Flughafen Zürich
Easyjet-Chefin kritisiert: «Der Flughafen in Zürich ist viel zu teuer»

Carolyn McCall, Chefin der englischen Billigairline Easyjet, übt in einem Interview mit der Zeitung «Der Sonntag» harte Kritik mit dem Flughafen Zürich.

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Eine Leuchtreklame des Flughafen Zürich in Zürich Kloten (Archiv)

Eine Leuchtreklame des Flughafen Zürich in Zürich Kloten (Archiv)

Keystone

«Der Flughafen Zürich muss endlich seine Einstellung ändern, vorher können wir nicht investieren», sagt die Britin. „Zürich ist viel zu teuer. Wir möchten nicht für Dinge bezahlen, die wir nicht benutzen." McCall nennt unter anderem die Gepäckbänder, da nur ein kleiner Teil ihrer Passagiere Gepäck aufgeben würden. Und: „Wir möchten nicht für teure Fingerdocks bezahlen. Unsere Kunden stört es nicht, über das Flugfeld zum Flugzeug zu laufen."

Und sie wolle keine Unmengen für Check-in-Schalter bezahlen, die es sowieso bald nicht mehr brauchen würde. „Wir schätzen einen gut funktionierenden Flughafen, aber wir brauchen kein Museum. Zürich will ein Premium-Airport sein, aber damit locken sie uns nicht an", sagt McCall im „Sonntag". Heute fliegt Easyjet Zürich von London Gatwick und London Luton an, hat aber keine eigenen Maschinen in Zürich stationiert. In Basel und Genf ist Easyjet hingegen die klare Nummer eins mit einem Marktanteil von 38 Prozent (Genf) und 48 Prozent (Basel).

Schweiz in den Top 3

In Zürich dominiert die Swiss mit 56 Prozent. Dennoch sieht Carolyn McCall in der Schweiz grosse Wachstumschancen: „Die Schweiz ist ein Hauptmarkt von uns, und wir haben mittlerweile 12 Flugzeuge in Genf, in Basel 7, und wahrscheinlich bald mehr. Wir denken über zusätzliche Flugzeuge in Basel nach, eventuell auch in Genf. Die Schweiz gehört zu unseren Top-3 Wachstumsmärkten, mit 10 Prozent Wachstum." Heute zählt Easyjet in Basel und Genf 700 Mitarbeiter. Die aktuelle Wirtschaftslage beurteilt McCall im „Sonntag" kritisch: „Meiner Meinung nach wird sich Europa nicht rasch erholen. Wir müssen also vorsichtiger werden. Wir möchten noch immer wachsen, aber nicht mehr zweistellig. Ich rechne mit vier bis fünf Prozent im nächsten Jahr."

McCall rechnet Ende Jahr mit einem Vorsteuergewinn von 280 bis 300 Millionen Pfund. Letztes Jahr schaffte Easyjet konzernweit 1200 neue Stellen. Dieses Jahr dürften sich die Einstellungen im gleichen Rahmen bewegen. Zudem sieht es sehr danach aus, dass Easyjet schon bald die sitzgenaue Reservation einführt.

„Der definitive Entscheid fällt in den nächsten Wochen. Aber der Test verlief bisher sehr gut." Man habe sich eingestehen müssen, dass der Boarding-Prozess momentan das schwächste Element in der Kette sei. „Viele Kunden empfinden es als stressig, weil man um seinen Sitz kämpfen muss. Die Sitzplatzreservierung wird dies verbessern." Wegen des steigenden Benzinpreises seien die Preise in Markt in den vergangenen Monaten gestiegen. „Der Kerosinpreis ist in letzter Zeit aber wieder gesunken, und somit rechne ich allgemein mit sinkenden Tarifen."