Alterszentum-Serie
Diese Kleindietwilerin liebt es, im Altersheim den Speisesaal zu dekorieren

Im Alterszentrum Haslibrunnen hat Margret Aebi eine neue Herausforderung gefunden. Die Kleindietwilerin arbeitet im Hauswirtschaftsteam mit. Dies nachdem sie über 30 Jahre lang in der Landwirtschaft tätig war.

Tobias Granwehr
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Die Dekoration des Speisesaals im «Haslibrunnen» gehört zu Margret Aebis Lieblingsaufgaben. h. sahli

Die Dekoration des Speisesaals im «Haslibrunnen» gehört zu Margret Aebis Lieblingsaufgaben. h. sahli

Solothurner Zeitung

Margret Aebi wirkt ruhig und zufrieden, während sie über ihren Arbeitsplatz im Alterszentrum Haslibrunnen spricht. Diese Ruhe deutet jedoch keineswegs auf Langeweile hin, im Gegenteil. Aebi arbeitet seit gut zwei Jahren im Hauswirtschafts-Team mit – und fühlt sich beruflich ausgefüllt. Vielleicht hat ihre Gelassenheit mit ihrer beruflichen Vergangenheit zu tun. Etwa 30 Jahre lang führte sie mit ihrem Ehemann einen Landwirtschaftsbetrieb. Daher weiss sie, was harte Arbeit bedeutet.

Im Alterszentrum ist ihre Arbeit zwar nicht zwingend körperlicher Natur, trotzdem ist ihr Arbeitstag ausgefüllt. Je nach Schicht – die Hauswirtschaft im «Haslibrunnen» funktioniert im Zweischichtbetrieb – variiert die Arbeit. Sie reinigt die öffentlichen Räume im Alterszentrum, verteilt am frühen Morgen die Post, macht am Mittag und am Abend den Service für die Heimbewohner, pflegt den Aussenbereich oder betreut das Entsorgungskonzept des Alterszentrums. «Es ist die Vielseitigkeit, die ich an meiner Arbeit schätze», sagt Aebi während eines Rundgangs zu den verschiedenen Arbeitsplätzen.

Gut planen, wenig laufen

Der Service der Mahlzeiten im Speisesaal verlangt eine gute Planung. Wie in einem Restaurant lautet das Motto: Je besser man mitdenkt, umso weniger läuft man. «Ich frage die Bewohner am ersten Tisch, was sie essen möchten, informiere die Küche darüber, bringe das Menü an den ersten Tisch und fahre mit dem nächsten Tisch fort», beschreibt Aebi den Ablauf.

Natürlich macht sie diese Arbeit nicht allein, sondern zu zweit. Das Hauswirtschafts-Team besteht aus sieben Personen inklusive einer Lernenden. Die erste Schicht dauert von 6.45 Uhr bis 15.45 Uhr. Die zweite Schicht beginnt später, um 8.45 Uhr, und dauert bis 13 Uhr und von 15.15 Uhr bis 19.30 Uhr. Sie habe keine Präferenzen bei den Schichten, «Ich bin anpassungsfähig», sagt sie. Sofort ergänzt Aebi: «Ich sage aber auch meine Meinung, wenn ich etwas ändern würde.»

Zu ihren Lieblingsaufgaben gehört die Dekoration des Speisesaals des «Haslibrunnen». «Der Umgang mit Pflanzen ist für mich ein Hobby, das ich hier auch bei der Arbeit anwenden kann», sagt Aebi, während sie an einem Blumengesteck arbeitet, das später im Speisesaal auf einem Tisch stehen wird. Sie arbeite zu Hause gerne im Garten. Diesen darf sie zum Glück auch nach der Übergabe des Bauernbetriebes Ende dieses Jahres behalten. Der Hof bleibt in der Familie, sodass sie und ihr Mann weiterhin dort wohnen können.

Neuorientierung

Weil das Ende in der Landwirtschaft absehbar war, orientierte sich Aebi beruflich schon vor einiger Zeit neu. Heute ist die 53-jährige Kleindietwilerin glücklich, im Alterszentrum eine 60-Prozent-Stelle gefunden zu haben. Der Kontakt zu Menschen sei ihr immer wichtig gewesen. Die Mutter dreier erwachsener Kinder engagierte sich früher im Gemeinnützigen Frauenverein in Kleindietwil und ist im Kirchenrat tätig. «Als ich noch ein Kind war, lebten zeitweise vier Generationen in einem Haus», sagt Aebi.

Für sie sei der Kontakt zu älteren Menschen daher selbstverständlich. «Es heisst oft, Senioren seien mürrisch und unzufrieden. Ich habe jedoch gestaunt, wie zufrieden die Bewohner hier sind.» Um den guten Kontakt zu den Hausbewohnern zu beschreiben, erzählt sie eine kleine Episode: «Ich hatte im vergangenen Dezember einen Unfall und musste anfangs Jahr operieren. Als ich nach drei Monaten erstmals wieder zur Arbeit kam, erhielt ich Geschenke und Glückwünsche von den Bewohnern.» Das habe sie berührt, sagt sie mit leuchtenden Augen. «Ich sagte zu meinem Mann: So einen Tag werde ich wohl nie mehr erleben.»

Leben und Sterben

In einem Alterszentrum gehört der Umgang mit dem Tod zur Arbeit. Der Tod gehöre zum Leben, sagt Aebi professionell, ohne den Eindruck zu erwecken, das Thema zu verharmlosen. Natürlich sei es immer schwierig; das Alterszentrum Haslibrunnen habe für diese Fälle jedoch einen guten Weg gefunden: «Wir nehmen bewusst Abschied von verstorbenen Bewohnern. Wir zünden Kerzen an und lassen diese zwei Tage brennen.» Das helfe bei der Verarbeitung, sagt sie.

Lieber kommt Aebi auf die angenehmen Dinge in ihrem Alltag zu sprechen, auf die gute Stimmung im Hauswirtschafts-Team zum Beispiel. «Es ist eine aufgestellte Gruppe», sagt sie. Auch die Zusammenarbeit mit dem Pflegepersonal lobt sie. Dass das Pflegepersonal in der öffentlichen Wahrnehmung teilweise weiter oben steht als die Hauswirtschaft, kümmert Aebi nicht. «Für die Hausbewohner sind immer gerade jene Personen wichtig, mit denen sie zu tun haben.» Dann tritt Aebi vor das Alterszentrum.

Ihr Arbeitstag ist noch nicht zu Ende. Sie dreht die Storen beim Sitzplatz zurück und beginnt mit dem Tränken der vielen Blumen vor dem «Haslibrunnen». Sie freut sich, wenn die Blumen blühen und es rund ums Haus schön aussieht.

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