Burgdorf
«Die Sprachenbar hat den Nerv der Zeit getroffen»

Das Erfolgskonzept «Sprachenbar» aus Burgdorf fasst im Kanton Bern und in Solothurn Fuss. Rund fünfzig Gäste plaudern im Schnitt pro Abend in unterschiedlichsten Sprachen. Am 6. Februar wird im Langenthaler Parkhotel erstmals ein Abend durchgeführt.

Christoph Neuenschwander
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Verena Schoch, Initiantin der Sprachenbar, freut sich auf interessante Begegnungen. cnd

Verena Schoch, Initiantin der Sprachenbar, freut sich auf interessante Begegnungen. cnd

«Hallo Mütterchen Sprachenbar», ruft ein Mann vom Balkon des Parkhotels Langenthal herab. Verena Schoch und ihr zum Markenzeichen avancierter roter Hut sind längst über die Grenzen Burgdorfs hinaus bekannt. Schoch freut sich darüber. Ihr Projekt, die Sprachenbar, habe «den Nerv der Zeit getroffen», ist sie sicher. Und der Erfolg gibt ihr durchaus Recht.

Im April 2011 feierte sie mit ihrer Sprachenbar Premiere in Burgdorf. Seither wird der Anlass einmal monatlich im Club «Oso» durchgeführt. Im Schnitt nehmen rund 50 Leute an der abendlichen Plauderrunde teil und frischen dabei ihre Fremdsprachenkenntnisse auf.

Das funktioniert ungefähr so: Man kreuzt unangemeldet auf, wählt eine Sprache aus und setzt sich an den entsprechenden mit Fähnchen markierten Tisch. Dort unterhält man sich mit Gleichgesinnten in der gewählten Sprache, um diese aufzupolieren, und geniesst die heitere Atmosphäre. Ein muttersprachlicher Moderator hilft bei Problemen und sorgt dafür, dass alle zu Wort kommen. In Burgdorf werden zurzeit Französisch, Italienisch, Spanisch, Englisch, Griechisch und Russisch angeboten, Portugiesisch etabliert sich ebenfalls.

Expansion mit Eigendynamik

Weil das Konzept in Burgdorf so gut ankommt, organisiert Schoch die Sprachenbar nun auch in anderen grösseren Ortschaften der Region. Und zwar gleich in fünf davon: Langenthal, Bern, Thun, Langnau und Solothurn. Das habe sich einfach so ergeben. In Bern sei sie angefragt worden. Auf Langenthal sei sie von einer Kollegin aufmerksam gemacht worden, die ihr auch gleich das Parkhotel empfohlen hat. «Dort war man von meiner Idee sofort angetan.»

Und in Solothurn hat Schoch an einem Treffen für Geschäftsfrauen teilgenommen, an dem auch Stadtführerin Marie-Christine Egger anwesend war. «Ich habe den anderen mein Projekt in Burgdorf vorgestellt und Egger sagte, das müsse ich unbedingt auch in Solothurn machen.»

Ab 6. Februar in Langenthal

Startschuss für die neuen Sprachenbars war Anfang dieses Jahres. In Langnau fand am 3. Januar sogar schon der erste mehrsprachige Abend statt. «Etwa 25 Leute sind gekommen», berichtet Schoch. «Das ist ein sehr guter Anfang.» Im Langenthaler Parkhotel wird die Sprachenbar erstmals am 6. Februar durchgeführt (Anfang Januar waren noch Betriebsferien) und im Solothurner Zunfthaus zu Wirthen sogar erst am 20. März. Dort habe man sich auf jeweils den dritten Dienstag im Monat festgelegt und dann gemerkt, dass im Februar die Fasnacht dazwischenkommt. «Wenn die Sprachenbar erst einmal gestartet ist, soll sie konsequent jeden Monat stattfinden.»

