Bleienbach
Drei Viertel finden den Weg durch die Tunnels

Das Tunnelsystem für Amphibien an der Hauptstrasse nach Langenthal scheint gut zu funktionieren: Das ist das erste Fazit nach den Zählungen von diesem Frühling. Es gibt aber Verbesserungspotenzial.

Jürg Rettenmund
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Nach dem Tunnel in den Kessel. jr

Nach dem Tunnel in den Kessel. jr

Solothurner Zeitung

Insgesamt 10256 Amphibien zählten die Studentinnen und Studenten der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil in den eingegrabenen Kesseln am Zaun, den sie im Wald vor der Tunnelanlage an der Hauptstrasse zwischen Langenthal und Bleienbach errichtet hatten (az Langenthaler Tagblatt berichtete). Die meisten waren Erdkröten: Rund 9000 Stück, dazu kamen 850 Grasfrösche, 300 Bergmolche 100 Fadenmolche und 6 Wasserfrösche.

Rund drei Viertel davon fanden sie später wieder in den grossen Kesseln, die sie auf der Seeseite nach den Tunneln eingegraben hatten: 7000 Erdkröten, 620 Grasfrösche, 120 Bergmolche, 20 Fadenmolche und 6 Wassermolche. Nicht alle, die nicht durchkamen, hätten die Strasse überquert und seien dabei wohl überfahren worden, hält Studienleiter Stephan Brenneisen fest. Möglich sei auch, dass sie aufgaben und in den Sommerlebensraum zurückkehrten, weil sie den Weg nicht fanden.

Bei den Besten

Damit gehört die «Durchlaufquote» beim Bleienbacher Torfsee zu den besten an den zwölf Standorten, die im Rahmen der Studie überprüft wurden. Trotzdem empfehlen die Verfasser, den Zaun noch näher am Boden zu verlegen, ihn am besten einzugraben. Damit könnte verhindert werden, dass immer noch Amphibien unter dem Zaun durchkriechen, wie das neben den Erdkröten vor allem die Molche zu tun scheinen.

Um die Tiere, die trotzdem auf die Strasse gelangen zu schützen, empfehlen sie weiter, trotz Tunnels während der Wanderzeit Tempo 20 zu signalisieren. Denn bei normaler Geschwindigkeit genügt schon der von den Fahrzeugen erzeugte Luftdruck, um die Amphibien tödlich zu verletzen.

Schwierig ist es, die Zahlen mit denen vor oder kurz nach dem Bau der Tunnels 1994 zu vergleichen. Denn diese schwanken von Jahr zu Jahr stark. Zwischen 1972 und 1993 wurden zum Beispiel im Maximum 4598 Tiere gezählt, im Minimum 809 – wobei die Zahlen leider nicht nach Arten aufgeschlüsselt wurden. In den drei letzten Jahren vor dem Bau der Tunnels waren es im Durchschnitt 3402 Tiere. Bei der ersten Erfolgskontrolle 1994 wurden nach den Tunnels 2825 Tiere gezählt (2300 Erdkröten, 410 Grasfrösche, 100 Bergmolche und 15 Fadenmolche).

Deutlich mehr Erdkröten

Noch sei man nicht so weit, dass man sagen könne, ob 2011 ein «gutes Amphibienjahr» gewesen sei, erklärt Brenneisen. Das wird erst Mitte Jahr der Fall sei. Die Zahlen bei den Grasfröschen scheinen aber im Bereich der natürlichen Schwankungen zu liegen. Hingegen würden diese bei den Erdkröten deutlich überschritten. Das könne aber auch an anderem liegen als am Tunnelsystem – zum Beispiel an Verbesserungen im Laichgebiet, dem Bleienbacher Torfsee.

Eine Verbesserung hatte Brenneisen bereits im März aufgrund der ersten Beobachtungen vorgeschlagen: Der Zaun sollte Richtung Bleienbach verlängert werden – idealerweise kombiniert mit einem weiteren Tunnel. Denn dort gelangen immer noch viele Amphibien auf die Strasse und werden überfahren. Da der Erhebungszaun aufs bestehende Tunnelsystem ausgelegt war, wurden sie nicht gezählt.

Die Erhebungen in Bleienbach wurden vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) veranlasst. Sie sind Teil einer Studie, die an zwölf Standorten durchgeführt wird. Um noch genauere Grundlagen zu erhalten, wird die Erhebung im kommenden Jahr wiederholt. Der Bleienbacher Torfsee gehört zu den Amphibienlaichgebieten von nationaler Bedeutung. 1994 wurden deshalb in der viel befahrenen Strasse zehn Durchlässe gebaut. Jeweils während der Wanderungszeit im Frühjahr montiert das kantonale Strasseninspektorat Zäune, die die Tiere zu den Tunnels leiten.