofern er sie kennt, legt sich Bersnak für seine Gegner jeweils eine Taktik zurecht.

Das wird auch bei den Schweizer Meisterschaften so sein. Zweimal war er bei den nationalen Ausscheidungskämpfen bereits dabei. Bei seiner ersten Teilnahme vor zwei Jahren schaffte er in der U18-Kategorie bis 40 Kilogramm den dritten Platz. Letztes Jahr wurde er Fünfter bei den U18-Junioren bis 45 Kilogramm.

Und in diesem Jahr, wo er in der Kategorie bis 50 Kilogramm kämpft? Bersnak zuckt mit den Schultern.

«Ich habe mir kein Ziel gesetzt», erklärt er angesichts der Tatsache, dass er nur drei Wochen für die Meisterschaft trainieren konnte. «Das ist sehr kurz, die anderen hatten deutlich mehr Zeit», gesteht er. «Ich will einfach so weit wie möglich kommen.»

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