Wynau
«Die Motorsäge braucht es in der Gemeinde nicht»

Mit 23 Jahren wird der SVPler David Herzig gleich Gemeindepräsident – er verspricht, dabei nicht den Hardliner zu markieren.

Jürg Rettenmund
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Solothurner Zeitung

David Herzig steigt steil in die Gemeindepolitik ein: Nächstes Jahr wird er gleich Gemeindepräsident von Wynau. Durch die besondere Konstellation mit dem sofortigen Rücktritt seiner Vorgängerin erhält er eine kurze Vorlaufzeit und begann etwas vorzeitig als Gemeinderat. Das az Langenthaler Tagblatt traf ihn am Tag nach der ersten Gemeinderatssitzung, an der er teilnahm. Noch musste er den Schlüssel zum Gemeinderatszimmer, wo das Gespräch stattfand, in seinem Schlüsselbund hervorsuchen. Bald wird er ihm sofort in der Hand liegen.

Herr Herzig, Sie sind bekannt, bisher jedoch eher auf kantonaler und nationaler Ebene, als Sekretär der Jungen SVP Kanton Bern und als Initiant für ein liberales Rauchverbot. Was hat Sie motiviert, jetzt in Ihrer Wohngemeinde einzusteigen?

David Herzig: Gemeindepolitik ist generell recht interessant. Man erhält Einblick in verschiedene Bereiche, vor allem aber in ein Exekutivamt. Man lernt politische Abläufe kennen und die Vorgaben, die Kanton und Bund den Gemeinden machen. Ich bin zudem klar der Meinung, dass man nicht nur meckern soll. Man soll sich dort einbringen, wo man es kann. Für mich hat sich nun die Gelegenheit ergeben, hier in Wynau in der Gemeinde aktiv zu werden.

Wenn man die klassische Ochsentour mit 23 und gleich als Gemeindepräsident beginnen kann, liegt später ein kantonales oder nationales Amt ja durchaus noch drin!

Na gut, ich will nichts überstürzen. Andere beginnen mit fünfzig oder sechzig und bringen es noch weit. Was später kommen kann, war bei meinem Entscheid nicht ausschlaggebend.

Haben Sie keine Angst, von den Bisherigen im Gemeinderat wegen Ihrer Jugend nicht ernst genommen zu werden?

Das glaube ich nicht. Wir sind alle im gleichen Boot und wissen, dass es wichtig ist, unsere Aufgabe zu erledigen. Dazu braucht es eine gute Atmosphäre im Gremium. Dafür werde ich sorgen. Dann hat auch niemand Anlass, mich auflaufen zu lassen.

Die junge SVP ist nicht gerade für sanfte politische Töne bekannt, ihr Instrument ist eher die Motorsäge, von der Adrian Amstutz spricht. Wie wollen Sie in Wynau die Motorsäge ansetzen?

Die Motorsäge auf Gemeindeebene ansetzen zu wollen, fände ich etwas verfehlt. Man muss in der Gemeinde viele Dinge umsetzen, die der Kanton vorgibt, muss dafür sorgen, dass die verschiedenen politischen Strömungen sich einbringen können. Da braucht es andere Werkzeuge. Ich weiss, dass mir der Ruf des Hardliners vorausgeht. Ich will mein Amt jedoch nicht so angehen. Ein Gemeinderat – wie übrigens auch ein Regierungsrat oder ein Bundesrat –handelt im Auftrag der Basis, der Bevölkerung. In meinem Fall der von Wynau. Diesem Auftrag will auch ich mich unterordnen und meine Arbeit machen. Ich kann die Leute beruhigen: Ich will nicht den Hardliner heraushängen, sondern konziliant und konsensfähig arbeiten.

Handlungsbedarf besteht in Wynau aber schon, seit der ehemalige Gemeindeschreiber über seinen Griff in die Kasse gestolpert ist. Was braucht es noch, damit die Gemeinde wieder in Gang kommt?

