Velo-Hauslieferdienst
Die neuen Botschafter Langenthals

Einkaufen, ohne zu schleppen. Das wird nun, wie schon in Burgdorf, auch in Langenthal möglich. Mit viel Goodwill vom Gemeinderat und von der Verwaltung betreibt PvB maxi.mumm ab sofort in der ehemaligen Merkur-Druckerei einen Velo-Hauslieferdienst.

Urs Byland
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«Pass auf!» Thomas Rufener und Christa Toggenburger.

«Pass auf!» Thomas Rufener und Christa Toggenburger.

«Der Konsument kauft im Geschäft ein, deponiert seine Taschen an einem vorgesehenen Standort und wir holen die Taschen ab und bringen sie dem Konsumenten dorthin, wo er sie haben will», erklärt Betriebsleiter Urs Christen kurz und bündig den Ablauf. Damit es aber so einfach ablaufen kann, brauVelo-Hauslieferdienst cht es besonders am Anfang Goodwill und Anschubhilfe. Etwas Schreibarbeit beispielsweise gehört auch dazu. Jede transportierende Tasche muss mit einem Lieferschein und bei einer Einzellieferung mit einer Vignette versehen sein. Diese kostet drei Franken. Keine Vignette braucht, wer ein Jahresabo für 150 Franken löst. Die maximale Lieferfrist wird mit drei Stunden angegeben. Bei Tiefkühlprodukten kann also die Kühlkette nicht eingehalten werden. Geliefert wird im ganzen Stadtgebiet, also auch nach Untersteckholz. Man gehe aber davon aus, dass nicht sehr viele Lieferungen nach Untersteckholz erfolgen müssten.

Am Anfang werden zwei Depotstellen eingerichtet. Eine beim Migros und die andere jeweils am Markttag beim «Märit». Dort finden die Konsumenten anfangs, bis sich der neue Dienst etabliert hat, die nötigen Informationen. Eigentlich hätte man gerne mit einer weiteren Depotstelle beim Coop starten wollen. Diese verweigerte jedoch auf Geheiss der auswärtigen Direktion in letzter Minute die Mitarbeit. «Wir sind zuversichtlich, dass wir auch Coop noch für den Hauslieferdienst gewinnen können», sagt Stadtpräsident Thomas Rufener (SVP). Laufend sollen nun neue Depotstellen eingerichtet werden.

Die Stadt legt sich ins Zeug

Rufener war es auch vorbehalten, die Gäste an der gestrigen Eröffnung der VHLD-Betriebszentrale an der Bahnhofstrasse 37 zu begrüssen. Dies auch in seiner Funktion als erster Präsident des neu gegründeten Trägervereines Velo-Hauslieferdienst Langenthal. Das Sekretariat führt im Übrigen Franz-Josef Felder, Fachbereichsleiter Planung/Umwelt/Energie, und die Finanzen liegen in den Händen von Mark Bucher, Vorsteher Finanzamt. Der Trägerverein ist aber nicht eine offizielle Stadtangelegenheit. «Wir geben einfach Anschubhilfe», begründet Rufener. Anschubhilfe, bis der Trägerverein zum Selbstläufer wird und die beteiligten Verwaltungsangestellten sich zurückziehen können, wenn sie wollen. Anschubhilfe kommt aber auch von anderer Seite, arbeiten doch im Vorstand beispielsweise Urs Leuenberger, Migros, oder Karin Rickli (Stadträtin) mit.

Draussen vor der Rampe und im Eingangsbereich der neuen Betriebszentrale, die vollständig von Mitarbeitern sowie den Zugewiesenen für die Arbeitsprogramme eingerichtet wurde, glänzen in der Sonne die Elektrovelos mit den Anhängern um die Wette. Die blauen Spezialanhänger, angefertigt im Eigenbau von Arbeitslosen in Burgdorf, sind mit dem Logo des Sponsors versehen, der für jeden Anhänger 2000 Franken spendete. Unter ihnen sticht ein unbemalter Alu-Anhänger hervor, eine Eigenkonstruktion von PvB maxi.mumm, die nun im Lieferalltag getestet wird. Ein halbes Dutzend Fahrzeuge stehen für den Haus-Lieferdienst bereit. Und bereit sind vier Fahrer, von einem Sponsor einheitlich eingekleidet. Sie drehen auch mal eine Runde für die Fotografen.

Gut fürs Image der Stadt

Rufener nennt sie in seiner Rede die Botschafter Langenthals und betont damit den Marketing-Aspekt des neuen Angebotes. «Es gibt der Stadt ein gutes Image.» In dem Sinne ist die Anschubfinanzierung vielleicht als eine Marketingmassnahme der Stadt zu verstehen. Mit einem Darlehen in der Höhe von 135000 Franken wird der neue Betrieb auf die Reise geschickt. Der Businessplan sieht eine Rückzahlung des Darlehens innert vier Jahren vor.

Selbsttragend wird das Angebot aber nicht werden. Dies ist nicht einmal auf privater Basis möglich, würde doch eine Lieferung in Langenthal laut PvB-Chefin Christa Toggenburger auf zwölf Franken zu stehen kommen. Deshalb auch die Gründung des Trägervereins, bei dem man mit einer Mitgliedschaft den Betrieb über die Hauslieferungen hinaus unterstützt. Deshalb die Aufforderung des Stadtpräsidenten, den Betrieb mit Sponsorbeiträgen zu unterstützen. Wobei gerade das Gewerbe im Zentrum einen Teil zum Gelingen beiträgt, leistet doch die Stadtvereinigung einen grösseren Beitrag an das neue Angebot. Mit jeder Lieferung fliessen von den Detaillisten und den Marktfahrern jeweils zwei Franken an den Hauslieferdienst. «Beispiele in anderen Städten zeigen, dass ein solches Angebot funktionieren kann, aber es braucht die Initialzündung», sagt der Stadtpräsident. Toggenburger spricht vom Aufbau einer Fangemeinde für das Angebot. Zentral sei aber die Entlastung des Verkehrs im Stadtzentrum. Der Eine oder andere kann mit diesem günstigen Angebot das Auto getrost zu Hause lassen, denn das Nachhauseschleppen der Waren entfällt.

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