Ein Fall für Dr. Engelberger

Der Fall Rita Anton schwelt seit einem Jahr in den Universitären Psychiatrischen Kliniken. Erst ein Brief der Chefärzte liess den Verwaltungsrat aber handeln.

Christian Mensch
Drucken
Die alte und neue UPK-Direktion: Rita Anton und Konrad Widmer. Eignervertreter: Lukas Engelberger (rechts). Foto: Kenneth Nars (1/3), ZGV

Die alte und neue UPK-Direktion: Rita Anton und Konrad Widmer. Eignervertreter: Lukas Engelberger (rechts). Foto: Kenneth Nars (1/3), ZGV

Schweiz am Wochenende

Konrad Widmer, selbstständiger Gesundheitsberater und Präsident der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK), stellt sich gerne als Macher dar. Über Monate habe es Differenzen zwischen der Direktorin Rita Anton und dem Verwaltungsrat gegeben, erzählt er auf «Telebasel». Nachdem diese in den vergangenen Wochen stärker geworden seien, sei es nun zur Trennung gekommen. Am Mittwoch demissionierte Anton per sofort «im gegenseitigen Einvernehmen». Da kein interner Bewerber bereitstehe, habe er, Konrad Widmer, das Amt des UPK-Direktors interimistisch gleich selbst übernommen.
Gegenüber der Darstellung des uneigennützig handelnden Widmers kursieren in Psychiatrie-Kreisen auch andere. Bereits seit einem Jahr wisse der Verwaltungsrat von Kadermitarbeitern von unhaltbaren Zuständen in der obersten UPK-Führung. Abgesehen von einigen Gesprächen sei jedoch nichts geschehen, schliesslich war Anton die Wahl Widmers auf den Direktorenstuhl. So reihten sich in der Geschäftsleitung Abgänge an Abgänge. Die Betriebszahlen waren positiv, was dem Verwaltungsrat zu genügen schien. Widmer sagt auf Anfrage, Anton sei auf der «Leistungsebene» nicht zu kritisieren gewesen. Woran es gefehlt habe, sei jedoch der korrekte zwischenmenschliche Umgang der Direktorin mir ihrem unmittelbaren Umfeld. Dies sagt nicht Widmer, der über die genauen Gründe Stillschweigen vereinbart hat, sondern dies erzählen UPK-Mitarbeiter und berichtet gleichermassen «Onlinereports». Rita Anton selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.
Gehandelt hat der Verwaltungsrat erst, als sich entnervte Chefärzte kürzlich und schriftlich über ihre Vorgesetzte beschwerten. Widmer bestätigt den Brief, der im Verwaltungsrat diskutiert worden sei. Das Besondere daran: Erstmals äusserten sich die bis anhin isoliert auftretenden Chefärzte geschlossen als Team. Widmer sagt denn auch, dass die Vorwürfe, die vor Jahresfrist vorgebracht wurden, nicht von allen getragen worden seien. Und zudem habe erst vor wenigen Wochen die Betriebskommission von einer guten Atmosphäre in der Belegschaft berichtet.
Widmer hat sich abgesichert, als er sich zur Doppelspitze erhob. Im Verwaltungsrat gilt er als unangefochtenes Alphatier. Als ehemaligem Kinderspital-Direktor wird ihm trotz anhaltender UPK-Turbulenzen vertraut, richtig zu handeln. Widmer hat sich jedoch auch bei seinem neuen Chef Lukas Engelberger rückversichert. Über die «einvernehmliche Trennung» sei er vorweg informiert worden, bestätigt der Basler Gesundheitsdirektor. Ob es dem Regierungsrat genehm sei, dass er das Doppelmandat übernehme, habe er zuvor angefragt, sagt Widmer. Engelberger meint: «Ich bin dankbar, dass Widmer die Aufgabe für eine Übergangsphase übernommen hat.»
Widmer hat alle Chancen für einen Neustart. Am 1. Dezember beginnen ein neuer Leiter Pflege und ein neuer Finanzchef. Und erneut präsentiert sich Widmer als Macher: Bis zum 1. Juli will er einen neuen Direktor gefunden haben. Wenn ihm dies nicht gelingt, kann er sich zwar nicht selbst entlassen, aber dafür sein Doppelmandat etwas länger behalten. Dann muss sich Regierungsrat Engelberger allerdings entscheiden, ob er Widmer immer noch dankbar ist.
Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper

Aktuelle Nachrichten