Limmattalbahn
Dietikons Stadtpräsident reagiert auf den Vorwurf, die Politik habe versagt

Anders als der Kanton hat der Bezirk Dietikon hat die Limmattalbahn mit 54% Nein abgelehnt. Dabei weibelte fast die ganze lokale Politprominenz für die Stadtbahn. Hat Dietikons Stadtpräsident Otto Müller am Volk vorbeipolitisiert?

Tobias Hänni
Drucken
Teilen
Dietikons Stadtpräsident Otto Müller reagiert auf die Vorwürfe.

Dietikons Stadtpräsident Otto Müller reagiert auf die Vorwürfe.

ZVG

Herr Müller, nach der Ablehnung der Limmattalbahn im Bezirk werfen die Gegner der Vorlage den regionalen Behörden vor, am Volk vorbeipolitisiert zu haben. Was sagen Sie dazu?
Otto Müller: Der Antwort möchte ich vorausschicken, dass die Limmattalbahn ein kantonales Projekt ist. Im Verlauf der Planung haben der Dietiker Stadtrat und andere regionale Behörden immer wieder Optimierungen erreicht. Bei der Abstimmung ist es uns dann aber nicht gelungen, der Bevölkerung die Notwendigkeit des Trams aufzuzeigen. Dass dies «am Volk vorbeipolitisiert wäre» sehe ich nicht so.

Limmattalbahn

Der Kanton Zürich hat am Sonntag die Vorlage Limmattalbahn mit 64% Ja-Stimmenanteil angenommen. Als einziger Bezirk lehnte Dietikon mit 54% Nein-Stimmenanteil das Projekt ab. Die Stadt Dietikon verwarf sogar mit einem Nein-Anteil von 65%. Die Gegner der Bahn werfen den Limmattaler Politprominenz vor, am Volk vorbeipolitisiert zu haben. Dietikons Stadtpräsident Otto Müller weist den Vorwurf im Interview von sich. (az)

Wie erklären Sie sich, dass das Volk eine Vorlage abschmettert, die von der regionalen Politik so breit unterstützt wurde?
Für das Resultat gibt es verschiedene Gründe. So war für viele Stimmbürger wohl der persönliche Nutzen der Vorlage nicht erkennbar, andere äusserten mit dem Nein ihre Bedenken über die finanziellen Folgen für die Region. Und sicher hat auch eine gewisse Skepsis gegenüber dem weiteren Wachstum und der Verstädterung des Tals zur Ablehnung geführt.

Können Sie die Ängste nachvollziehen?
Die Angst vor Veränderung kann ich nachvollziehen. Veränderungen wird es in Dietikon geben, sei es beim Stadtbild oder im Zentrum. Wichtig ist, dass der Wandel positiv vonstattengeht. Mit der Limmattalbahn können wir nun die Veränderungen bis zu einem gewissen Grad in diese Richtung steuern.

Sollte das Nein an der Urne nicht als Auftrag verstanden werden, beim Wachstum auf die Bremse zu treten?
Der Staat hat zwar einen Einfluss auf das Wachstum. Aber oft wird der Takt von privaten Akteuren vorgegeben. Ausserdem drückt der Stadtrat nicht aufs Gaspedal, was das Wachstum Dietikons angeht. Bei der Entwicklung des Niderfeld etwa wollen wir nicht ein möglichst schnelles, sondern ein qualitativ hochstehendes Wachstum herbeiführen.

Hier nochmals das Wichtigste zur Abstimmung in Kürze

Hätten die Befürworter mehr tun müssen, um die Bedenken im Volk zu zerstreuen?
Im Nachhinein ist das schwierig zu beurteilen. Der Stadtrat hat aber seinen Informationsauftrag wahrgenommen. Wir haben Veranstaltungen organisiert, eine Informationsbroschüre herausgegeben und waren auf Märkten, Messen und anderen Anlässen präsent.

Die Gegner waren auf den Sozialen Medien wie etwa Facebook sehr aktiv. Hätten die Befürworter diese Kanäle besser nutzen sollen?
Das Engagement der Gegner auf den Sozialen Medien hat im Bezirk sicher eine gewisse Wirkung erzielt. Der Stadtrat nutzt für seine Kommunikation diese Kanäle nicht. Dieses Feld überlassen wir bei Abstimmungsvorlagen den politischen Parteien.

Das Mietschulhaus, der Kirchenhaldenpark, die Gemeindezuschüsse: Der Stadtrat hat die letzten Jahre wichtige Vorlagen im Parlament oder ander Urne verloren. Was macht die Dietiker Exekutive falsch?
Wie gesagt, war die Limattalbahn eine kantonale Vorlage. Der Dietiker Stadtrat bringt kommunale Vorlagen meist durch. Bei den erwähnten gescheiterten Sachvorlagen sehe ich keinen inneren Zusammenhang, der die Ablehnung erklären könnte. Der Stadtrat war jeweils von den Vorlagen überzeugt und hat diese nach bestem Wissen und Gewissen vorbereitet. Aber es ist klar, dass in der Politik nicht alles gelingt.

Dann fehlt dem Stadtrat nicht die Nähe zum Volk, ein Gespür für die Stimmung in der Bevölkerung?
Nein, wir sind alle in Dietikon verankert und nehmen am gesellschaftlichen Leben teil. Wir politisieren nicht im Glashaus. Auch bei konkreten Vorlagen suchen wir das Gespräch mit der Bevölkerung. Die Erarbeitung der Vorlage für den Kirchenhaldenpark beispielsweise war ein breit abgestützter Prozess, bei dem Betroffene und Interessierte miteinbezogen wurden. Und auch bei der Planung der Limmattalbahn gab es runde Tische.

Muss angesichts des Bezirk-Neins der Einbezug des Volks bei der kommenden Umsetzung der Bahn intensiviert werden?
Bei den Einsprachen, die im laufenden Plangenehmigungsverfahren noch hängig sind, muss die Limmattalbahn AG für die Betroffenen gute Lösungen finden. Ansonsten kann aber am Projekt nicht mehr viel angepasst werden. So ist etwa die Linienführung der Bahn abschliessend festgelegt.

Das sagte Otto Müller vor der Abstimmung über die Limmattalbahn:

Hier gehts zum Limmattalbahn-Dossier

Aktuelle Nachrichten