Sabine Pegoraro
Die Hartnäckige - 12 Jahre und kein bisschen amtsmüde

Die oft unterschätzte FDP-Magistratin ist eine Wahlkämpferin erster Güte. Nun peilt sie ihre vierte Amtszeit an.

Hans-Martin Jermann
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«Man wird kreativ, wenn man den Gürtel enger schnallen muss»: Energiedirektorin Sabine Pegoraro in der Turbinenhalle des Kraftwerks Birsfelden.

«Man wird kreativ, wenn man den Gürtel enger schnallen muss»: Energiedirektorin Sabine Pegoraro in der Turbinenhalle des Kraftwerks Birsfelden.

Roland Schmid

Sabine Pegoraro strebt bei den Wahlen vom 8. Februar ihre vierte Amtszeit in der Kantonsexekutive an. Sie ist mit grossem Abstand die amtsälteste der wieder antretenden Regierungsräte. Die 56-Jährige betont, dass die gute Stimmung im aktuellen Fünfergremium ein wichtiger Grund sei, weshalb sie nochmals antrete. Sie mag nichts Schlechtes über die alte Garde um den ehemaligen Finanzdirektor und Leitwolf Adrian Ballmer (FDP) sagen. Und doch findet sie: «Die Zusammenarbeit in der Regierung ist noch ein bisschen enger, als sie es früher war. Und wir haben mehr direktionsübergreifende Projekte.» Gut versteht sich Pegoraro vor allem mit Anton Lauber (CVP), der 2013 gewählt wurde und von Ballmer die Finanzen übernahm. Pegoraro und Lauber verbindet einiges: Beide sind Anwälte, arbeiten sehr strukturiert, gelten als trocken, aber hartnäckig. Man sieht es Pegoraro bei öffentlichen Auftritten an: Sie ist gerne Regierungsrätin.

Zur Person: Sabine Pegoraro

2003 ist Sabine Pegoraro in die Baselbieter Regierung gewählt worden – als erste FDP-Frau. Die ersten acht Jahre leitete sie die Sicherheitsdirektion, nach der Abwahl ihres SVP-Regierungskollegen Jörg Krähenbühl im Frühjahr 2011 wechselte sie in dessen Bau- und Umweltschutzdirektion. Vor ihrer Regierungstätigkeit politisierte Pegoraro fünf Jahre im Landrat, von 2000 bis 2002 präsidierte sie zudem die Baselbieter FDP. Ihre politische Karriere startete sie 1994 als Bezirksrichterin in Arlesheim. Vor ihrer Wahl in die Regierung war sie als Anwältin tätig, zuletzt als Partnerin in einer Basler Kanzlei. Die 56-Jährige ist verheiratet, hat einen erwachsenen Sohn und lebt in Pfeffingen.

«Wir sind auch nur Menschen»

Und doch ging sie erst vor Jahresfrist durch bittere Zeiten: Im Zusammenhang mit der Honorar-Affäre wurde sie aus eigenen Reihen attackiert: Einige Freisinnige witterten die Gunst der Stunde, die angeschlagene Magistratin auszubooten. Die Vorverurteilungen haben die mit starkem Gerechtigkeitssinn ausgestattete Pegoraro getroffen: «Wir Regierungsräte sind auch nur Menschen, das geht manchmal etwas vergessen.» Die gegen sie erhobenen Vorwürfe erwiesen sich später als haltlos. Unter Druck geraten lief die machtbewusste Baudirektorin im vergangenen Jahr zu Hochform auf und verlieh ihrer Regierungstätigkeit schärfere Konturen.

Als sich andere erst zaghaft überlegten, ob sie 2015 ins Rennen steigen wollen, da betrieb die von ihrem Umfeld offensichtlich gut beratene Pegoraro bereits mit medienwirksam inszenierten Aktionen Wahlkampf: Einer überraschten Öffentlichkeit präsentierte sie vor Jahresfrist eine Lösung für den seit Jahrzehnten geforderten Doppelspurausbau im Laufental. Erstmals in der Geschichte des Kantons soll ein Grossprojekt vorfinanziert werden; letztlich tragen muss die Baukosten der Bund. Auch lancierte sie die Idee, wie der Kanton trotz Loch in der Kasse die auf über 400 Millionen Franken veranschlagte Umfahrung Allschwil (samt Zubringer ins Bachgraben-Gebiet) realisieren kann: Richten soll es ein Fonds, der mit Geldern aus der Motorfahrzeugsteuer gespeist wird. Pegoraro demonstriert, dass eine Baudirektorin auch ohne Geld Spass haben kann. «Man wird kreativ, wenn man den Gürtel enger schnallen muss», sagt sie und lächelt.

Die Baselbieter Energiedirektorin führt die bz an einem sonnigen Wintertag zum Kraftwerk Birsfelden. An diesen Ort hat sie, die im Basler Paulus-Quartier aufgewachsen ist, lebhafte Kindheitserinnerungen. Auf dem Schulausflug oder dem Sonntagsspaziergang ging das Stadtmeitli hier früher oft über den Rhein. Sabine konnte stundenlang das Öffnen und Schleusen beobachten: «Faszinierend» findet sie das noch heute.

