Niederbipp
Die Zeit wandelt sich, aber die Faszination bleibt

Die Mittelländer Modellbörse ist Männersache. Verkaufen lässt sich an dort aber alles: Schiffe, Autos, Eisenbahnen, aber hauptsächlich sind es Flugobjekte, originalgetreu und massstabgerecht zusammengebaut oder in in ihre Einzelteile zerlegt.

Julian Perrenoud (Text und fotos)
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Modellbörse
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Impressionen von der Modellbörse
Impressionen von der Modellbörse
Impressionen von der Modellbörse
Impressionen von der Modellbörse

Modellbörse

az Langenthaler Tagblatt

Ein eisiger Samstagmorgen. Doch das ist den Modellbauern egal, sie stehen früh auf – je früher desto besser, sagen sie. Im Räberhus steht die Mittelländer Modellbörse an, Kaufen und Verkaufen von Modellen und Zubehör. Im Voraus anmelden muss sich keiner der Verkäufer, «dr Ender isch dr Gleitiger», sagt Hans Müller. Er ist der Präsident der Modellgruppe Niederbipp, sie organisiert die eintägige Börse, bereits zum fünften Mal.

Obwohl es erst kurz nach acht Uhr ist, stehen vor dem Räberhus ein Dutzend Autos, tragen Männer Holzflügel, Kunststoff-Flugrümpfe und farbige Modellhelikopter ins Warme. Verkaufen lässt sich an der Börse alles: Schiffe, Autos, Eisenbahnen, aber hauptsächlich sind es Flugobjekte, originalgetreu und massstabgerecht zusammengebaut oder in ihre Einzelteile zerlegt. Auf langen Tischen legen die Modellbauer Rotoren, Motoren und Fernsteuerungen, alles, was es braucht, um einen Flieger in die Lüfte steigen zu lassen.

Modellbauer kommen von weit her

Wer denkt, Modellbau sei eine reine Männersache, liegt nicht falsch. Frauen lassen sich kaum blicken, auch die 70 Mitglieder starke Modellgruppe Niederbipp zählt eigentlich nur Männer. 30 davon sind Aktive, steuern regelmässig ihre Flugzeuge, im Sommer draussen, im Winter, jeweils sonntags, oben im Oberdorf durch die alte Turnhalle. 15 Personen der Gruppe bilden den «eisernen Kern», wie Präsident Müller sagt, sie organisieren zusammen mit dem Vorstand die Modellbörse. Er setzt sich an den Tisch, nimmt einen Schluck Kaffee, blickt kritisch zum Eingang. «Ein paar mehr dürften schon noch kommen», sagt er. Mehr Besucher. Käufer.

Denn schliesslich will Müller den Modellbauern in der Region etwas bieten – und darüber hinaus. 99 Prozent der Verkäufer und Besucher sind Modellbauer, einige kommen von weit her. Schweizerdeutsch trifft auf Französisch und Italienisch. Sogar aus dem nahen Deutschland sind sie schon da gewesen. Hier können sie Modelle anfassen, sich mit den Verkäufern austauschen, fachsimpeln. «Übers Internet, wo es heute viele Tauschbörsen gibt, geht das halt nicht.»

140 Franken – er bleibt hart

Modellbauer werden zuweilen belächelt, als Freaks abgestempelt. Müller jedoch scheint das wenig zu stören. Er zeigt zu den beiden Buben, die beim Eingang die Kasse hüten. «Ich war so alt wie die beiden, als es mich gepackt hat.» 1974 gründete er die Modellgruppe Niederbipp mit. Damals hiess Modellbau wirklich noch Modelle bauen. Er kaufte eine Schachtel voll Holz und schnitt dieses zuhause anhand von Mustern zurecht. Heute hingegen könne man alles fixfertig kaufen. «Die Menschen sind bequem geworden.»

Am Stand von Hans Baur bleiben viele Besucher stehen. Motor um Motor hat er ausgepackt und feinsäuberlich auf den Tisch gelegt. Auch Bücher bietet der Sammler aus Münchenbuchsee an, «Geschichte am Himmel: die DC-3». An Sammelbörsen, zwei davon in der Schweiz, die anderen in Italien und Deutschland, kann er schon mal eine Stunde über Material und Maschine fabulieren. Doch an der Börse hier will er Geschäfte machen. Zwei Kunden interessieren sich für einen Moki-Motor, bieten 100 Franken. «140», sagt Baur. Sie sagen 100. – Nein, das geht nicht. Die Beiden ziehen weiter. «Manchmal muss man hart bleiben», sagt Baur und lacht.

«Sie lernen enorm viel»

Auf der Suche nach Ersatzteilen sei er, sagt derweil ein Baselbieter, am Modellbau schon von klein auf fasziniert. «Aber für Familien sind solche Anlässe eher ungeeignet – es fehlt die Information zu den einzelnen Produkten», findet er. Und eigentlich wartet er auf November, die grosse Modellflieger-Börse in Zürich.

Wohl als einzige Modellbörse bietet diejenige in Niederbipp freies Indoor-Fliegen, unweit in der Dreifachturnhalle Lehnfluh. Ein Mann starten seinen Helikopter, während zwei Jungs ihre Flieger durch die Halle schiessen, synchron vor sich tänzeln lassen, um sie in wilden Saltos in die Höhe zu schleudern. Fritz Simon, Flugleiter und Vizepräsident der Modellgruppe, schaut den beiden anerkennend zu. «Sie sind sehr talentiert, viel geschickter als wir es früher waren.» Fehlende Faszination für den Modellbau kann er bei den Jungen keine ausmachen. «Sie lernen enorm viel – über Holz, Klebstoff, Motoren...» Eine richtige Männerdomäne. Und das dürfte sich künftig kaum ändern.