Wuhrplatz
Die «Fahrbar» hat weiterhin ihren Platz

Kurz vor dem Ende der Bauarbeiten am Wuhrplatz reden die betroffenen Gastronomen über ihre Probleme und ihre Hoffnungen. Klar ist mittlerweile, dass die «Fahrbar» von Astrid Zimmermann auf den Wuhrplatz zurückkehrt.

Tobias Granwehr
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Die in Kürze abgeschlossene Umgestaltung des Wuhrplatzes eröffnet dem Chrämerhuus und dem «Turm» neue Möglichkeiten. Fotos: M. Jäggi-Wyss

Die in Kürze abgeschlossene Umgestaltung des Wuhrplatzes eröffnet dem Chrämerhuus und dem «Turm» neue Möglichkeiten. Fotos: M. Jäggi-Wyss

Solothurner Zeitung

In genau zwei Monaten will die Stadt den umgebauten Wuhrplatz mit einem grossen Fest einweihen. Es war ein langer Weg bis dorthin, mehrere Jahre wurde über die Zukunft des Platzes mitten im Stadtzentrum diskutiert. Im Verhältnis dazu war die Bauzeit relativ kurz. Trotzdem brachte die Umgestaltung grosse Einschränkungen mit sich – vor allem aus Sicht der angrenzenden Gastronomiebetriebe. Der neue, verkehrsfreie Platz weckt aber auch Hoffnungen auf bessere Zeiten und mehr Leben auf dem ehemaligen Parkplatz.

Klar ist mittlerweile, dass die «Fahrbar» von Astrid Zimmermann auf den Wuhrplatz zurückkehrt. Nach der letzten Saison im vergangenen Jahr musste sie ihren Platz wegen der anstehenden Bauarbeiten räumen. Die Unsicherheit war bei Zimmermann gross, wie es mit der fahrbaren Bar weitergehen sollte. Sie sagte vor über einem Jahr: «Muss ich weg, werde ich den Wagen aufgeben.» Seit einiger Zeit hat sie die Gewissheit: Sie erhält wieder einen Platz auf dem neu gestalteten Areal.

Petition mit 1600 Unterschriften

Sie freue sich, sagt Zimmermann über den positiven Bescheid der Stadt (siehe auch Kontext). Viel Einfluss auf diesen Entscheid habe wohl die eingereichte Petition gehabt. Fast 1600 Personen unterschrieben das Anliegen, dass sie die «Fahrbar» weiterhin betreiben könne. Die Stadtverwaltung sei ihr wohlgesinnt: «Es hiess, ich sei eine Bereicherung für den Platz und erfülle auch einen sozialen Aspekt», sagt Zimmermann stolz. Sie ist überzeugt, dass der neue Wuhrplatz eine Bereicherung für Langenthal sein wird. Er werde offener sein. Wichtig ist aus ihrer Sicht, dass der Platz belebt wird. Sie hofft deshalb, dass die Restaurants auf dem Platz rausstuhlen können. Die daraus entstehende Konkurrenz ist für sie kein Problem: «Von diesem Standpunkt aus gesehen müsste ich meine Bar sowieso nicht betreiben. Sie ist zu klein», sagt Zimmermann. Sie ist hauptberuflich als Behindertenbetreuerin tätig.

Ihre «Fahrbar» werde fast am gleichen Ort stehen wie früher, nur etwas näher am Nyffelerhaus. Die Bar befindet sich also wieder neben dem Pétanquefeld: «Sonst wäre es für mich nicht interessant gewesen», sagt Zimmermann. Sie spiele selber gern. Zudem ziehe das Feld Leute an. Ihr Wagen wird nur unwesentliche Veränderungen erfahren, «es gibt kleine Verbesserungen, die aber kaum sichtbar sein werden», sagt sie. Zimmermann hofft, dass der neue Wuhrplatz grüner als bisher und dass er zu einem Erholungs- und Begegnungsort wird.

Lieber auf dem Platz als in der Höhe

Diese Hoffnung teilen auch jene Wirte, dessen Gastrobetriebe direkt an den Wuhrplatz angrenzen. Erst wenn sich die Leute auf dem Platz wohlfühlten, erhalte er einen gewissen Charme, sagt Rosario Giuffre von der Bar Gelateria Riva. Allerdings bemängelt er, dass er künftig weniger Fläche vor seiner Gelateria habe, weil kein Spielplatz mehr vorhanden sei. Diesbezüglich erwarte er von der Stadt eine Lösung, so Giuffre. Er freue sich einfach auf das Ende der Bauzeit, «und dass wir unseren Gästen wieder eine angenehmere Atmosphäre bieten können.»

