Ochlenberg
Die Zeit an der Schule Oschwand ist abgelaufen

Über 200 Jahren wurde an der Schule Oschwand in Ochlenberg unterrichtet - bis zur letzten Schulschlussfeier am Freitag. 300 Schüler nahmen Abschied.

Natalie Brügger
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Schülerinnen und Schüler an der letzten Schlussfeier – diesmal gab es sogar ein grosses Festzelt.

Schülerinnen und Schüler an der letzten Schlussfeier – diesmal gab es sogar ein grosses Festzelt.

Natalie Brügger

«Die Zeiten ändern sich», unter diesem Motto kamen am Freitagabend rund 300 Schüler, Eltern, Kollegen und Bekannte nochmals ins Dorf zur Schule Oschwand. Das ganz normale Schulschluss-Programm, mit Ausstellung der Gestaltungsarbeiten und der Feier der Schüler, war zu diesem besonderen Anlass mit einer Zaubershow und einem grossen Festzelt ergänzt worden.

Bereits am Nachmittag trafen sich die Schüler zur Show von Andy Mayno, welche nicht nur die Kinder, sondern auch die Lehrerschaft zu verzaubern mochte. Anschliessend trafen stetig Eltern und Bekannte ein, die das handwerkliche Geschick ihrer Sprösslinge bewunderten und sich in der Festwirtschaft mit Wurst und Steak verpflegten. Rund um die Festhalle wurde «gschuttet» – die EURO hatte auch abseits der Bildschirme keine Pause.

Das Thema Zeit holte auch die letzten Gäste ein, als die eigentliche Schlussfeier begann. Lieder, Tänze, Gedichte und Sketches wurden dem Publikum ohne viele Rumpler vorgeführt. Dabei hatte man die Vorbereitung locker angehen lassen, erzählt Marianne Minder, Lehrerin der 3. und 4. Klasse. «Die Kinder sollten sich einfach nur auf diesen Anlass freuen dürfen.» Jedenfalls wurde genug Zeit investiert, um dem Publikum grossen Applaus zu entlocken.

Vom Stock bis zu antiautoritär

Nach den Darbietungen war es Zeit für die Reden. Auf wenige Worte von Schulleiter Hans Ulrich Burkhalter und Gemeindepräsident Urs Gygax folgte eine längere Ausführung von Heinz Boss. Der heutige Pensionär war lange an der Schule tätig und hatte auch ältere Protokolle durchforstet. Das Schulhaus Oschwand wurde dreimal neu gebaut (1808, 1869 und 1963) und hatte einige bauliche Veränderungen erfahren. So wurden zum Beispiel beim Bau 1869 drei neue Lehrerwohnungen integriert. «Man wollte, dass die Lehrer im Dorf wohnten. Sie waren gute Steuerzahler und man konnte ihnen auch dieses oder jenes Ämtli übertragen.» Augenfällig ist der Turm auf dem Schulhaus. Dieser ist gebaut worden, nachdem 1975 ein Projekt für eine eigene Kirche bachab ging.

Neben den «harten Fakten» erzählte Heinz Boss auch einiges über das Innenleben des Gebäudes. Von Zeiten, als hauptsächlich Katechismus und Psalmen gelehrt wurden, als die Lehrerschaft noch mit dem Stock in der Hand das Wissen in die Köpfe prügelte und Verdingkinder in den Klassen sassen. Aber auch von der gegenteiligen, antiautoritären Phase, als die Kinder von «verhaltensauffällig zu verhaltensoriginell» eingestuft wurden. Viele selbst erlebte Müsterchen ergänzten die Reise und wurden mit Applaus und Gelächter honoriert. Bei der Feier herrschte leise Wehmut, aber auch der Alltag hatte bereits wieder Einzug gehalten. Viele Schüler sind es bereits gewohnt, andernorts Unterricht zu besuchen. Die meisten werden nach den Ferien ins Schulhaus Neuhaus in Ochlenberg oder ins Schulhaus Bettenhausen zur Schule gehen.