Beton- und Asphaltrecycling
Die Technik wäre vorhanden, doch mit der Nachfrage hapert es

Beim Beton funktioniert das Recycling einigermassen. Bei verbrauchten Strassenbelägen hingegen gibt es ungelöste Probleme.

Daniel Haller
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Die Betonbrechmaschine liefert, je nach eingesetztem Sieb, die gewünschte Körnung für verschiedene Anwendungen von der Strassen-Kofferung bis zum Konstruktionsbeton für Wände.

Die Betonbrechmaschine liefert, je nach eingesetztem Sieb, die gewünschte Körnung für verschiedene Anwendungen von der Strassen-Kofferung bis zum Konstruktionsbeton für Wände.

Kenneth Nars

Der Baggerführer greift den Betonbrocken aus dem Haufen, legt ihn zurecht und zerbricht ihn mit der Schaufel, bevor er die Trümmer in den Trichter befördert. «So kommen sie in die Prallmühle», schreit Roger Borer durch den Lärm. Dort schleudert ein Rotor die Brocken so lange gegen Prallplatten an der Aussenwand der Mühle, bis sie zerbrechen. Ein Rüttler siebt anschliessend die gewünschte Korngrösse aus, während ein Magnetband Armierungsstahl-Reste herauszieht. Die gröberen Brocken wandern auf einem Förderband für einen zweiten Durchlauf zurück in den Trichter. Unterwegs fischt ein Arbeiter von Hand Störstoffe wie Plastik oder Holz heraus. Gleichmässig rieselt hinten das fertig gebrochene Granulat vom Band. Ein Pneubagger befördert den wiedergewonnenen Betonrohstoff auf den Lagerhaufen.

So wie hier ein Stör-Brecher mit einer mobilen Maschine für die Liestaler Ziegler AG den aus Gebäude- und Strassenrückbau stammenden Beton recycelt, kann man auch alten Strassenbelag wieder aufbereiten. Bei Ziegler spricht man dann von schwarzem Granulat, «grau» steht dagegen für Beton.

Nur die Hälfte wieder eingebaut

«Mit schwarz kommen wir auf keinen grünen Zweig», berichtet Mitinhaber und COO Markus Ziegler. «Auf der Umweltseite fordert die öffentliche Hand, Baustoffe zu recyceln. Die gleiche öffentliche Hand tut sich aber schwer, als Bauherr von Strassen einen hohen Anteil an Recyclingmaterial zu akzeptieren», moniert Ziegler. Im Klartext: «Nur 50 Prozent des Ausbauasphalts können wir wieder einbauen», berichtet Borer als Abteilungsleiter Baustoffe. Der schwarze Haufen auf dem Zieglerareal an der Hülften umfasse bereits 80 000 Kubikmeter und wachse täglich weiter. «Da sollte das Bafu mehr Druck machen», ergänzt er.

Dazu meint Rebekka Reichlin, Pressesprecherin des Bundesamts für Umwelt (Bafu): «In der laufenden Revision der Technischen Verordnung über Abfälle (TVA) wird die Verwertung von mineralischen Abfällen aus dem Abbruch von Bauwerken konkretisiert. Vorgesehen ist, die Pflicht zum Recycling zu verstärken. Dies betrifft explizit auch Ausbauasphalt und Strassenaufbruch.» Allerdings sei es positiv, dass man heute 50 Prozent des Asphalts recyceln könne, denn ältere Beläge seien mit Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) belastet. «Sie können nur eingeschränkt in den Baustoffkreislauf zurückgeführt werden.»

In der Tat wird bei Ziegler jede Lieferung ausgebauter Strassenbeläge geprüft, ob sie die gesundheits- und umweltschädlichen PAK enthalten. Diese waren Teil des Teers, mit dem man früher den Kies gebunden hat. Wird der Grenzwert überschritten, geht das Material per Rheinschiff in die Niederlande, wo es thermisch aufbereitet und als Baustoff wiederverwertet wird. «Es ist schade, Rohstoff teuer nach Holland zu schicken», bedauert Ziegler. Er spricht damit die TVA-Revision an: Der PAK-Grenzwert soll gesenkt werden. Das generelle Recycling-Problem, dass man die Schad- von den Wertstoffen trennen muss, würde verschärft.

Materialtrennung wäre nötig

Der Baselbieter Kantonsingenieur Oliver Jacobi bestätigt den Überhang beim Asphalt-Recycling. Er führt aber nicht ein Schadstoff-, sondern ein Qualitätsproblem ins Feld: Moderne Flüsterbeläge seien weniger haltbar und müssten öfter abgefräst werden. Das Fräsgut werde künftig zunehmen. Zugleich seien sie qualitativ sehr anspruchsvoll: «Man kann dafür nicht Altbeläge verschiedener Herkunft verwenden.»

Zugleich weist Jacobi von sich, der Kanton Baselland nehme seine Recycling-Verantwortung nicht wahr: «Wir schreiben zunehmend die Kofferung der Strasse als Kaltmisch-Fundation aus, also zu 100 Prozent aus kalt gewalztem Asphalt-Granulat.» Dies gehe aber nur ausserhalb der Grundwasserschutzzonen. Die Tragschicht dürfe bis zu 60 Prozent Recycling-Asphalt enthalten, die Binderschicht 30 Prozent. «Abgefrästen Deckbelag mit teurem Spezial-Bitumen in tieferen Schichten einzubauen ist ganz klar ein Downcycling», erklärt Jacobi. Doch ein Deckschicht-Recycling wäre nur möglich, wenn man die unterschiedlichen Asphalt-Qualitäten von Anfang an streng trennen würde.

Rohstoffe sind begrenzt

Dass Ziegler jeder Stein schmerzt, der nach Holland geht, kommt nicht von ungefähr: Im Baselbiet gibt es noch eine einzige Kiesgrube. Frischer Baustoff stammt aus Süddeutschland, dem Elsass und dem Aargau, und auch da ist ein Ende absehbar. «Nicht zuletzt sind die industriell verwendbaren Sandvorkommen begrenzt.» Hinzu kommt, dass der Deponieraum für Bauschutt knapp wird. «Es ist nötig, den Kreislauf zu schliessen.» Der Preisunterschied zwischen Recyclinggut und neuem Kies sei bisher zu klein. «Technisch ausgereifter Recycling-Beton ist für Baugruben-Sohlen und Leitungs-Ummantelung akzeptiert. Aber bei Konstruktionsbeton sind die Bauherren zurückhaltend.»

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