Winterthur
Ein Heiler reist mit seinen Geistern in Winterthur an

Tausende Menschen strömen wegen des brasilianischen Wunderheilers João de Deus in die Eulachhallen .Dieser tritt seit gestern zum ersten Mal in der Schweiz auf und hat sich dafür Winterthur ausgesucht.

Marisa Eggli
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Personen auf dem Weg zur Heilveranstaltung von João de Deus in Winterthur. Marc Dahinden

Personen auf dem Weg zur Heilveranstaltung von João de Deus in Winterthur. Marc Dahinden

Der erste Geist, der in den Körper von João de Deus schlüpfte, war der biblische König Salomon. De Deus war damals noch ein Teenager, er fiel in Trance, heilte Menschen und entschuldigte sich nach dem Aufwachen für seine guten Taten. Seither schlüpfen über 30 Geister in den Brasilianer, um ihn als Heiler zu benutzen. Manchmal ist es der italienische Heilige Franz von Assisi, manchmal der Mitgründer des Jesuitenordens Ignatius von Loyola und auch König Salomon schaut ab und zu vorbei. Seine Gabe hat der 70-jährige de Deus vor über 50 Jahren entdeckt und damit Millionen von Menschen geheilt. So will es zumindest die Legende des Wunderheilers, der als einer der bekanntesten der Welt gilt.

Dieser tritt seit gestern zum ersten Mal in der Schweiz auf und hat sich dafür Winterthur ausgesucht. Die Organisatorin seiner Veranstaltung ist die Spirit Services GmbH, eine Firma mit Sitz im Kanton Zug und Büro in Basel. Man kenne die Eulachhallen von den Besuchen der Inderin Amma, heisst es bei Spirit Services. Die Hallen seien aus organisatorischen Gründen ideal.

«Gesegnete Suppe» inbegriffen

An den drei Tagen seiner Heilveranstaltung hat es de Deus sehr streng. Von gestern Morgen bis Mittwochabend werden ihn täglich 3000 bis 4000 Menschen aus der ganzen Welt sehen wollen. Sie hoffen, von ihm berührt, getröstet oder gar geheilt zu werden, und sie erwarten natürlich das eine oder andere Wunder. Dafür bezahlen sie auch eine schöne Stange Geld: Ein Tageseintritt kostet 159 Franken. Im Preis inbegriffen ist eine «gesegnete Suppe», jedoch nicht der Shuttle-Bus ab Bahnhof. Dafür zahlen die Besucher einen Fünfliber extra. Grob geschätzt dürfte de Deus mit seiner Heilveranstaltung weit über eine Million Franken einnehmen. In Brasilien leitet de Deus ein Zentrum, in dem er auch sogenannte spirituelle Operationen durchführt. Dabei operiert er, ohne seinen Patienten aufzuschneiden.

In Europa glaubt man jedoch nicht, dass ein Mensch ohne Studium und Skalpell operieren kann, es ist sogar gesetzlich verboten. De Deus darf denn auch in Winterthur keine ähnlichen Wunder vollbringen. Der Theologe und Sektenexperte von Relinfo, Georg Schmid, hält die europäischen Auftritte von de Deus deshalb für ehrlicher: «Hier zeigt er keine blutige Show.» Für Schmid besteht kein Zweifel, dass de Deus vor allem ein guter Geschäftsmann und weniger ein Heiler mit dem Draht zu Geistern ist. Schmid hält es aber für möglich, dass sich Menschen nach einem Besuch bei de Deus besser oder gar geheilt fühlen. «Wenn man ihm mit einer sehr offenen und erwartungsfrohen Haltung begegnet, kann der Placebo-Effekt wirken.» Allerdings sei noch keinem Beinamputierten nach einem Besuch bei de Deus das Bein wieder nachgewachsen.

Geld verdienen mit der Not

Heikel findet Schmid, dass «de Deus Kasse mit den Nöten der Menschen macht». Das sei nicht in Ordnung. Vor allem dann, wenn zum Beispiel unheilbar Kranke von Veranstaltung zu Veranstaltung pilgern und hoffen, dass João de Deus ihr Leben retten kann.

Die Veranstalterin Spirit Services GmbH will kritische Fragen erst nach dem Anlass beantworten. Sie lässt aber durchblicken, dass sie wenig für diese Vorwürfe übrig hat. Es gebe viele Geschichten von Menschen im Internet, die erlebt hätten, wie de Deus Wunder vollbringe, heisst es. Das Internet nährt in der Tat viele Hoffnungen. Auf de Deus’ offiziellen Seiten erzählen Frauen und Männer, wie er sie von HIV und Krebs geheilt hat, wie sie nach einem Besuch bei ihm wieder gehen oder ohne Depressionen leben können. Auf der Internetseite der Schweizer Veranstaltung fehlen diese Geschichten. Hier ist klar vermerkt, dass die «geistige Heilung kein Ersatz für eine medizinische Behandlung» ist.

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