Attiswil
Ein Hobbyfotograf, der mit Skulpturen experimentiert

Während draussen ein eisiger Wind bläst, strahlen im Innern des Museums Attiswil Fotografien sommerliche Wärme aus: Ulrich Flück hat letztes Jahr mit den Skulpturen des Kulturweges Kulturundum experimentiert.

Andrea Marthaler
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Ulrich Flück.

Ulrich Flück.

Diese Objekte waren wie geschaffen, fotografisch etwas auszuprobieren», sagt Ulrich Flück. Der Hobbyfotograf wohnt im Nachbarort von Attiswil, im Solothurnischen Günsberg. Vom Attiswiler Kulturweg hat er fast die Hälfte der Skulpturen fotografiert, alle in HDR-Technik. «Dabei entstand aus fünf einzelnen Aufnahmen jeweils ein einziges Bild», erklärt Flück. Mit dem Effekt, dass die Farben deutlich kräftiger ausfallen als bei gewöhnlichen Fotos. Zudem wirken die Bilder teilweise fast dreidimensional. «Es kann sein, dass meine Fotos nicht allen gefallen, damit muss ich rechnen», meint darum Flück. Sein herzhaftes, lang andauerndes Lachen verrät, dass ihn das keineswegs belastet.

Gefallen haben Flücks Bilder vom Kunstweg allerdings den Erschaffern der Skulpturen sowie den Museumsverantwortlichen. Diesen hat er die Fotografien sowie einen daraus gestalteten Kalender gezeigt, woraus die spontane Idee einer Ausstellung zustande kam. «Damit können wir jetzt Anfang Jahr einen Rückblick auf das vergangene Jahr zeigen», sagt die Co-Präsidentin des Museums, Nicole Rebholz Ingold.

Flück experimentiert

Das Experimentieren war schon immer Ulrich Flücks Zugang zur Fotografie. «Ein Onkel hat bei Familienzusammenkünften fotografiert. Da mussten wir uns immer alle perfekt hinstellen.» Das habe ihm gar nicht behagt. Schnell merkte er, dass er lieber hinter dem Auslöser als vor der Kamera steht. In der zweiten, dritten Klasse hat er bereits begonnen, selber zu fotografieren und alles geknipst, was ihm vor die Linse kam. Ein Meilenstein für ihn war daher auch das Aufkommen der digitalen Fotografie. «Ich habe mir sofort eine Digitalkamera gekauft und viel ausprobiert.»

Nicht zuletzt auf Reisen kam dieses Hobby zum Einsatz. Und Flück reiste viel. Bereits als 15-Jähriger verabschiedete er sich mit einem Interrail-Ticket in der Hand für drei Wochen von den Eltern. Flück begann eine Ausbildung als Käser, musste diese aber aus gesundheitlichen Gründen abbrechen und machte später eine Ausbildung im Bereich Polymechanik bei Sulzer in Zuchwil. Berufsbegleitend liess er sich zum Katecheten ausbilden und besuchte einen Theologiekurs für Laien. Dank dieser Weiterbildung fasste er Fuss in der römisch-katholischen Kirche, arbeitete an verschiedenen Orten als Theologe und Jugendarbeiter.

Dazwischen war er immer wieder für längere Zeit am Reisen. «Länger als drei, vier Monate pro Jahr blieb ich nie in der Schweiz», sagt Flück. Immer, wenn er wieder genügend Geld beisammenhatte, zog es ihn in die weite Welt. «Ich bin auf der halben Welt herumgekommen», sagt er bescheiden. Wieder erklingt sein sympathisches Lachen, tief aus dem Bauch heraus. Seine verrückteste Reise – per Autostopp durch Amerika – dauerte gleich ein ganzes Jahr. Das war nach der Scheidung von seiner Frau, mit der er drei Kinder hat.

Einen Schlussstrich gezogen

Heute arbeitet der 53-Jährige selbstständig. Denn 2005 hat er bei der Kirche den Schlussstrich gezogen. Er konnte nicht mehr hinter der Haltung der römisch-katholischen Kirche stehen. Seither macht er PC-Support und gibt PC-Kurse – das nötige Wissen hat er sich selber angeeignet – und verdient sich einen Zustupf mit der Fotografie. Unter anderem fotografiert er Konzerte im KKL in Luzern und macht die offiziellen Bilder für die Sportlerehrung des Kantons Solothurn.

Trotz der Auftragsfotografie ist seine Leidenschaft aber das Experimentieren geblieben. «Manchmal waren viele Fotografen am Kunstweg unterwegs. Interessanterweise hat niemand etwas Ähnliches gemacht.» Flück suchte die besondere Perspektive. So fotografierte er unter einer Brücke hindurch und hielt dabei die hängenden grünen Algen genauso fest wie die sich dahinter befindenden bunten Spiralen. Bei einem anderen Sujet arbeitete er in einer Vollmondnacht mit Stativ und Taschenlampe. So ist die Kugel-Skulptur erleuchtet, gleichzeitig sind die Sterne am Nachthimmel zu sehen.

Die Ausstellung ist an allen Sonntagenim Februar offen, jeweils von 14 bis 17 Uhr. Ulrich Flück wird anwesend sein.