Hassan Firat, Wirt des Restaurants Turm, sagt zur Zukunft: «Wir können vom neuen Platz profitieren.» Der Platz werde besser als früher, er hoffe auf mehr Aktivitäten auf dem Wuhrplatz. «Wenn wir unsere Qualität halten können, haben wir sicher gute Chancen.» Allerdings weiss er noch nicht, wie er den Platz nutzen kann. Der «Turm» hat zurzeit eine erhöhte Holzterrasse. Was damit geschehe, müsse die Verwaltung seines Restaurants entscheiden. Für ihn ist jedoch klar, dass er lieber direkt auf dem Platz Wirten möchte als auf einer erhöhten Terrasse.

Mehr Platz hat künftig das China-Restaurant Winn Fat. Bisher bediente es die Gäste nur auf der Seite der Käsereistrasse. «Künftig dürfen wir auf beiden Seiten des Eingangs Stühle und Tische hinstellen», sagt Wirtin Cam Khon Tran. Auch sie hofft, dass der neue Wuhrplatz mehr Leute anzieht und somit auch mehr Gäste in ihr Restaurant lockt. Sie habe lange unter den Bauarbeiten gelitten, jetzt freue sie sich natürlich umso mehr auf den Abschluss der Umgestaltung, sagt Tran. Aber: «Ob es gut kommt, wissen wir nicht. Hoffnung hat natürlich jeder hier am Wuhrplatz», sagt die Wirtin.

Das grösste Problem des «Winn Fat» war laut Tran, dass «unser Restaurant mitten im Getümmel der Arbeiten lag und viele Gäste gar nicht wussten, ob sie noch zu uns kommen können oder nicht.» Sie beklagt sich, die Stadt habe ungenügend über die Arbeiten informiert. «Die Bauphase war eine schwierige Zeit für uns. Gäste haben reklamiert, dass sie nicht mehr vor dem Restaurant parkieren konnten.» Nun müssten sich die Leute zuerst daran gewöhnen, dass der Parkplatz weiter hinten liege.

Was macht das Chrämerhuus?

Ebenfalls von einer schwierigen Zeit spricht der Wirt des «Turms»: Er habe sogar Personal entlassen müssen, weil er deutlich weniger Umsatz gemacht habe. Firat spricht von bis zu 10000 Franken weniger pro Monat. Die grössten Probleme seien der Staub und der Lärm gewesen. Seine Terrasse sei natürlich schlecht besucht gewesen. Und auch Firat beklagt die Parkplatzsituation: «Ich habe Stammkunden verloren, weil sie nicht mehr auf dem Wuhrplatz parkieren können.» Für die Umsatzeinbussen während der Bauzeit erwarte er von der Stadt Unterstützung.

Rosario Giuffre bestätigt Firats Aussagen: Zum Teil habe auch er während der Bauzeit hohe Umsatzeinbussen in Kauf nehmen müssen. Der Baulärm und -staub sei für die Gäste und Angestellten alles andere als angenehm gewesen. Der Gelateria-Wirt bemängelt weiter, dass der Zugang zu den Restaurants auf dem Wuhrplatz erschwert war. «Zu Beginn war es nicht einmal signalisiert.» Immerhin findet Giuffre positive Worte für die Bauleute: «Sie waren kooperativ und sehr darauf bedacht, Rücksicht zu nehmen.» Die Zusammenarbeit mit der Stadt beurteilt Giuffre dagegen als negativ: Es scheine der Stadt egal zu sein, wie es den Geschäften am Wuhrplatz gehe.

Grossen Einfluss hat die Neugestaltung des Platzes auch auf die Zukunft des Kulturzentrums Chrämerhuus. Dem dazugehörigen Restaurant, dem bisher nur ein kleiner Vorplatz an der Jurastrasse zur Verfügung stand, eröffnen sich mit dem neuen Wuhrplatz ganz andere Möglichkeiten. Ob das «Chrämi» künftig den Wuhrplatz nutzen darf und will, ist jedoch unklar. Die Verantwortlichen des Kulturvereins waren diese Woche für diese Zeitung nicht zu sprechen.

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