Unispital Basel
Direktor Werner Kübler: «Da wird versucht, Stimmung zu machen»

Unispital-Basel Werner Kübler sagt, wieso das zweitplatzierte Wettbewerbsprojekt von Herzog und de Meuron zu wenig Potenzial hatte. Er glaubt, dass der Heimatschutz eine gesteuerte Diskussion führt und Stimmung gegen das Siegerprojekt macht.

Matthias Zehnder
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Der Basler Universitätsspital-Direktor Werner Kübler.

Der Basler Universitätsspital-Direktor Werner Kübler.

Juri Junkov

Der Heimatschutz fordert, dass das erst- und das zweitplatzierte Projekt überarbeitet werden. Der Heimatschutz favorisiert dabei das zweitplatzierte Projekt «Kazwei» von Herzog & de Meuron. Was sagen Sie dazu?

Werner Kübler: Die Jury hat den Wettbewerb im Rahmen einer WTO-konformen Ausschreibung anonym durchgeführt und nach eingehender Prüfung das Projekt «Arcadia» als bestes Projekt ausgewählt. Die Architekten Giuliani-Hönger haben die Wettbewerbsanforderungen am besten erfüllt und die Jury auch städtebaulich überzeugt. Die Jury hat sich klar hinter das Projekt gestellt. Das Projekt von Herzog und de Meuron hat verschiedene funktionale Anforderungen deutlich schlechter erfüllt, zum Beispiel die Beleuchtung der Arbeitsräume im Untergeschoss, Anforderungen an Arbeitsplätze und die zur Verfügung gestellte Fläche insgesamt, die das Spital dringend benötigt. Dazu kommt, dass bei dem Projekt von Herzog de Meuron keine Fläche als Entwicklungsreserve vorhanden ist.

Die Spital-Kontroverse

Ende Mai wurden die Pläne für das neue Klinikum 2 vorgestellt. Ein grosser Teil des Unispitals - das sogenannte Klinikum 2 - soll abgerissen und in Etappen bis 2036 neu gebaut werden. Den anonymen Architekturwettbewerb hat das Zürcher Architektenbüro Giuliani-Hönger gewonnen. Kurz nach der Bekanntgabe des Projekts - welches unter anderem einen 60 Meter hohen Turm vorsieht - meldete sich aber Jacques Herzog, die eine Hälfte des Architektenduos Herzog & de Meuron zu Wort. Er kritisierte den Entscheid der Jury als «unverständlich». Das Projekt von Herzog & de Meuron belegte im Wettbewerb den zweiten Platz. Auch der Basler Heimatschutz kündet Opposition dagegen an. Anfang Woche reichte LDP-Grossrätin Christine Wirz-von Planta eine Interpellation ein, die verlangt, dass die Projekte auf Rang 1 und 2 des Wettbewerbs noch mal überarbeitet werden. (mfk)

Auch das erstplatzierte Projekt muss überarbeitet werden – warum ist das beim zweitplatzierten Projekt nicht möglich?

Die Jury hat diese Frage auch diskutiert und hat das Potenzial beim Projekt von Herzog und de Meuron auch bei einer Überarbeitung als zu klein beurteilt. Die Probleme der Fläche lassen sich im Gebäudekubus, den sie gewählt haben, nicht lösen.

Das Projekt von Herzog und de Meuron ist also einfach zu klein?

Das ist korrekt. In das Konzept bringt man nicht mehr Nutzung rein.

Kritische Politiker und der Heimatschutz argumentieren, dass das geplante Hochhaus die Predigerkirche, den Markgräflerhof und den Holsteinerhof dominiere.

Es gibt zwei Argumente. Punkt eins: Wir sehen das nicht so. Städtebaulich ist das Projekt auch sehr gut ins ganze Areal eingebettet. Beispielsweise sind gerade die gut gestalteten Zwischenräume zur Predigerkirche und zum Markgräflerhof sowie das gute Herausarbeiten des Parks Aspekte, die aus städtebaulicher Sicht für das Arcadia-Projekt sprechen. Der Turm hat einen gebührenden Abstand zu den denkmalgeschützten Bauten, diese haben also mehr Platz als sie beim Herzog-de-Meuron-Projekt bekommen hätten. Die Denkmalpflege war übrigens in der Jury beratend vertreten und stützt das Projekt. Punkt zwei: Es war gemäss Masterplan explizit zugelassen, hohe Bauten zu planen. Das jetzt in Frage zu stellen, würde heissen, das gesamte Vorgehen der letzten sechs bis sieben Jahre in Frage zu stellen.

