Champions League
Die königliche Welt Reals steckt in der Krise - kann der FCB profitieren?

Real Madrid startete schlecht in die neue Meisterschaftssaison. Bereits sechs Zähler liegen die Königlichen hinter Rivale Madrid. Zum ersten Doch ist die Krise gut oder schlecht für den FC Basel vor dem ersten Duell in der Champions League?

Etienne Wuillemin, Madrid
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Der vom Publikum angezählte Real-Torhüter Iker Casillas erhält aufmunternde Worte aus dem Lager von Rivale Atletico.

Der vom Publikum angezählte Real-Torhüter Iker Casillas erhält aufmunternde Worte aus dem Lager von Rivale Atletico.

Keystone

In seiner königlichen Welt kennt Real Madrid nie Zweifel. Historie und Stolz sind ausschliesslich für sich selbst reserviert, für den so häufig zauberhaften Fussball. «Die Galaktischen», «die Königlichen» oder «das weisse Ballett», wird Real Madrid dann ehrfürchtig genannt. Und für seine Gegner hat es – Respekt und Ehre gebieten es – viel Trost und Mitleid übrig. Nach dem Gewinn der Champions League gegen den Stadtrivalen Atletico im vergangenen Mai war das wieder einmal so.

Am Samstag wurde die königliche Welt aber kräftig durchgeschüttelt. Ausgelöst von ebendiesem Stadtrivalen. Noch nie hat Atletico in der Meisterschaft zweimal hintereinander im Santiago Bernabeu gewonnen. Nun ist es so weit. Das Schlimme für Real: So richtig gut musste Atletico gar nicht sein. Das erforderte der bescheidene Gegner gar nicht. Also konnte sich das Team von Diego Simeone auf Trost und Mitleid konzentrieren.

Das Bild, wie Real-Torhüter Iker Casillas nach dem Spiel von den Gegnern in den Arm genommen wird, sagt eigentlich schon alles aus. Nicht dass Casillas der Hauptschuldige an der Niederlage im Derby oder am schon mehr als bedrohlichen Rückstand auf Leader Barcelona (sechs Punkte) wäre. Aber Casillas muss zusehen, ein anderes Duell nicht zu verlieren – jenes mit dem Publikum. Vielleicht ist es das schwierigste seiner Karriere.

Bei jeder seiner Ballberührungen schmetterten Casillas gellende Pfiffe des Publikums entgegen. «Bernabeu entthront Casillas», titelte die Sportzeitung «Marca» am Sonntag. Die Madridistas haben mit ihrem einst als «der heilige Iker» verehrten Torhüter gebrochen. Sie wollen Keylor Navas, den neu verpflichteten WM-Helden von Costa Rica, im Tor sehen. Vielleicht ist er es schon morgen im Spiel gegen Basel ein erstes Mal.

Der fallende Held liess es sich nicht nehmen, nach dem Spiel ausführlich Auskunft zu geben über die schwierige Situation. Sein Blick war häufig gegen den Boden gerichtet. Seine Augen erzählten ziemlich detailliert über den Schmerz, den er über sich ergehen lassen muss. Aber seine Worte waren bemerkenswert: «Das Publikum hat ein Recht zu pfeifen, wenn es denkt, mein Niveau sei nicht angemessen. Der Torhüter hat an jedem Tor eine Mitschuld.» Die Statistik sagt: Aus den letzten sieben Torschüssen der Gegner von Real resultierten sechs Tore.

Erste Klagen: Die Harmonie fehlt

Die Frage ist nun: Muss der FC Basel in der Champions League für den fürchterlichen Real-Start in die Meisterschaft büssen? Oder aber sitzen die Probleme bei Real Madrid so tief, dass selbst der Aussenseiter aus der Schweiz eine Chance auf ein Unentschieden oder gar einen Sieg erhält?

Das Spiel gegen Atletico lieferte einige interessante Eindrücke. Am gefährlichsten ist Real immer dann, wenn es kontern kann. Wenn Cristiano Ronaldo oder Gareth Bale zum Sprint ansetzen. Wenn James Rodriguez, Toni Kroos und Karim Benzema den Ball so schnell zirkulieren lassen, dass den Verteidigern schon schwindlig ist, ehe sie überhaupt zum Verteidigen kommen. Nur war das gegen dieses stabile und robuste Atletico kaum je möglich. Die Stürmer störten Kroos und Modric wirkungsvoll am Spielaufbau. Und in der Nähe des Tores starben die Real-Freigeister in Schönheit.

Egal, in welcher Kombination Real seine Angriffe vortrug, es war auffällig, wie sehr es an Harmonie fehlt. Der neue kolumbianische Superstar, James Rodriguez, wirkt so, als wüsste er selbst gar nicht so genau, warum diese bereits übergross bestückte Offensive seine Künste noch brauchen würde. Bale und Ronaldo suchen ihren Erfolg lieber in Einzelaktionen als in Kombinationen. Benzema schliesslich offenbarte unerklärliche technische Mängel.

In Madrid wird die Furcht immer grösser, dass die Abgänge von Di Maria und Alonso das Gleichgewicht, das Ancelotti so wunderbar ins Team gebracht hatte, bereits wieder zerstört haben. Entsprechend mehren sich die Klagen. Ancelotti bleibt noch cool. «Wir haben letzte Saison die Probleme gelöst. Und so wird das auch diese Saison sein. Eine Reaktion am Dienstag ist trotzdem unabdingbar.»

Gegen den FC Basel wird vielleicht auch Florentino Pérez etwas nervöser sein als üblich. Der milliardenschwere Präsident von Real musste sich am Samstag von den Fans jedenfalls erste «Florentino raus»-Rufe anhören. Eine erneute Enttäuschung gegen Basel würde die königliche Welt mehr als nur kräftig durchschütteln.