Rütschelen
Ein ganzes Dorf sitzt auf dem Trockenen

Weil das Wasser dramatisch knapp ist, lud die Gemeinde zu einem Augenschein vor Ort ein.Die Situation sei so gravierend, dass es auch bei intensiven Niederschlägen Monate dauernd werde, bis sich die Situation entspanne, heisst es.

Karin Iseli-Trösch
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Brunnenmeister Heinz Schneeberger (mit erhobener Hand) öffnet die Sammelbrunnstube. kit

Brunnenmeister Heinz Schneeberger (mit erhobener Hand) öffnet die Sammelbrunnstube. kit

Solothurner Zeitung

Die anhaltende Trockenperiode zeigt in Rütschelen Auswirkungen: Das gemeindeeigene Wasser reicht nicht mehr aus, um den Bedarf der Bevölkerung zu decken. Damit auch weiterhin die Toiletten gespült, die Wäsche, das Geschirr oder die Haare gewaschen werden können, pumpt Rütschelen Wasser vom Gemeindeverband Wasserversorgung untere Langete (WUL) ins Dorf.

Und zwar so viel wie noch nie, wie Brunnenmeister Heinz Schneeberger sagt: «Nicht einmal im Hitzesommer 2003 floss so wenig Wasser durch unsere Sammelbrunnstube. Momentan sind es nur noch 90 Liter pro Minute. Das reicht bei Weitem nicht aus.» Die Situation sei so gravierend, dass es auch bei intensiven Niederschlägen Monate dauernd werde, bis sich die Situation entspanne.

Die Bewohner aufrütteln

Aus der Sicht von Heinz Schneeberger ist es wichtig, dass die Leute wissen, was für ein kostbares Gut Wasser ist und was es alles braucht, damit zu jeder Tages- und Nachtzeit die nasse Kostbarkeit aus dem Wasserhahn fliesst. Aus diesem Grund lud die Kommission Ver- und Entsorgung der Gemeinde Rütschelen die Bevölkerung zu einem Wassertag ein.

Die Leute kamen in Scharen, und zwar vom Kind bis zur Grossmutter, vom Bauern bis hin zum Bürolisten. Auch Monika Huser war beim Rundgang dabei, der an einer Brunnstube, der Sammelbrunnstube, sowie an der Betriebswarte und einem Reservoir vorbei führte. «Wasser ist für mich ein sehr wichtiges Thema», sagt sie. «Ich glaube, ich bin eine bewusste Verbraucherin und weiss, wo man Wasser sparen kann. Aber ich habe noch nie eine Brunnstube gesehen, darum bin ich heute hier.»

Wasser aus der Leitung reicht

Monika Huser ist überzeugt, dass das Wasser aus den Rütschelen Quellen besonders gut ist. Sie nehme sogar zur Arbeit ihr eigenes Wasser mit. «Der Geschmack ist super. Das bestätigen mir auch immer wieder Gäste, die zu uns auf Besuchkommen. Bei uns kommt fast ausschliesslich ‹Hahnenburger› auf den Tisch.»

Ganz unkritisch steht MonikaHuser der Wasserversorgung ihrer Wohngemeinde aber nicht gegenüber. Zwar sei es schön, dass Rütschelen noch selbstständig ist, was das Wasser anbelangt. Ob sich dies auch in Zukunft rechnen wird, wagt sie aber zu bezweifeln. «Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die immensen Kosten, welche diese Eigenständigkeit mit sich bringt, noch über einen längeren Zeitraum verantwortbar sein werden.»

Auch die Behörden machen sich Gedanken, wie es mit der Wasserversorgung weitergehen soll. Reto Bühler, der das Ressort Ver- und Entsorgung leitet, erklärt, was konkret läuft: «Wir sind am Ausarbeiten der generellen Wasserversorgungsplanung. Diese Planung der öffentlichen Wasserversorgung muss sein, damit der Kanton uns auch weiterhin finanziell unterstützt.» Was sich in den kommenden Jahren in Rütschelen verändern wird, vermag Bühler noch nicht zu sagen. Denkbar sei aber, dass sich das Volk zwischen zwei verschiedene Szenarien entscheiden müsse.

«Entweder bleiben wir auch künftig selbstständig, natürlich mit dem Anschlussvertrag an die Wasserversorgung untere Langete. Oder aber wir schliesslich uns dem Wasserverbund an.» Welches Szenario sich wie auf die Gemeindefinanzen auswirke, sei noch nicht klar. Werde aber genauestens abgeklärt.

Andere Zeiten erlebt

Wie dramatisch die Situation in Rütschelen ist, zeigte sich bei einem Blick in eine der Brunnstuben. Noch spärliche fünf Liter plätschern hier pro Minute zu Tale. Bei den Rütschelern, die der Einladung der Gemeinde gefolgt sind, macht sich Betroffenheit breit: «Dass es so schlimm ist, hätte ich nicht gedacht», hört man hier, «damit kann man gerade mal eine Toilette spülen», dort. Dass Rütschelen auch schon mal andere Zeiten erlebt hat, weiss einer der älteren Dorfbewohner: «Früher konnten wir die Wasserversorgung untere Langete mit Wasser beliefern. Und zwar mit einer beträchtlichen Menge: Das waren pro Jahr gerne mal 50000 bis 60000 Kubikmeter. Das ist kein Vergleich zu heute, wo wir vom Gemeindeverband abhängig sind.»

Reto Bühler brachte es bei der Begrüssung an der Wassertagung auf den Punkt, als er sagte: Dies sei wohl die einzige Veranstaltung, bei der Regen nicht nur angebracht, sondern durchaus auch erwünscht gewesen wäre.

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