Und doch – wir ahnen es – sind wir nicht nur aus nostalgischen Gründen zu dieser bedeutendsten Stätte der Stromproduktion in der Region gekommen. Für Pegoraro ist das Wasserkraftwerk ein Symbol für eine neue Politik, welche sie ebenfalls vorantreiben möchte. Bis 2040 sollen im Baselbiet 40 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Die Wasserkraft und damit das Kraftwerk Birsfelden spiele dabei eine grosse Rolle. Mit einer Austiefung des Rheins unterhalb der Staumauer könnte die Stromproduktion auf einen Schlag um fünf Prozent erhöht werden. Der Kraftwerks-Verwaltungsrat, dessen Präsidentin Pegoraro ist, hat die Weiterverfolgung des Projekts im Grundsatz genehmigt. Das Flussbett des Rheins soll halbseitig ausgebaggert und vertieft werden. Dass dies Gegner auf den Plan rufen wird, scheint Pegoraro nicht zu stören – im Gegenteil: kontroverse Ideen, für die sie erst Überzeugungsarbeit leisten muss: Das ist Pegoraros Terrain.

Pegoraro, die Hartnäckige, die – oft unterschätzte – Kämpferin. Ihre Eigenschaften als Regierungsrätin sind bekannt. Doch wie ist die 56-Jährige als Privatperson? Nicht ganz fassbar, finden viele. Dies zeigt sich etwa im Umgang mit ihrer Herkunft. Als einziges Baselbieter Regierungsmitglied pflegt Pegoraro ein ziemlich unverfälschtes Baseldytsch. Pegoraro hat Wurzeln in der Stadt – und wird auch als Städterin wahrgenommen. Sie ist jene Politikerin des Landkantons, die an der Basler Fasnacht am meisten in den Schnitzelbängg auftaucht. Ausgerechnet Pegoraro hat sich vor der Fusionsabstimmung im September deutlich für ein eigenständiges Baselbiet eingesetzt. Wiederholt verwies sie auf Mentalitätsunterschiede zwischen Stadt und Land, in innerkantonalen Konflikten schlägt sie sich schon mal auf die Seite des Oberbaselbiets: «Wir dürfen die Minderheiten in unserem Kanton nicht immer überstimmen.» Es sei wichtig, für das gegenseitige Verständnis und den Zusammenhalt des Kantons einzustehen. Mit Genugtuung hat sie zur Kenntnis genommen, dass sich im Abstimmungsverhalten zur Kantonsfusion keine Gräben zwischen Unter- und Oberbaselbiet aufgetan haben.

In Bezug auf ihre Person sagt die Basler Bürgerin, dass sie das Leben auf dem Land, in überschaubaren Verhältnissen mit regen sozialen Kontakten, kennen und schätzen gelernt hat; zunächst in Allschwil, wohin sie als junge Juristin in den 1980er-Jahren wegen der günstigeren Wohnungen zog. Und später in Pfeffingen, wo sie seit 1997 mit ihrer Familie in einem Einfamilienhaus lebt.

«Werde für vier Jahre gewählt»

Was sie verletze? «Illoyalität», kommt es wie aus der Pistole geschossen. Für die Regierungsrätin sind Loyalität und Vertrauen zentrale Werte. Vertrauen, das sie von den Mitarbeitenden in ihrer Direktion erwartet, und das sie ihnen aber auch schenkt. Zum System Pegoraro gehört, dass sie sich stark auf Fachwissen und Know-how ihrer leitenden Angestellten verlässt und deren Rat ihr lieb und teuer ist. Pegoraro sieht sich selber für die politische Würdigung und Einordnung eines Geschäfts verantwortlich.

Dass Pegoraro von ihrer Ausbildung her keine ausgewiesene Bau- und Verkehrsfachfrau ist, war für sie deshalb auch nie ein Hinderungsgrund, 2011 von der Sicherheits- in die Bau- und Umweltschutzdirektion zu wechseln. Ein Schritt, der ihr nach eigenen Angaben gutgetan hat. «Doch nochmals wechseln will ich nicht», sagt sie energisch. Ebenso stellt sie klar, dass sie nach einer allfälligen Wiederwahl am 8. Februar eine volle Legislaturperiode weitermachen wolle. «Ich werde für vier Jahre gewählt, nicht für zwei oder drei.» 2019 wäre Pegoraro 16 Jahre im Amt. So lange sass seit dem legendären CVP-Magistraten Clemens Stöckli (1971 bis 1991) niemand in der Baselbieter Regierung – selbst ein Peter Schmid oder Paul Nyffeler nicht. Da ist sie wieder: Sabine Pegoraro, die Hartnäckige, die Kämpferin.

Baselbieter Wahlen 2015

Wahl-Porträt: Die bz stellt die acht offiziellen Kandidierenden der Regierungsratswahlen vom 8. Februar 2015 vor. Den Ort des Treffens können sie dabei frei wählen.

Bereits erschienen:
18.12. Regula Nebiker (SP) 20.12. Anton Lauber (CVP)
3.1. Isaac Reber (Grüne)
9.1. Daniel Münger (SP)
12.1. Matthias Imhof (BDP)
15.1. Thomas Weber (SVP)
17.1. Monica Gschwind (FDP)