Ammann Group
Die ersten Sieger in Polen und der Ukraine

Geschäftsführer der Ammann Group, Ulrich Meyer, und sein Stellvertreter Hans-Christian Schneider geben gemeinsam Auskunft zu Geschäftslage und Zukunft von Langenthals grösstem Arbeitgeber.

Urs Byland
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Hans-Christian Schneider bearbeitet eher neue Projekte.

Hans-Christian Schneider bearbeitet eher neue Projekte.

Hanspeter Bärtschi

Die Firma Ammann befindet sich in einem Interregnum. Ulrich Meyer, CEO der Ammann Group, hat nach der Wahl von Johann Schneider-Ammann in den Bundesrat das Zepter übernommen. Sein Nachfolger wird sein aktueller Stellvertreter und Sohn vom Bundesrat Hans-Christian Schneider sein.

Wie oft haben Sie schon gemeinsam Auskunft gegeben?

Ulrich Meyer: Das ist eine Premiere.

Auf der anderen Seite der Schienen hängt schon lange ein Banner «Zu verkaufen» am Emmi-Haus, das sich zwischen Ammann-Arealen behauptet. Warum greifen Sie nicht zu? Ist es zu teuer?

Hans-Christian Schneider Es ist heute zu teuer. Wir müssten es mit viel Aufwand zu einem auf unsere Bedürfnisse angepassten Produktionsgebäude umbauen.

Meyer Wegen der Nähe zu uns hätte es eine gewisse Logik, das Gebäude zu kaufen.

Für Ende letzten Jahres weisen Sie auf Ihrer Homepage 2900 Mitarbeitende sowie einen Umsatz von 960 Millionen Franken aus. Wie entwickelt sich Ihr Geschäft?

Meyer Man muss unterscheiden zwischen der Schweiz und der Gruppe. Die Gruppe lebt. An einigen Orten müssen wir reduzieren, an anderen Orten wachsen wir. Aber über die gesamte Gruppe betrachtet ist die Lage stabil. In der Schweiz ist sicher keine grössere Bewegung vorgesehen.

Auch kein Abbau?

Meyer Nein. Aber eine 100-prozentige Sicherheit kann niemand geben. Denken Sie an UBS oder Swissair.
Schneider Wir haben heute keinen Plan, am Grundsetup etwas zu ändern. Wir haben Spielraum, ohne dass man gleich einschneidende Massnahmen ergreifen müsste. Dieser ist jedoch limitiert. Ein grosses Problem ist die fehlende Sichtbarkeit der Marktentwicklungen. Gut ablesen kann man dies an den Aktienmärkten, deren Entwicklung über die letzten Monate einer Fahrt auf der Achterbahn gleicht. Unseren europäischen Kunden geht es ähnlich. Nur bei gutem, stabilem Ausblick wagt der Kunde zu investieren.

Aber momentan sind viele Laster mit Ammann-Maschinen unterwegs. Das Geschäft läuft schon, oder?

Meyer Ja, aber der Blick auf Langenthal allein genügt nicht. Europa muss uns interessieren. Wie Herr Schneider gesagt hat: Verunsicherte Kunden kaufen nicht.

Können Sie den Geschäftsgang in Europa noch etwas differenzieren?

Meyer In Europa sind wir breit aufgestellt und mit den Asphalt-Mischanlagen Marktführer. Schwach sind im Moment einzelne Länder im Osten und der Süden.

Schneider Rund ums Mittelmeer, mit Ausnahme der Türkei, verkaufen wir momentan wenig bis nichts. Je weiter nördlich wir gehen, desto stabiler sind die Volkswirtschaften ausgerichtet. Zudem sind wir in Russland und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion sehr gut unterwegs.

In Ihrem Kundenmagazin bezeichnen Sie sich als Gewinner der Europameisterschaften, warum?

Meyer Polen ist traditionell ein guter Markt für uns. Die Euro hat zusätzliche Impulse gebracht, weil viele Strassen gebaut werden mussten. Künftig erwarten wir aber dort einen geringeren Umsatz.

Wie entwickelt sich der Standort Langenthal?

Meyer Weil wir die zentrale Forschung und Entwicklung vor einigen Jahren hier konzentriert haben, war ein Auftrieb bemerkbar. Wir produzieren die Asphaltfertiger, sogenannte Paver, hier in Langenthal. Dafür werden wir eine Halle räumen. Zudem entwickeln und bauen wir hier in Langenthal die Herzteile für die weltweit im Einsatz stehenden Asphalt-Mischanlagen. Wenn hier das Volumen kleiner wird, haben wir auch weniger Arbeit. Aktuell beschäftigen wir weniger temporär Angestellte als in den Boomjahren 06/07, aber gesamthaft gesehen, sind wir stabil.
Schneider Bei den Herzteilen tätigen wir eine indirekte Investition. Wir versuchen das Vertriebsnetz global zu stärken. Weil wir alle Herzteile wie Brenner, Trockner, Mischer, Sieb, Filter hier produzieren und Software hier entwickeln, erhoffen wir uns in den nächsten Monaten und Jahren auch ein Zusatzvolumen für den Standort Langenthal.

Sie sagen, Sie haben weniger Temporäre. Aber auch keine Kurzarbeit?

Meyer Richtig. Das wollen wir natürlich möglichst vermeiden.
Schneider Kurzarbeit bringt eine Entlastung, aber auch einen nicht zu unterschätzenden administrativen Aufwand. Ich denke, am Standort Schweiz ist es nicht einfacher geworden. Der Wechselkurs ist hier in Langenthal ein Thema. Dass dieser fixiert ist, ist für uns sehr wichtig und bringt uns Planungssicherheit.

Wie gehen Sie mit der Währungsunsicherheit um?

Schneider Am Ende muss man das beeinflussen, das man selber beeinflussen kann. Wir versuchen uns globaler aufzustellen, damit wir weniger von einzelnen Volkswirtschaften und deren wirtschaftlichen Schwankungen abhängig sind.
Meyer Konkret habe wir in unserer Organisation eine Division, die sich nur um diejenigen Märkte kümmert, die bis anhin für uns weisse Flecken waren.

Kann man dort Ammann-Maschinen verkaufen?

Meyer Natürlich, sonst würden wir es nicht machen. Aber man muss die Anlagen und Maschinen diesen Märkten anpassen. Die Herzteile kommen von Langenthal, aber der Rest wird entsprechend vor Ort angepasst.

Wie muss man sich das logistisch vorstellen?

Schneider Wir sind beispielsweise in Brasilien am Aufbau einer eigenen Firma, wo wir lokal fertigen, Teile aus Europa hinimportieren und die Asphalt-Mischanlagen vor Ort zusammenfügen.

Wie gestaltet sich nun die Übergabe von Ihnen, Herr Meyer, zu Hans-Christian Schneider? Gibt es in dieser Frage einen Terminplan?

Schneider Ulrich Meyer führt die Firma, ich bin sein Stellvertreter und Verwaltungsrat. Dies bleibt bis auf weiteres so.

Wer macht welche Arbeiten?

Schneider Die neu gestarteten Projekte bearbeite eher ich, die bisherigen eher Ueli Meyer. Dabei besteht ein ganz enger Austausch.

Wann wird der Wechsel vollzogen?

Schneider Diesen Wechsel werden wir erst dann bekannt gegeben, wenn er auch effektiv stattfinden wird.