Langenthal
Die Grünen fordern von der Stadt, auf erneuerbare Energien zu setzen

Ein Langenthal ohne Atomstrom, ist das möglich? «Nein», sagt Hans Beer, Direktor der Industriellen Betriebe Langenthal. Man könne den Kunden nicht vorschreiben, welchen Strom sie beziehen müssen.

Urs Byland
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Strassenlicht ohne Atomstrom fordern die Grünen. Felix Gerber

Strassenlicht ohne Atomstrom fordern die Grünen. Felix Gerber

Solothurner Zeitung

«Viele Kunden wollen den aktuell billigsten Strom, den es gibt. Das ist Marktwirtschaft.» Andererseits besitzen die Industriellen Betriebe beinahe das Monopol als Langenthaler Stromlieferant. Einzig einige grössere Betriebe wie die Migros, Coop oder die Post haben andere Lieferanten. «Wir liefern rund 95 Prozent des Stroms, der in Langenthal gebraucht wird», bestätigt Beer.

Aber diese Monopolstellung könne nicht dazu genutzt werden, Atomstrom, der im eingekauften Mix rund 40 Prozent ausmacht, aus den Langenthaler Steckdosen zu verbannen. «Erst mit der zweiten Strommarktöffnung kann jeder Stromkunde seinen Lieferanten wählen. Heute ist dies nur möglich für Kunden, die über 100000 kWh im Jahr brauchen.»

Ursprünglich sollte diese zweite Strommarktöffnung im 2013 erfolgen. Inzwischen wird es 2014, wenn überhaupt. Und sollte diese Strommarktöffnung kommen, will auch die IBL gute Karten haben, sprich billigen Strom anbieten.

«Ein kleiner Schritt»

Als Kunde der IBL kann man aber schon heute Strom aus erneuerbaren Energien kaufen. Darauf zielt die an der letzten Stadtratssitzung von den Grünen eingereichte Motion ab. Sie fordern einen «Stopp für Atomstrom in der Stadt Langenthal». Ziel ist es, dass keine städtische Liegenschaft oder Anlage mehr mit Atomstrom betrieben wird. Dazu gehört auch die Strassenbeleuchtung. Die Stadt solle ein Zeichen setzen und als gutes Beispiel für ihre Einwohner voran gehen.

«Die Träume sollen nun endlich Wirklichkeit werden», sagt Stadträtin Karin Rickli von den Grünen. «Wenn man heute etwas tun will, dann ist es ein kleiner Schritt, jetzt auf den Atomstrom zu verzichten.» Die Grünen hätten diese Motion schon länger vorbereitet, erklärt Rickli, und sie seien nun durch die Ereignisse darin bestärkt worden, die Motion auch einzureichen.

Bei Sonnenenergie droht ein GAU

«Der Kunde kann schon heute wählen», sagt Beer. Auch die IBL bieten Strom an, der nur mit erneuerbaren Energien produziert wurde. Das kann recht teurer werden, nämlich 80 Rappen pro kWh zusätzlich, wer nur Sonnenenergie will, 18 Rappen für Windenergie, 3,5 Rappen für Wasser und 8,8 Rappen für einen Mix aus Sonne, Wind und Wasser.

Der Stromverbrauch der Stadt inklusive der Strassenbeleuchtung beträgt rund 2 Prozent des gesamten IBL-Stromverkaufs. Die genauen Zahlen bereitet Finanzverwalter Mark Bucher für die Beantwortung der Motion vor. Aktuell kann er diese Zahlen nicht liefern. Noch weniger klar ist der Preis, den die Stadt der IBL für den Strombezug bezahlt. Bei einer Annahme von einer Million Franken Abgabe an die IBL sieht die Rechnung wie folgt aus? Wird der gesamte städtische Bedarf mit Ökostrom (Kombination aus Sonne, Wind und Wasser) gedeckt, müsste die Stadt künftig etwa 1,8 Millionen Franken im Jahr für den Strombedarf aufwenden.

Soll es nur Windenergie sein, würden 2,8 Millionen Franken Ende Jahr fällig. Und bei Sonnenstrom würde der städtische Haushalt einen kleinen GAU erleben. 9 Millionen Franken kostet dann der Strom, den die Stadt verbraucht. Die Zahlen sind Schätzungen, aber die Dimensionen der Verteuerung stimmen. Die Grünen wollen der Stadt nicht vorschreiben, welchen Weg sie gehen soll. «Das haben wir bewusst offen gelassen.»