Das Hauptproblem lag darin, dass der Gemeindeschreiber – auch durch seine lange Amtszeit von 15 Jahren – sich eine Schlüsselposition bezüglich Information aufgebaut hatte, die dann mit ihm weg war. Alle Übrigen – sowohl Verwaltung wie auch Gemeinderat – waren schockiert, was alles auskam, und vielleicht noch auskommen wird. Die wichtigste Konsequenz ist für mich, zu verhindern, dass wieder eine solche Konzentration der Information auf eine Person stattfindet. Was die Aufarbeitung des Geschehenen betrifft, kann der Gemeinderat auch in Zukunft nur abwarten, bis die Untersuchungsbehörden ihre Arbeit abgeschlossen haben. Mein Ziel ist, es, dass wir unseren Teil speditiv und gründlich über die Bühne bringen, damit wir einmal einen Schlussstrich darunter ziehen können.

Eine Baustelle im eigentlichen Sinn sind die Gemeindeliegenschaften. Wie soll es mit ihnen weitergehen?

Ich hatte gestern die erste Sitzung im Gemeinderat und muss mich in verschiedene Dossiers noch einarbeiten. Die Gemeindeliegenschaften gehören dazu. Das will ich tun, bevor ich mich auf die Äste hinauslasse und etwas sage, was im Gemeinderat vielleicht bereits anders diskutiert wurde. Ich brauche noch etwas Zeit und hoffe, dass man mir diese gewährt.

Direkter betroffen als von den Gemeindeliegenschaften ist man als Einwohner vom Verkehr. In Wynau gilt es zwischen dem auf der Hauptachse und dem in den Quartieren zu unterscheiden.

Ich denke, mit Tempo 30 haben wir den Verkehr in den Quartieren in den Griff bekommen, und auch die Sanierung der Bernstrasse ist im Gang. Die Leitungen sind saniert, jetzt warten wir noch auf den Kanton. Das grösste Manko orte ich beim öffentlichen Verkehr, liegt doch unser Bahnhof abseits des Dorfes. Buslinien führen durch die ganze Region, aber um Wynau herum. Ich denke, hier müssen wir prüfen, ob sich das Dorf besser erschliessen lässt, indem eine dieser Linien durch dieses geführt wird. Das bedarf aber vertiefter Abklärungen, damit wir nicht ein Angebot schaffen, das dann nicht genutzt wird.

Als Gemeindepräsident kommt man heute nicht darum, sich mit der Eigenständigkeit der Gemeinde auseinanderzusetzen. Wie stehen Sie zu einer Gemeindefusion?

Generell bin ich der Meinung: Solange man Leute findet, die die Arbeit einer Gemeinde erledigen, braucht es keine Fusion. Die Synergien, die im Fall einer Fusion versprochen werden, sind bisher noch nirgends eingetreten. Unter dem Strich resultieren höchstens geringe Einsparungen, man muss froh sein, wenn man nicht noch drauflegt. Für Wynau wird es auch in Zukunft das Beste sein, in gewissen Teilbereichen, wo es Sinn macht, mit andern zusammenzuarbeiten, aber eigenständig zu bleiben. Eine Fusion ist nicht nötig.

Die Nachbargemeinde Aarwangen entwarf kürzlich mit einem Masterplan ihre Vision 2035. Wo wollen Sie zu diesem Zeitpunkt Wynau haben?

Die grosse Zukunftsperspektive? Auch für diese muss ich mich zuerst noch in die Dossiers einarbeiten. Ich sehe die Zukunft von Wynau aber vor allem als attraktiver Wohnstandort. Was in unseren Händen liegt, haben wir weitgehend gemacht, unsere Steueranlage ist im regionalen Vergleich konkurrenzfähig. Als Grenzort im Spickel zwischen den um einiges günstigeren Kantonen Aargau und Solothurn spüren wir aber die steuerlichen Nachteile des Kantons Bern besonders stark. Deshalb müssen wir vor allem beim Kanton Druck machen, damit dieser seine Rahmenbedingungen verbessert.

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