Remetschwil
Die Windkraft-Befürworter am Heitersberg suchen Allianzen

Regierungsrat glaubt nicht an das Windrad-Projekt auf dem Heitersberg und räumt ihm wenig Chancen ein. Die Befürworter wollen aber nicht aufgeben und Blicken über die Gemeindegrenze.

Carla Stampfli
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Windkraft auf dem Heitersberg? Der Regierungsrat gibt dem Projekt wenig Chancen.

Windkraft auf dem Heitersberg? Der Regierungsrat gibt dem Projekt wenig Chancen.

AZ

«Keine grossen Aussichten auf Erfolg» könnten dem Anliegen der Ortsbürgergemeinde eingeräumt werden. Diese Zeilen schrieb der Regierungsrat kürzlich dem Gemeinderat Remetschwil. Beim «Anliegen» geht es um die Parzelle 401, einem Waldgrundstück im Gebiet Erdbeerirai, das im Besitz der Ortsbürgergemeinde Remetschwil ist: Eine Mehrheit der Ortsbürger befürwortet eine Umzonung, damit das Waldstück neu als Standort einer Windenergieanlage mit einem Windrad in den kantonalen Richtplan aufgenommen wird.

Ortsbürgerin Theresia Meier-Wettstein ist von der Antwort des Regierungsrats enttäuscht, aber nicht gross überrascht. «Im Kanton Aargau hat es schon immer eine passive Widerstandspolitik gegenüber Windenergie gegeben», sagt sie. Meier-Wettstein ist Präsidentin der IG Wind Heitersberg und setzt sich seit über sieben Jahren für eine Windenergieanlage oberhalb des Dorfes ein.

Es fehlen Dokumente

Windkraftanlage: Projekt seit Beginn im Gegenwind

Ab 2007 nahm die Idee, auf dem Heitersberg eine Windkraftanlage zu bauen, ihren Lauf. Damals stellte die Firma Luventa beim Sennhof einen 65 Meter hohen Mast mit drei Messstationen auf. Die Ergebnisse zeigten, dass es technisch machbar wäre, oberhalb von Remetschwil ein Windrad zu betreiben. 2009 informierte die IG Wind Heitersberg mit Präsidentin Theresia Meier-Wettstein erstmals die Bevölkerung über das Windkraftprojekt: Die Anlage sollte aus einem Windrad mit drei Flügeln bestehen und rund 3,8 Millionen Kilowattstunden pro Jahr liefern – mit dem gut die Hälfte des Strombedarfs des Dorfes gedeckt werden könnte.

Die IG Wind Heitersberg schätzte die Betriebsdauer auf zirka 20 Jahre und rechnete mit Anlagekosten von rund 5,7 Millionen Franken. Die Projektförderer tätigten infolge verschiedene Abklärungen wie Lärmimmissionen, den Einfluss auf das Landschaftsgebiet oder die Kollisionsgefahr für Vögel und Fledermäuse. Ein Baugesuch wurde 2011 aber abgelehnt und der Standort Heitersberg 2013 kurzfristig aus dem kantonalen Richtplan gestrichen.

An der Ortsbürgergemeinde in diesem Sommer startete Theresia Meier-Wettstein erfolgreich einen neuen Anlauf: Eine Mehrheit der Ortsbürger unterstützte ihren Antrag, die Waldparzelle 401 als möglicher Standort für Windkraftanlagen in den kantonalen Richtplan aufzunehmen. Dem Vorhaben räumte der Regierungsrat Ende September jedoch wenig Chancen auf Erfolg ein. (ces)

Für Christof Merkli ist das eine erfreuliche Nachricht: Er kämpft mit seiner IG Pro Heitersberg seit Jahren vehement gegen eine Windenergieanlage oberhalb Remetschwils. Der Regierungsrat habe die selben Argumente an den Tag gelegt wie er, sagt Merkli. Etwa, dass die Kriterien für eine Windkraftnutzung auf dem Heitersberg nicht gegeben sind. «Ein Windrad wäre aussichtslos, aus umwelttechnischer und wirtschaftlicher Sicht.» In der Schweiz wehe viel zu wenig Wind für eine sinnvolle Nutzung, im Aargau schon gar nicht, so Merkli.

Gebiet aus Richtplan gekippt

Folgendes ist in den letzten Jahren in Sachen Windenergie im Dorf gelaufen: Nachdem 2007 erstmals die Machbarkeit eines Windrads auf dem Heitersberg überprüft wurde, fingen die Projektförderer um Theresia Meier-Wettstein an, die Idee zu konkretisieren. 2010 war sie soweit ausgereift, dass die IG Wind Heitersberg beschloss, beim Kanton ein Baugesuch einzugeben. Dieses wurde jedoch mit der Begründung abgelehnt, dass eine Anlage an diesem Standort nicht zonenkonform und eine Ausnahme nicht zulässig sei. «Ohne vorherige Anpassung der Richt- und Nutzungsplanung kann keine Baubewilligung erteilt werden», schrieb das kantonale Baudepartement dazumal in einer Stellungnahme.

Der Kanton hielt zwar das im Baugesuch vorgeschlagene Areal als weniger geeignet. Dennoch sah er 2012 im neusten Richtplanentwurf verschiedene Zonen für Windparks im Aargau vor – darunter auch ein Gebiet auf dem Heitersberg. Dieses lag ungefähr oberhalb des Egelsees, westlich des von der IG Wind Heitersberg vorgesehenen Standorts. Die Hoffnung der Projektförderer schwand aber im Frühjahr 2013: Der Grosse Rat strich im Rahmen eines Rückkommensantrag den Heitersberg kurzfristig aus dem Richtplan.

«Damals sagte man uns, dass der Heitersberg als Standort einer Windkraftanlage nicht verloren sei», sagt Theresia Meier-Wettstein und fügt an: «Ich nehme die Politiker beim Wort und hoffe, dass der Grosse Rat unserem Anliegen heute zustimmt.»

Mögliche Partner in Bellikon?

Bis zur Sommergemeinde der Ortsbürger 2016 soll der Beschluss des Grossen Rats vorliegen. «Dann werden wir entscheiden, wie es weitergehen soll», sagt Meier-Wettstein. Falle die Antwort negativ aus, so könne sie sich gut vorstellen, die Idee für eine Windkraftanlage zu revidieren: Dies, weil das Projekt der IG Wind Heitersberg aus einem Windrad besteht – der kantonale Richtplan aber vorschreibt, dass an einem potenziellen Standort mindestens drei gleichartige Windräder erstellt werden müssen. «Es wäre zwar nicht ganz einfach, aber wir müssten über die Gemeindegrenzen gehen und Partner finden», so die Ortsbürgerin. «Zum Beispiel in Bellikon oder Fislisbach.»