Niederbipp
Die Kinder sollen einen Bezug zur Natur erhalten

Ab kommendem Sommer führt die Spielgruppe «Chlötzli» neu auch eine Spielgruppe im Wald. Leiterin Monika Neuenschwander möchte mit der Waldspielgruppe den Kindern Erlebnisse in der Natur ermöglichen. Die Nachfrage ist gross.

Andrea Marthaler
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Waldspielgruppenleiterin Monika Neuenschwander mit ihren Kindern Lars und Anja. ama

Waldspielgruppenleiterin Monika Neuenschwander mit ihren Kindern Lars und Anja. ama

Solothurner Zeitung

Ab August wird es in Niederbipp eine Waldspielgruppe geben. Geleitet wird diese von Monika Neuenschwander. Die Nachfrage danach sei gross, betont sie. Bereits hat der Spielgruppenverein «Chlötzli» dafür ein geeignetes Stück Wald gefunden. Die Burgergemeinde stellt es ihm zur Verfügung. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. An der entsprechenden Stelle im Längwald steht ein Kreis aus Stämmen und Ästen – ein Waldsofa, auf dem sich die Gruppe künftig sammeln wird. Nebenan wurde eine Feuerstelle angelegt. Am Samstag sind Kinder und Eltern zu einem Besuchstag der künftigen Waldspielgruppe eingeladen.

Lars (6) und Anja (4), die Kinder von Monika Neuenschwander, stürmen schon jetzt in den aufgeschichteten Kreis. Sie setzen sich auf den aus einem Stamm gesägten Stuhl, auf dem künftig das Geburtstagskind sitzen darf. Kurz darauf möchte Lars sein Versteck unter niedrigen Tannen zeigen – mit Garten, wie er betont.

Mit der Natur spielen

Neuenschwander möchte mit der Waldspielgruppe den Kindern Erlebnisse in der Natur ermöglichen. Seit einiger Zeit hilft sie in der Waldspielgruppe in Wolfwil und ist vom Konzept begeistert: «Viele Kinder, aber auch Erwachsene haben Respekt oder gar Angst vor der Natur, sie fürchten sich vor Verletzungen. Diese Angst kann den Kindern genommen werden.» Im Wald könnten die Kinder wild tun und rumrennen, Schmutz spiele dabei keine Rolle. «Dies ist wichtig, da viele Kinder nicht mehr oft die Möglichkeit haben nach draussen zu gehen», so Neuenschwander.

Zudem sei auch das Spielen im Wald völlig anders als im Kinderzimmer oder in der Spielgruppe drinnen. «Im Wald gibt es keine Spielsachen. Die Kinder müssen mit dem spielen, das sie vor Ort finden.» Das sei zu Beginn eine Hemmschwelle, mit der Zeit lernen die Kinder aber, kreativ zu sein.

Trend zur Spielgruppe draussen

Mit dem Konzept einer Waldspielgruppe ist Neuenschwander nicht alleine. Seit einem Jahr gibt es eine in Aarwangen sowie in Oberbipp, seit zwei Jahren eine in Niederönz. Andrea Moret Allemann leitet die Spielgruppe «Hasumüsli» in Niederönz und die «Wurzuching» in Oberbipp. Sie machte bisher sehr positive Erfahrungen. Für sie ist der Trend zur Spielgruppe draussen klar eine Gegenströmung zur Entwicklung in der Gesellschaft. Wenn immer mehr verbaut wird, werde es wichtiger, einen Bezug zur Natur zu schaffen. «Alleine schon durch das draussen Sein, schafft man eine Verbindung zur Natur. Das Kind lernt Naturabläufe kennen, erlebt mit, wie die Natur sich im Laufe eines Jahres verändert», sagt Moret. Die Kinder entwickeln dadurch Respekt vor der Natur und gegenüber den Tieren.

Auch Miriam Murmann sammelte mit der Waldspielgruppe «Zauberwald» in Aarwangen ausschliesslich positive Erfahrungen. «Viele Kinder wissen zu Beginn nicht, wie sie sich in der Natur verhalten sollen», so Murmann. Denn viele Kinder seien bereits von klein auf derart mit Programm eingedeckt, dass sie keine Zeit haben nach draussen zu gehen. «In der Waldspielgruppe bietet sich ihnen die Gelegenheit, im Freien zu spielen. Es ist enorm, was es ihnen bedeutet, ein Versteckis oder Fangis im Wald zu machen.»

Draussen bei fast jedem Wetter

So schön das Spiel im Wald auch ist, haben manche Eltern trotzdem Angst um ihre Schützlinge. Schliesslich ist die Waldspielgruppe fast bei jedem Wetter im Freien, egal ob die Sonne scheint, es regnet oder schneit. Nur bei extrem eisigen Temperaturen sowie Sturm oder nassem Schnee auf Ästen, die brechen könnten, sehen die Waldspielgruppenleiterinnen vom Treffpunkt Wald ab. «Schliesslich bringt es nichts, die Kinder von allem fernzuhalten, was ihnen schaden könnte», ist Murmann überzeugt. «Draussen sein, stärkt das Immunsystem.» Morets Rezepte gegen Kälte sind Bewegungsspiele und eine gute Ausrüstung. Auch Zecken habe sie nie als Problem erlebt, sofern man Vorkehrungen treffe und entsprechend reagiere.