Villigen/Elfingen
Ehemaliger Offizier zeigt die verbotenen Fotos der Wehrmänner

Der 87-jährige Chronist, ehemalige Lehrer und Artilleriehauptmann Max Rudolf aus Birmenstorf beleuchtet das heikelste Kapitel der 5. Division. Diese versuchte zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, eine Abwehrstellung gegen Norden zu bauen.

Hans-Peter Widmer
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Die Aargauer Wehrmänner gruben sich mit Holzbauten in den Boden ein.

Die Aargauer Wehrmänner gruben sich mit Holzbauten in den Boden ein.

HO

Eine neue Publikation schildert, wie die hauptsächlich aus Aargauer Wehrmännern bestehende 5. Division («Die Fünfte») zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, von 1939 bis 1941, in ihrem ersten Aktivdienstgebiet zwischen Villigen und Elfingen den Auftrag zu erfüllen suchte, eine Abwehrstellung gegen Norden zu bauen. Der 87-jährige Chronist, ehemalige Artilleriehauptmann und Lehrer Max Rudolf aus Birmenstorf, ein Kenner der Verteidigungsdispositive im nördlichen Kantonsgebiet und Träger des Aargauer Heimatschutzpreises 1997, dokumentiert nach akribischen Recherchen den Truppeneinsatz mit Texten, Fotos und Plänen.

Die Dokumentation beleuchtet das heikelste Kapitel in der 129-jährigen Geschichte der 1874 in Aarau gegründeten und 2003 aufgelösten 5. Division. Sie erhellt auch Sachverhalte, die im Aktivdienst und darüber hinaus im Kalten Krieg bis in die Neunzigerjahre als geheim galten. Ausser den Wehrmännern sollte die Öffentlichkeit nicht im Detail wissen, was an Hindernissen, Befestigungen, Waffenstellungen und Unterständen aus dem Boden gestampft wurde. Die Beteiligten waren zum Schweigen verpflichtet, und beim Bau der Abwehranlagen galt ein striktes Fotografierverbot – das aber nicht überall eingehalten wurde, wie das an den Tag gekommene Bildmaterial bestätigt.

Die ersten Aktivdienstwochen waren hart und monoton, extrem nass und später bitter kalt, die Unterkünfte unbequem und die Dienstbekleidung bei der gewaltigen Schanzarbeit keineswegs allwettertauglich. Die seit dem Ersten Weltkrieg vernachlässigte Armee befand sich zunächst in einem desolaten Zustand. Sie wurde erst «fünf vor zwölf» mit der Truppenordnung 1936/38 reorganisiert.

Nach der Kriegsmobilmachung am 2. September 1939 verwandelte sich die Division in ein riesiges Bauunternehmen mit zeitweise bis zu 300 Baustellen. In den ersten drei Monaten wurden nicht ungefährliche Holzbauten für Laufgräben, Unterstände und Minenwerferstellungen errichtet sowie ab Dezember 1939 Bunker und Festungswerke für Kanonen und Maschinengewehre betoniert.

Gewaltige Mengen an Rundholz beschaffte man aus dem südlichen Aargau. Der Transport zu den Stützpunkten bedingte auch Strassenbauten, sogar Seilbahnen wurden erstellt.

Der Autor illustriert mit über 400 Abbildungen die Errichtung verschiedenster Abwehranlagen. Dazu geben Auszüge aus Truppentagebüchern Einblicke in den Dienstalltag. Zum Beispiel ist die Rede von minus 25 Grad und Bier, das zwei Meter neben dem Ofen gefror; von bis zu vierstündigen täglichen Fussmärschen zu Arbeitsplätzen; von engen Kantonnementen, etwa für eine 200 Mann starke Kompanie in der 300-köpfigen Gemeinde Oberbözberg (Anmerkung: «Aber es geht»); von Auflockerungen des Alltags wie der Hochzeit des Wachtmeisters Uhlmann in der Brugger Stadtkirche und dem anschliessenden Nachtessen für die Kompanie im «Roten Haus»; aber auch von traurigen Ereignissen wie dem Tod von Füsilier Lehmann, der an seinem 32. Geburtstag von einem Rollwagen überfahren wurde und starb.

Max Rudolf, «Ein Beitrag zur Heimatkunde». Die Publikation ist beim Autor erhältlich, Oberzelglistrasse 13, 5413 Birmenstorf, sowie am Kiosk Schweizer Militärmuseum, 5224 Full.

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