Création Baumann
Dieser Mann hält definitiv die Fäden in der Hand

Francisco Marquez, Leiter der Spulerei und des Garnlagers, arbeitet bereits seit 30 Jahren bei Création Baumann. Und er kann sich gut vorstellen, bis zu seiner Pensionierung in 18 Jahren dort zu bleiben.

Fabienne Wüthrich
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Francisco Marquez mag seinen Beruf beim Textilhersteller Création Baumann. Felix Gerber

Francisco Marquez mag seinen Beruf beim Textilhersteller Création Baumann. Felix Gerber

Solothurner Zeitung

Mit einem starken Händedruck und einem Lächeln auf dem Gesicht empfängt der 47-jährige Francisco Marquez die Besucher. Gerne zeigt er ihnen sein Reich – die Spulerei der Création Baumann und sein Büro. Marquez ist seit 22 Jahren der Leiter der Spulerei und des Garnlagers. Der Name verrät es bereits: Er ist Spanier, seine Eltern haben 35 Jahre in der Schweiz gearbeitet, sind nun aber in ihr Ursprungsland zurückgekehrt. Zwei seiner Geschwister folgten den Eltern ebenfalls zurück. Für ihn selber ist das im Moment kein Thema: «Mein Zuhause ist hier», sagt er überzeugt. Er lebe seit 44 Jahren in der Schweiz, sein Kollegenkreis bestehe auch aus Schweizern, und er sei seit über einem Jahr eingebürgert.

Marquez hat vor 30 Jahren bei Création Baumann als Lagerist angefangen, die Firma machte ihm später das Angebot, die Spulerei als Abteilungsleiter zu übernehmen. «Sonst wäre ich wahrscheinlich nicht mehr hier.» Er selber hätte noch einen Job als Ersatzteilverkäufer angestrebt. Hätte. Er blieb bei Création Baumann, bildete sich weiter, absolvierte Kurse in der Textilfachschule, Meister- und Führungskurse – bis er die Spulerei übernahm. «Ich musste mir alles aneignen, was wichtig für meine Abteilung ist», sagt er. Er habe jedoch einen Vorteil gehabt, weil er bereits vorher als Lagerist mit Garn zu tun hatte. «Das erleichterte mir den Einstieg sicher ein wenig.»

Viele Veränderungen miterlebt

Er kennt seine Abteilung, das merkt man bei der Führung. Hier stehen diverse, imposante Maschinen. Eine heisst Schlafhorst, eine andere hat den italienischen Namen Corghi und wurde 2009 von dort importiert. Die Italienerin ist ausschliesslich auf das Spulen von Färbespulen spezialisiert. Um die diversen Maschinen kennen zu lernen, musste Marquez beispielsweise ins deutsche Mönchengladbach reisen.

Mit 22 Jahren Erfahrung in diesem Beruf hat Marquez viele Veränderungen in der Textilbranche miterlebt. Die Grösste sei, dass die Leute viel heikler seien als früher. Wurden früher noch Noppen oder Knoten im Garn geduldet, ist das heute ein absolutes Tabu. «Die Kunden zahlen viel Geld für unseren Stoff und wollen dementsprechend eine einwandfreie Qualität.» Ausgangspunkt für einen Stoff sei das Garn; mit diesem fängt alles an. Hat das Garn jedoch von Beginn an eine schlechte Qualität, könne die Spulerei höchstens Verbesserungsarbeiten leisten. Oder wie Marquez es ausdrückt: «Man kann aus einem Renault nun mal keinen Rolls Royce machen.» Die Qualität des Garns habe sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesteigert, in diesem Sektor sei viel passiert. Dennoch: Je feiner der Stoff sei, desto heikler sei das Garn. In Sachen Maschinen sind die Veränderungen erstaunlicherweise weniger markant. «Wir haben teilweise noch alte Maschinen», sagt er. Diese waren bereits in Betrieb, als Marquez die Abteilung übernahm.

In der Spulerei fängt die Produktion an

«Die Entstehung des Stoffes ist ein langer und fast nicht vorstellbarer Prozess», sagt er. Hier in der Spulerei fängt der Produktionsprozess an. Das Garn kommt roh in die Spulerei, erst wenn es diese verlässt, erhält es Farbe; oder es werden direkt Färbespulen eingekauft und in der Abteilung bearbeitet. Die Farbauswahl ist fast unbegrenzt: «Wir haben ein grosses Angebot an Farben», sagt er. Macht Marquez erst einmal die Türe zur Spulerei auf, ist der Lärm gross. Etliche Maschinen rattern laut, Spulen liegen in verschiedenen Wagen. Marquez kennt seine Maschinen gut. Er erklärt jeweils, wofür diese verantwortlich sind, denn: Garn kann man auf unterschiedliche Weise spulen. Dazu gehört beispielsweise das Fachen. Dabei werden zwei Einzelfäden parallel aufeinander gespult. Das Fachen ist schliesslich die Vorstufe zum Zwirnen – hier gibt eine Maschine dem Garn einen Dreh. «So wird das Garn stabiler und dehnbar.» Zudem erreiche es eine Reissfestigkeit von zusätzlich zirka 20 Prozent, sagt er.

Die Aufgaben von Marquez sind vielfältig: Er muss nicht nur neun seine Mitarbeitenden führen, er überwacht die Produktqualität, nimmt am Produktentwicklungsprozess teil, bewirtschaftet das Rohgarnlager, muss Büroarbeiten erledigen, ist verantwortlich für die Termineinhaltung der Garnaufträge. Die Liste wäre noch viel länger. Am besten an seinem Job gefällt Marquez die Zusammenarbeit mit den Menschen. «Der tägliche Kontakt ist das Schöne an meinem Beruf», sagt er, «aber es ist auch eine Herausforderung». Er wolle aus seiner multikulturellen Gruppe das Beste herausholen, sie motivieren und zu Höchstleistungen animieren. «Das funktioniert gut; es ist ein Geben und Nehmen zwischen mir und meinen Mitarbeitenden.» Weniger gerne – und das gibt er offen zu – erledigt er die viele Büroarbeit. Dennoch gehöre es zu seinem Job und sei notwendig.

Bis zur Rente bleiben

Marquez mag das Unternehmen Création Baumann und seinen Job. «Ich bin glücklich mit meinem Beruf», sagt er überzeugt. «Ich nütze meine Fähigkeiten als Abteilungsleiter hier voll und ganz aus». Es läuft nie alles perfekt, auch bei Création Baumann nicht. Zum Beispiel die Wirtschaftskrise vor zwei Jahren: «Sie hat uns auch getroffen», sagt er. So habe man die Leute, die gegangen seien, nicht mehr ersetzt. Aber: «Wir hatten nie Kurzarbeit», sagt er stolz. Im Gegenteil: «Als die Spulerei weniger Aufträge hatte, haben wir mit anderen Arbeiten unser Stundensoll erreicht.» Die Krise ist leider noch nicht überstanden, der starke Schweizer Franken macht der Textilbranche zu schaffen. «Die Währung ist zurzeit das grösste Problem», so Marquez. Der starke Franken und die schlechte wirtschaftliche Situation in wichtigen europäischen Märkten drücken auf das Ergebnis.

Marquez ist zufrieden mit seinem Aufgabengebiet, das zeigen seine Ruhe und sein Enthusiasmus. «Ich bin eher ein Typ, der lieber das Positive herauszieht», sagt er. In 18 Jahren wird er pensioniert: «Ich kann mir gut vorstellen, bis zu meiner Rente hier zu bleiben.»

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