Museumskonzärtli
Drei komische Vögel zu Fasnachtsmusik

Das Museumskonzärtli bietet dieses Jahr erneut Fasnachtsmusik auf hohem Niveau, eingebettet in eine eigens geschriebene Geschichte für Kinder. Die ist leider etwas dünn geraten.

Tumasch Clalüna
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Museumskonzärtli 2015

Museumskonzärtli 2015

zvg / fasnacht.ch

Vorbei an Triceratops und der Riesenmuschel in den ersten Stock des Naturhistorischen Museums zum alle zwei Jahre stattfindenden Museumskonzärtli. Das hat etwas Erhabenes; und etwas Historisches.

Die Grundidee in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts war es, anspruchsvolle, gar experimentelle Märsche in einem konzertanten Rahmen aufzuführen, mit Pfeifern und Tambouren der Spitzenklasse. Der Anspruch ist geblieben, wobei der Anlass längst nicht mehr so elitär daherkommt, wie es erst mal klingen mag. Vielleicht um dies zu verdeutlichen, haben die Organisatoren dieses Jahr eine Kindergeschichte in Auftrag gegeben und dazu ein illustriertes Buch drucken lassen.

Ein etwas sprödes Märchen

Die Publizistin Humi Lehr hat «S’Märli vo de Zauberveegel» verfasst, gezeichnet hat die Künstlerin Markéta Kohler Hunziker und gelesen wird es von Pirmin Muckenhirn.

Allerdings ist es falsch, von einem Märchen zu sprechen. Es handelt sich vielmehr um einen etwas spröden roten Faden, der von Marsch zu Marsch führt. Dabei geht es um das «Teenie-Girl» Maya, die am Rhein sitzt und dort drei komischen Vögeln begegnet: Dem Basilisk, dem Vogel Gryff und dem Kraiejoggi. Die erklären ihr in kurzen Sätzen die Magie der Stadt und natürlich der Fasnacht. «Alles, was schön ist in Basel, kommt von uns», heisst es da.

Den Hauptteil macht aber die Musik aus. Speziell die neueren Märsche, wie «Fyyrvogel» von 2008, «Fischmärt» von 1998 oder «Three Basel Dances», ein relativ schrilles und komplexes Pfeiferstück, bekommt man nicht so oft zu hören. Auch ältere Stücke, wie «Dr Ueli», «Elfer» oder «d’Aeschlemer» gibt es eher selten, andere wiederum sind wohlbekannt: «S’Läggerli», «dr verhäxt» oder «s’Spaledier». Zwischendurch schwingt sich Muckenhirn noch zum Tambourmajor empor und rezitiert das gleichnamige Gedicht. Anrührend, leider nicht auswendig.

Es wird amerikanischer

Langsam bewegt sich der Abend in Richtung amerikanischer Einflüsse. Ein Arrangement von Scott Joplins «Big Square Rag» und dann «D’Nägermuusig» nach Milton Ager. Auch wenn dieser Ausdruck im Fasnachtsjargon gang und gäbe ist, im Rahmen einer Veranstaltung, die für Kinder konzipiert wurde, könnte man durchaus darauf verzichten. Allgemein ist das transportierte Basel- und Fasnachtsbild ein äusserst altertümliches und verklärtes.

Ein wenig Kritik

Das Schöne an Basel ist natürlich auch die Herbstmesse mit «Ressliritty, Mässmogge und Dräiörgeli», worauf Letzteres als Marsch erklingt. Kurz gibt es eine Kritik am Verkehrskonzept der Regierung und der dunklen Welt. Fluchtpunkt der Geschichte ist dann immerhin nicht der Morgestraich, sondern das Einpfeifen der Laternen. Die Bilder von Kohler Hunziker illustrieren die Geschichte nicht nur, sie nennen jeweils auch Name und Komponist des gespielten Marschs und sind damit quasi der Abendzettel des Konzertes. Gut möglich, dass das Buch inklusive CD eine schöne Sache ist, als Aufführung überzeugt die Musik, besonders um acht Uhr abends.

Weitere Vorstellungen: 16. 2., 18. 2. 20 Uhr. Das Buch mit CD ist an der Kasse des Naturhistorischen Museums erhältlich.