Wynau
Die Schöni Transport AG verlässt höchstwahrscheinlich den Oberaargau

Der Hauptsitz der Schöni Transport AG wandert von Wynau, weg vom Oberaargau und dem Kanton Bern, einige Kilometer über die Kantonsgrenze nach Rothrist.

Christoph Neuenschwander
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Ja, wir können umziehen! «Yes, we can» wird die Lastwagen wohl auch weiterhin zieren, «Wynau/BE» nicht.cnd

Ja, wir können umziehen! «Yes, we can» wird die Lastwagen wohl auch weiterhin zieren, «Wynau/BE» nicht.cnd

Rothrist hat Ja gesagt: Die Schöni Transport AG aus Wynau darf das 67500 Quadratmeter grosse Ford-Areal in der Aargauer Gemeinde kaufen. Und mit 351 zu 102 Stimmen fiel das Abstimmungsresultat der Gemeindeversammlung trotz langer Diskussionen relativ deutlich aus (siehe Kontext). Damit ist der Umzug des Transportunternehmens vermutlich nur noch eine Frage der Zeit.

Christian Kölliker, Vize-Gemeindepräsident von Wynau, findet es «bedauerlich, wenn ein langjähriges Unternehmen, das so stark mit Wynau verbunden ist, wegzieht». Für das Dorf sei die Firma ein Aushängeschild, die Bevölkerung identifiziere sich mit den Schöni-Lastwagen, die man in der ganzen Schweiz sieht. Natürlich sei der Wegzug auch finanziell ein Verlust für die Gemeinde. Trotzdem scheint Kölliker der Wunsch der Firma nach einem geeigneteren Standort mit mehr Platz verständlich. Die Schöni Transport AG will schon seit längerer Zeit expandieren, doch in Wynau ist man an Grenzen gestossen. «Es hätte eine Umzonung zulasten der Landwirtschaft benötigt», erklärt Kölliker. «Und für uns war klar, dass das nicht so einfach geht.»

In Oberbipp, wo die Schöni Holding und die Nahrungsmittelproduktion des Unternehmens beheimatet sind, war die Firma 2010 abgeblitzt, weil sich die Einwohner aufgrund des Ortsbildschutzes gegen ein Logistikzentrum zur Wehr setzten. Dass die Transportfirma in Rothrist nun grünes Licht erhält, findet Kölliker nicht verwunderlich: «Jede Gemeinde will natürlich einen guten Steuerzahler.»

Zu wenig wirtschaftsfreundlich

Steuern werde die Schöni Transport AG jedoch in den nächsten Jahren wohl nicht viel bezahlen müssen, relativiert Adrian Studer, Vorsteher Berner Wirtschaft (beco). Da nun, wenn die Firma in Rothrist bauen wolle, grössere Investitionen anstünden, welche die Betriebsrechnung belasten werden. Steuertechnisch rentiere die Firma für Rothrist und den Kanton Aargau also vermutlich erst mittelfristig.

Auf der anderen Seite sei der Wegzug für den Kanton Bern «ein Mist», wie Bernhard Meyer, Präsident des Wirtschaftsverbandes Oberaargau (WVO), festhält. Man dürfe das zwar nicht zu eng sehen: «Wirtschaftlich entfaltet sich die Firma in der ganzen Region, also auch im Oberaargau.» Aber für Wynau und den Kanton entfallen Steuern. Dabei hätte man im Oberaargau auch zwei interessante Autobahnanschlüsse, wo man solche Transportunternehmen ansiedeln könnte.

Aber die seien umgeben von Landwirtschaftszonen. Diesbezüglich sei der Kanton Bern nicht sonderlich wirtschaftsfreundlich. «Ich habe nichts gegen Landwirtschaft», sagt Meyer. «Aber sie müsste vielleicht nicht gerade um die Autobahnanschlüsse herum sein.» Dass man in Oberbipp nicht von den Plänen der Firma Schöni begeistert war, könne er hingegen nachvollziehen. Dort hätte der Verkehr durch das Dorf geführt.

Bezüglich Verkehr wird es in Wynau indes kaum markante Änderungen geben, wie Kölliker prognostiziert. In Richtung Zürich hatte man schon vorher keinen Durchgangsverkehr, da Schöni am Dorfrand liegt. Und in Richtung Bern wird der Durchgangsverkehr bleiben, da Wynau auf derselben Verkehrsachse liegt wie Rothrist.

Was würde der Vater sagen?

Ähnlich wie Bernhard Meyer argumentiert Markus Meyer, Grossrat aus Roggwil, wo die Schöni Transport AG ebenfalls ein Grundstück im Auge hatte. «Es ist schade, wenn es nicht gelingt, der Wirtschaft im Oberaargau Platz zur Verfügung zu stellen.»

Auch Daniel Schöni reut der Wegzug aus dem Oberaargau ein wenig. Er habe erst gerade mit seiner Mutter darüber geredet, was wohl der Vater sagen würde, lebte er noch. «Mein Vater ist zwar in Rothrist aufgewachsen und mit der Firma erst nach einer Weile nach Wynau gezogen. Aber für ihn war halt schon Wynau der richtige Standort. Ich bin jedoch sicher: Rothrist ist die beste Option, wenn es nicht Wynau sein kann.»

Nun gelte es, möglichst rasch ein Baugesuch einzureichen und Ende 2012, Anfang 2013 mit dem Bau zu beginnen. «Stoppen lässt sich das Projekt nicht mehr, nur noch verzögern.» Dann nämlich, wenn gegen das Baugesuch Einsprache erhoben wird. Deshalb wolle er nun den Dialog mit möglichen Gegnern suchen, sagt Schöni. «Lieber miteinander als gegeneinander.» Falls es doch zu Verzögerungen in Rothrist kommt, will er sich die Option Roggwil offen halten. Lieber noch würde er aber dann in Wynau bleiben, mit dem Regierungsrat ins Gespräch kommen, umzonen und Platz für die Verwaltung seines Unternehmens schaffen, die momentan an verschiedenen Orten in der Region verstreut ist.

«Es sind keine Türen zugeschlagen», meint Studer dazu. «Wenn Interesse seitens der Firma am Standort Kanton Bern besteht, sind wir gerne bereit, Gespräche zu führen.» Wie es auch ausgeht, Holding und Nahrungsmittelproduktion werden in Oberbipp, also im Oberaargau bleiben.

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