Vorerst wird Schoch bei jeder Sprachenbar persönlich anwesend sein. Langfristig hoffe sie aber schon, für die neuen Orte jemanden zu finden, der die Einleitung am Abend übernehme und die Moderatoren koordiniere, sagt sie. «Denn da steckt viel Arbeit dahinter.» Zum Selbstläufer soll das Projekt hingegen nicht werden. «Ich möchte das schon unter meinen Fittichen behalten», lächelt Schoch.

Moderatoren gesucht

Anfangs werden in den neuen Sprachenbars englische, französische, italienische und spanische Tische angeboten. In Langenthal wir zudem auch Russisch gesprochen. «Dann schauen wir, in welche Richtung es sich entwickelt, bei welchen Sprachen eine Nachfrage besteht», sagt Schoch. Zudem sei es ihr wichtig, für jede Sprache möglichst mehrere lokale Moderatoren zu finden. In Burgdorf hat sie sich ein Moderatorennetz aufgebaut. Zu Beginn werde sie wohl auch für die neuen Ortschaften noch auf dieses zurückgreifen müssen. Aber das Ziel sei, überall Muttersprachler vor Ort zu haben.

Die Moderatoren seien wichtig, um die Gespräche überhaupt erst in Gang zu bringen, erklärt Schoch, die selbst Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch spricht. «Das Moderieren ist aber nicht so einfach, es soll ja nicht wie ‹Schüelerle› wirken.»

Bei aller sorgfältigen Vorbereitung was Moderatoren anbelangt, komme es ab und zu auch vor, dass jemand spontan eine weitere Sprache anbiete. «Einmal kam eine Holländerin mit einigen Bekannten vorbei und machte einen holländischen Tisch.»

Bedürfnis nach echten Gesprächen

Sie ist zuversichtlich, dass sich das Projekt auch in den neuen Ortschaften grosser Beliebtheit erfreuen wird. «Fremdsprachen werden immer wichtiger», sagt die Burgdorfer Lebensberaterin. Gleichzeitig werde direkte Kommunikation von Mensch zu Mensch seltener; das Bedürfnis danach wachse.

Und genau an diesem Punkt setzt die Sprachenbar an. «Es soll ein Ort der Begegnung sein.» Den Wunsch, einen solchen Ort zu schaffen, hatte Schoch schon lange gehegt. «Ich hatte das Gefühl, dass sich die Idee gut mit Sprachen verbinden lässt. Fremdsprachen aufzufrischen ist schliesslich für viele Menschen interessant.»

So hat sie denn die Sprachenbar ins Leben gerufen, bei der eben nicht nur die Sprachen, sondern auch die Begegnung eine zentrale Rolle spielt. «Viele Leute kommen immer wieder und schaffen sich durch die Sprachenbar ein neues soziales Netzwerk.» Nebst den Stammgästen gibt es aber auch jene, die einfach einmal vorbeischauen. «Das Ganze ist unverbindlich und funktioniert ohne Anmeldung», sagt Schoch. «Es soll auch kein Sprachkurs sein. Eine Sprache lernt man hier nicht. Aber man kann sie auffrischen.»

Die Atmosphäre ist ungezwungen: Die Gruppen seien durchmischt und man duzt sich. Die Teilnahme ist gratis. Den Restaurants reichen die Einnahmen aus den Konsumationen. Wer will, kann etwas ins Sprachenkässeli werfen, damit den Moderatoren ein Getränk und ein Snack offeriert werden können. Für Schoch selber schaut kein Geld heraus. «Ich mache das aus Freude an den Menschen und der Kommunikation. Die Leute sind jedes Mal glücklich. Das erfüllt mich.»

Die nächsten Sprachenbars:

Bern, 24.1., Bären Bar; Thun, 31.1., Freienhof; Langenthal, 6.2., Parkhotel; Langnau, 7.2., Hotel Emmental; Burgdorf, 14.2., Oso; Solothurn, 20.3., Zunfthaus zu Wirthen, jeweils 19.30 bis 21 Uhr

Infos unter www.sprachenbar.ch