Trinkwasser
Dreckwasser aus der Flasche – jede zweite soll verschmutzt sein

Unglaublich: Wasser aus der Flasche sollte doch sauber sein. Dem ist überhaupt nicht so, wie eine Untersuchung der Organisation Ärzte und Ärztinnen für Umweltschutz (AefU) feststellte. Die Branche spricht von einer «einseitigen Attacke».

Drucken
Teilen
Was ist die Geheim-Zutat? Im Valser-Wasser wurden acht unbekannte Substanzen gefunden.

Was ist die Geheim-Zutat? Im Valser-Wasser wurden acht unbekannte Substanzen gefunden.

Keystone

Zehn Flaschen Mineralwasser liessen die Ärztinnen und Ärzte für Umelwtschutz zusammen mit der Umweltorganisation Pingwin Planet in ihrer Untersuchung analysieren. Gut die Hälfte davon sei verunreinigt. Teilweise seien hormonaktive Substanzen enthalten.

Der Branchenverband widerspricht

Der Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten (SMS) zweifelt stark an den Ergebnissen der Untersuchung. Bereits Reagiert habe Nestlé und sogleich ein Gegengutachten in Auftrag gegeben. Dessen Ergebnisse würden jenen von AefU und Pingwin Planet widersprechen.

Laut der Untersuchung von AefU und Pingwin Planet werde bei der Marke «Badoit» wird gar der amtliche Toleranzwert um das Dreifache überschritten. Wirklich sauber seien einzig die billigsten Marken M-Budget und Prix-Garantie Mineralwasser. Und: Das Berner Trinkwasser, welches ebenfalls untersucht wurde.

Diese Marken wurden untersucht. Jede zweite ist nicht sauber.

Diese Marken wurden untersucht. Jede zweite ist nicht sauber.

Keystone

Die untersuchte Flasche «Badoit» des französischen Konzerns «Danone» wird in der Untersuchung als «stark verunreinigt» eingestuft. In ihr wurden Substanzen gefunden, welche wie ein Hormon wirken. Der zulässige Toleranzwert wird um das Dreifache überschritten.

Bereits bei einer früheren Untersuchung 2009 wurde Badoit als verschmutztes Wasser eingestuft.

Geheimzutat im Valser-Wasser?

Im Valser Mineralwasser wurden acht unbekannte Substanzen gefunden. Aussagen über ihre Giftigkeit können im Rahmen der Untersuchung keine getroffen werden. Klar aber sei: Dieses Substanzen haben nichts im Mineralwasser zu suchen.

Im Nestlé zugehörigen «Henniez»-Mineralwasser seien die künstlichen Duftstoffe «Galaxoid» und «Tonalid» entdeckt worden. Sie wirken ebenfalls wie künstliche Hormone.

BAG kennt keine Grenzwerte

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) machte bereits 2011 eine ähnliche Untersuchung, deren Ergebnisse sie anonymisiert veröffentlichte. Es kam zum Schluss: Die nachgewiesenen hormonaktiven Substanzen stellen für die Endverbraucher keine Gefahr dar.

Jedoch: Für solche Substanzen existieren bis heute keine Schwellenwerte. Pierre Studer vom BAG dazu: «Es ist nicht bekannt, wann klare Vorschriften erlassen werden.»

Der Vorwurf der Branchenattacke ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) habe AefU und Pingwin Planet die geltenden Werte für

natürliches Trinkwasser herangezogen und nicht jenen für Wasser, das in Plastik- oder Glasflaschen abgefüllt werde.

In fast allen Packungen in der Lebensmittelindustrie findet sich hormonähnlichen Substanzen wie butyliertes Hydroxytoloul (BHT), sagte ein Spezialist vom BAG auf Anfrage

der Nachrichtenagentur sda. Dabei seien die Mengen in Mineralwasserflaschen unbedenklich.

Es geht auch anders

Gemäss der Untersuchung von AefU und Pingwin Planet seien die saubersten Wasser die billigst-Marken «M-Budget» und «Prix Garantie» von Migros und Coop. Ebenso sauber sei «San Pellegrino» von Nestlé.

Dies zeige: Sauberes Wasser in Flaschen ist durchaus möglich.

Und für den Konsumenten besonders erfreulich sei, dass das Hahnenburger meist auch das sauberste Wasser ist. So weist das mituntersuchte Berner Trinkwasser ebenfalls keine Verunreinigungen auf. (rhe)

Aktuelle Nachrichten