Muss es ein Hochhaus sein, weil ein Hochhaus schlicht die beste Nutzung für einen Spitalbau bietet?

Hochbauten haben den Vorteil, dass sie eine grosse Aussenfläche, viel Tageslicht, aber auch eine gute Planbarkeit und Etappierung haben. Man kann es aber nicht so absolut sehen. Die Frage war: Wie bringe ich das Volumen auf der sehr beschränkten Fläche zwischen den denkmalgeschützten Bauten der Nachbarschaft möglichst gut unter. Das ist mit dem Hochbau sehr gut gelöst.

Was sagen Sie zum Vorwurf, in der Jury hätten sich Spitalplaner gegen Städteplaner durchgesetzt?

Das stimmt einfach nicht. Am Schluss hat die Jury den Entscheid sehr einhellig getroffen. Die Vertreter des Bauherrn, Sachpreisrichter, also Spitalplaner, sind wie bei jedem Architekturwettbewerb gegenüber den Fachpreisrichtern, also Städteplanern, in der Minderheit. Schon allein deswegen ist der Vorwurf absurd.- Die Jury hat sich sehr differenziert mit der Frage auseinandergesetzt, wie man die unterschiedlichen Projekte adäquat würdigen kann. Das Projekt von Giuliani Hönger hat sowohl die eher Spital orientierten Leute als auch die städteplanerisch orientierten Leute insgesamt am besten überzeugt.

Der Spitalbau ist mit der Wettsteinbrücke verglichen worden.

Ich denke nicht, dass wir ein Spital mit einer Brücke vergleichen sollten.

Der Neubau des Klinikums kostet wohl über 700 Millionen Franken - wie wollen Sie das finanzieren?

Die Erneuerung des Klinikums 2 ist eine unumgängliche und dringliche Erneuerung. Die Finanzierung ist durch das Unispital zu gewährleisten, das ja seit 2012 verselbstständigt ist. Wir gehen davon aus, dass wir eine solche Investition tragen können.

LDP-Grossrätin Christine Wirz hat eine Interpellation zum Spitalneubau eingereicht, verschiedene Politiker haben sich zum Neubau geäussert. Die Politik hat aber, ausser dereinst zum Bebauungsplan, zum Spitalbau gar nichts zu sagen. Wie gehen Sie mit der Einmischung durch die Politiker um?

Die Politik wird als nächsten Schritt an den Ball kommen, weil wir einen Bebauungsplan zum Siegerprojekt ausarbeiten werden. Der Bebauungsplan kommt vor den Grossen Rat. Insofern ist die Politik schon am Ball, und diese demokratische Legitimation ist für ein öffentliches Spital sehr wichtig. Die Politik beurteilt dann aber nicht das Bauprojekt, sondern die Baukubatur im Bebauungsplan. Das wird wohl in den nächsten zwölf Monaten im Grossen Rat über die Bühne gehen. Innerhalb der Kubatur, die dann definitiv ist, arbeiten wir ein Projekt aus und holen eine Baubewilligung ein. Das findet im Rahmen eines normalen Baubewilligungsverfahrens statt und ist Sache des Unispitals als Bauherr.

Das Projekt ist fast nur aus städtebaulicher Sicht diskutiert worden, betriebliche Aspekte haben bisher in der öffentlichen Diskussion keine Rolle gespielt. Haben Sie falsch kommuniziert?

Ich gehe nicht davon aus, dass wir falsch kommuniziert haben. Die Jury hat richtigerweise Wert darauf gelegt, den städtebaulich sehr interessanten Ansatz des zweitplatzierten Projekts adäquat zu würdigen, aber gleichzeitig zu betonen, dass das zweitplatzierte Projekt wegen der anderen substanziellen Nachteile eben auf den zweiten Rang gekommen ist. Es ist wohl eine etwas gesteuerte Diskussion, die der Heimatschutz und andere Kreise führen. Da wird versucht, Stimmung zu machen.

Was ist Ihr nächster Schritt?

Für uns ist die Eingabe des Bebauungsplans, die durch das Baudepartement gemacht wird, der nächste Schritt. In die Projektierung können wir erst gehen, wenn der Bebauungsplan rechtskräftig ist.