Die missglückte Operation

Mit allen Mitteln versuchte die FDP Spitaldirektor Heinz Schneider im Amt zu halten. Ein Scherbenhaufen ist das Resultat dieser Bemühungen.

Christian Mensch
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Christine Frey, zerrieben zwischen ihrer FDP und ihrem Spital. Foto: Roland Schmid

Christine Frey, zerrieben zwischen ihrer FDP und ihrem Spital. Foto: Roland Schmid

Schweiz am Wochenende

Das war erst der Anfang. In einem für Baselland beispiellosen Showdown haben Thomas Weber (SVP), Gesundheitsdirektor, und Dieter Völlmin (SVP), Verwaltungsratspräsident, diese Woche Heinz Schneider (FDP), den Chef des Kantonsspitals Baselland, abserviert. Als Weber und Völlmin sich am Donnerstag über Mittag vor den Medien erklärten, war das Sitzungszimmer im Regierungsgebäude gerammelt voll. Nur eine Person fehlte: Christine Frey, die Sprecherin des Kantonsspitals. Sie sass zu diesem Zeitpunkt am Mittagstisch der FDP-Fraktion, die sich über Schneiders Entlassung in Zorn redete. Frey hat ihren Job als Parteipräsidentin der FDP Baselland ihrer Aufgabe als PR-Verantwortliche eines krisengeschüttelten Spitalunternehmens vorgezogen. Darüber mag sie jedoch nicht sprechen. Sie erklärt: «Was das Kantonsspital angeht, werden wir zu gegebener Zeit kommunizieren. Als Parteipräsidentin gibt es derzeit keine News.»
Den chirurgischen Schnitt der Entlassung, so naheliegend wie überfällig, hatte die FDP Baselland dem SVP-Duo nicht zugetraut. Das Erschrecken über die «stillose und personalrechtlich fragwürdige» Personalie, wie Fraktionspräsident Rolf Richterich in der nachmittäglichen Landratssitzung donnerte, war deshalb echt. Zu sicher hatten die Freisinnigen geglaubt, ein sturmsicheres Bollwerk um den Spitalchef gezimmert zu haben.
Bereits im vergangenen Sommer war erkennbar, dass Heinz Schneider der Aufgabe nicht gewachsen war. Angekündigte Entscheidtermine verstrichen ungenutzt, Projekte türmten sich auf Projekte, Chefärzte kündigten im Rudel. Schneider hätte erklären können, dass die politisch verordnete Strategie mit drei Spitälern wirtschaftlich einfach nicht zu stemmen sei. Doch die Blösse, etwas nicht zu schaffen, liess das Ego nicht zu. So kritisierte er lieber das Personal, ihn nicht richtig zu unterstützen.
Schneider, zuvor kostenbewusster Leiter des Kantonsspitals Liestal, wusste um seine prekäre Stellung und sicherte sich ab. Im August ernannte er die FDP-Präsidentin Frey zu seiner neuen Kommunikatorin, ein PR-Coup der Extraklasse. Wenige Tage später trat das Kantonsspital unter den Schutzschirm der von FDP-Landrat Christoph Buser geführten Wirtschaftskammer.
Schneider, so schien es, hatte sich die richtige Protektion gesichert, seine Position war wieder gefestigt. Auch Thomas Weber, neuer Regierungsrat und Frischling in Gesundheitsfragen, machte nicht den Anschein, die Machtbastion Schneider infrage zu stellen. Christine Frey kommunizierte eifrig; den fortschreitenden Zerfall liess sich jedoch nicht wegreden. Die Konfliktlinie verlief nun aber nicht mehr primär zwischen Ärzten und Direktion, sondern eher diskret zwischen Direktion und Verwaltungsrat. Dieser, so heisst es, habe etwa Schneiders erste Pläne für die Frauenklinik auf dem Bruderholz zur Überarbeitung zurückgewiesen.
Die Kündigung von Daniel Hänggi, dem Chef der künftigen Frauenklinik, war dann aber doch die eine Kündigung zu viel. Weber und mit ihm der Verwaltungsrat sahen sich gezwungen zu handeln. SVP-Präsident Oskar Kämpfer habe das Politskript der Entlassung geschrieben, sagt man. Es erwischte die FDP auf dem linken Fuss; erst vor Wochenfrist realisierte die Partei, wie gefährdet ihr Protegé war. So hektisch wie schmutzig fiel ihre Gegenattacke aus: Völlmin sei ein Handlanger der Chefärzte; Schneider sei vom Verwaltungsrat daran gehindert worden, eine bessere Spitalorganisation einzuführen; dem Spitaldirektor werde das rechtliche Gehör verweigert.
Immerhin erreichten die begleitenden parlamentarischen Vorstösse, dass Schneider und Völlmin unter Zeitdruck gerieten: Vor der Landratsdebatte am Donnerstagnachmittag mussten Fakten geschaffen sein. Am Donnerstagmorgen erhielt Schneider die Kündigung und Völlmin trat – politisch geschickt – als Verwaltungsratspräsident zurück. Im Fokus bleibt allein Regierungsrat Thomas Weber, der auch ohne Verwaltungsratsmandat in der Verantwortung bleibt.
Am Dienstag findet der Spitalkrampf seine Fortsetzung. Die Baselbieter Regierung, so heisst es, hat eine Aussprache angesetzt. Für FDP-Fraktionschef Richterich ist klar: «Weber hat die Regierung hintergangen und keine Rückendeckung.» Dabei sollte Weber nun in Windeseile einen neuen Verwaltungsratspräsidenten finden und eine neue Eignerstrategie entwerfen. Eher wird ihm die FDP dabei Knüppel zwischen die Beine werfen, als einen konstruktiven Beitrag zu leisten. Konkrete Resultate wird die Spitalsprecherin Christine Frey deshalb nicht so rasch zu kommunizieren haben, sollte sie sich denn so lange auf diesem Posten halten können.
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