Stadtrat
Die Stadt Langenthal vermietet jetzt Alterswohnungen

Gestern beschloss der Stadtrat, dass die Stadt die Alterswohnungen auf dem ehemaligen Kaspar-Areal mietet und dann weiter vermieten wird. Letztlich wurde die gemeinderätliche Vorlage deutlich angenommen – der Weg dorthin war allerdings ein steiniger.

Tobias Granwehr
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Die Stadt vermietet hier künftig Alterswohnungen. 26 Einheiten bestehen in den zwei Gebäuden. tg

Die Stadt vermietet hier künftig Alterswohnungen. 26 Einheiten bestehen in den zwei Gebäuden. tg

Solothurner Zeitung

Auf dem ehemaligen Kaspar-Areal an der St.Urbanstrasse 40 und 42 entstehen zurzeit zwei neue Wohnhäuser. Die Coopera Sammelstiftung PUK baut dort Alterswohnungen; im Erdgeschoss plant das Spital Region Oberaargau eine hausärztliche Gemeinschaftspraxis.

Das Geschäft sieht Folgendes vor: Das Alterszentrum Haslibrunnen übernimmt die Vermietung der 26 Seniorenwohnungen an der St.Urbanstrasse 40 und 42. Dafür schliesst die Stadt als Trägerschaft des «Haslibrunnen» einen Miet- und Hausverwaltungsvertrag mit der Coopera Sammelstiftung PUK ab. Coopera ist ein Verbund von Vorsorge- und Finanzierungseinrichtungen und Besitzerin der zwei neuen Liegenschaften an der St.Urbanstrasse. Das Alterszentrum will in den beiden Häusern je nach Bedarf der Mieterinnen und Mieter Wohnen mit Dienstleistungen anbieten. Weiter geht es um die technische Bewirtschaftung und die Betreuung der Liegenschaften. Damit die Vermietung und Verwaltung umgesetzt werden kann, soll der flexible Personalplan des «Haslibrunnen» befristet erhöht werden. Der Bau der Häuser soll im Herbst fertig werden. Der Mietvertrag läuft dann vorerst für fünf Jahre mit Option auf Verlängerung.

Junge haben Verantwortung gegenüber den alten Menschen

Der für Altersfragen zuständige Gemeinderat Reto Müller (SP) sagte, die heutige Bevölkerung habe eine Verantwortung gegenüber der älteren Generation. Das Projekt zusammen mit Coopera sei für die Stadt ein Gewinn. «Damit können Wohnungen mit tiefen Mietzinsen an ältere Personen vermietet werden», sagte Müller vor dem Parlament. Das sei für das «Haslibrunnen» eine Gelegenheit, zum Kompetenzzentrum für Altersfragen zu werden.

Die FDP/jll-Fraktion sprach sich gegen das Vorhaben des Gemeinderates aus. Sprecher Rudolf Lanz (FDP) sagte: «Die Vorlage schiesst über das Ziel hinaus. Seine Leistungen kann das ‹Haslibrunnen› dort auch anbieten, ohne dass die Stadt Vermieterin ist.» Es sei ein Fehleingriff in den Markt, der nicht nötig sei. Es sei zudem nicht ersichtlich, nach welchen Kriterien die Stadt die künftigen Bewohner auswählen werde, so Lanz. Die SP/GL-Fraktion sprach sich klar für das Mieten und Weitervermieten der Wohnungen aus. «Die Dienstleistungen des Alterszentrums geben den Bewohnern grosse Sicherheit. Das ist gut für die Mieter und deren Angehörige», sagte Sprecherin Beatrice Greber (SP). Dieses Angebot mitten in der Stadt sei gut für das Image Langenthals.

In den Markt eingreifen?

Für Manuel Ischi (GLP) handelte es sich um eine Prinzipienfrage: «Soll die Stadt in den Markt eingreifen oder nicht?» Die EVP/GLP-Fraktion sei der Meinung: «Ja». Es gebe zurzeit zu wenige Alterssiedlungen in der Stadt. «Es besteht also eine grosse Nachfrage, das Risiko für die Stadt ist jedoch gering.» Albert Schaller von der SVP-Fraktion bestätigte zwar, dass die finanziellen Risiken bei der Vermietung der Alterswohnungen überschaubar seien. Die Frage sei aber, warum Coopera keine professionelle Liegenschaftsverwaltung einsetzen wolle. Die SVP habe das Gefühl, die Stadt müsse das übernehmen.

Einzelsprecher Beat Sterchi (SVP) sagte, die Vorlage sei juristisch nicht befriedigend. Er vertrat die Meinung, dass für die Vermietung von Alterswohnungen ein städtisches Reglement nötig sei. «Die Bedingungen, wer eine Alterswohnung mieten darf, müssen klar geregelt sein», so Sterchi. Sonst würden die Mieter nach sozialpolitischen Fragen ausgewählt. Urs Zurlinden (FDP) bemängelte zudem, dass zuerst die Rechtsfrage des Alterszentrums geklärt werden solle, «bevor jetzt noch ein Vertrag reingedrückt wird». Zu diesem Thema ist im Stadtrat ein Vorstoss hängig. Müller versicherte: Die Rechtsform werde zurzeit geprüft und der Stadtrat könne bald darüber diskutieren. Der Gemeinderat betonte zudem: «Wir können entscheiden, wer eine Wohnung erhält. Das ist gut; denn wir wollen wissen, wer dort wohnt.» Er vertrat die Meinung, dass es dafür kein Reglement brauche.

Sterchi stellte daraufhin den Antrag, das Geschäft zurückzuweisen. Der Gemeinderat solle zuerst ein Reglement vorlegen, dass die Bedingungen für die Vermietung der Wohnungen festhalte. Dieser Antrag wurde jedoch mit grosser Mehrheit abgelehnt. Schliesslich stimmten die Stadträte der Vorlage mti 26 Ja- zu 9 Nein-Stimmen und 1 Enthaltung zu.