FC Basel
Die Erfolgsgeschichte des FCB begann im tiefen Loch

Der FC Basel ist im Dauerhoch. Noch nie in seiner Klubgeschichte seit 1893 ist er besser dagestanden als jetzt. Sportlich und finanziell.

Markus Brütsch
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Trübe Zeiten: Am 3.August 1988 verliert sich eine Handvoll Zuschauer zum Nationalliga-B-Spiel des FC Basel gegen den FC Chur im Basler Joggeli .

Trübe Zeiten: Am 3.August 1988 verliert sich eine Handvoll Zuschauer zum Nationalliga-B-Spiel des FC Basel gegen den FC Chur im Basler Joggeli .

KEYSTONE

Der FCB spielt gegen Porto um den Einzug in die Viertelfinals der Champions League und wird bald vermelden, der Umsatz im Jahr 2014 sei auf über 100 Millionen Franken gestiegen – Rekord. Die ganze Schweiz steht in den beiden Duellen mit dem 27-fachen portugiesischen Meister hinter dem Schweizer Serienmeister. In jedem Kanton leben Menschen, die eine Dauerkarte des FCB besitzen. Insgesamt haben sich gegen 25 000 Fans eine gekauft. Seit der Verein vor 14 Jahren im neuen Stadion eingezogen ist, hat er eine derart beeindruckende Entwicklung genommen, dass man sich ab und zu fragt: Wo ist das Ende der Fahnenstange?

St. Jakob-Park ist eine Erfolgsgeschichte

Andere Klubs mit neuen Stadien sind durch die veränderten finanziellen Bedingungen ins Schleudern geraten oder sogar daran zerbrochen. Der St. Jakob-Park aber ist eine einzige Erfolgsgeschichte. Die Partie gegen den FC Sion am vergangenen Samstag war das 344. Pflichtspiel im neuen Stadion seit dessen Eröffnung am 15. März 2001 mit einem 0:0 gegen Lausanne. Seither haben 8 382 910 Fans Einlass begehrt und damit für einen sagenhaften Schnitt von 24 368 Besuchern gesorgt.

Alles schon mal da gewesen, und sogar noch imposanter, werden möglicherweise ältere FCB-Fans einwenden. Tatsächlich kamen, als das alte Joggeli noch viele Stehplätze hatte, bisweilen grosse Menschenmassen ins Stadion. So erschienen 1972 gegen den FC Zürich 53 702 Zuschauer und 1967 im Cup gegen Lugano 50 341.

Die erste Ära Helmut Benthaus von 1965 bis 1982, in den ersten fünf Spielzeiten war der Deutsche als Spielertrainer tätig, bescherte dem FC Basel mit klingenden Namen wie Karl Odermatt, Walter Balmer und Ottmar Hitzfeld mit sieben Meistertiteln und zwei Cupsiegen die erste Blütezeit seiner Klubgeschichte.

Der FCB war in Basel «in» zu jener Zeit. Doch allzu verklärt sollte jene Epoche gleichwohl nicht betrachtet werden. Zum legendären 6:4 gegen den FC Brügge 1973 im Achtelfinal des Europacups der Meister hatten sich gerade mal 12 000 Besucher eingefunden. Zahlen, die belegen, dass die guten alten Zeiten im Vergleich zu heute nicht dieselbe Dimension hatten.

Kampf ums nackte Überleben

Wenn die jetzige Klubführung unter Präsident Bernhard Heusler immer wieder erkennen lässt, dass sie auch im Erfolg demütig bleiben will, dann deshalb, weil sie nicht vergessen hat, woher der FCB kommt. Nachdem Benthaus 1987 bei seinem zweiten Engagement bei Rotblau den Abstieg trotz drohendem Konkurs noch knapp hatte vermeiden können, war es ein Jahr später so weit: Nach 42 Saisons in der Nationalliga A stieg der FCB am 15. Mai 1988 nach einem 2:3 in Wettingen unter Trainer Urs Siegenthaler ab.

Aus finanziellen Gründen waren zuvor die besten Spieler verkauft worden. Den Verein drückte eine Schuldenlast von zwei Millionen Franken; ein Betrag, den der heutige FCB aus der Portokasse begleichen könnte. 1989 drohte sogar der Zwangsabstieg und nur eine Sammelaktion sicherte das Überleben.

Überhaupt waren diese Jahre ein ständiger Existenzkampf. In der NLB verloren sich gegen Châtel St. Denis und Urania Genf 2500 Unentwegte im riesigen Kessel des Joggeli und das Budget lag bei drei Millionen Franken. Der einstige Meisterspieler und später Funktionär gewordene Peter Ramseier sagte gegenüber dem Magazin «Zwölf»: «Wir hatten damals das Gefühl, der FCB sei den Baslern wurscht.»

Immerhin schafften es die Präsidenten Charles Röthlisberger und Peter Epting, den Verein etwas zu stabilisieren. Doch der angestrebte Wiederaufstieg wurde auch im fünften Jahr unter Friedel Rausch verpasst. Erst dem Genfer Didi Andrey gelang es 1994, den FCB ins Oberhaus zurückzuführen. In der entscheiden Phase kamen gegen den FCZ 40 000 Zuschauer.

Doch auch nach der ersehnten Promotion war nicht alles Gold, was glänzte. Das Budget betrug 5,5 Millionen Franken und im Frühjahr 1996 sank der Zuschauerschnitt auf unter 10 000.

Dem neue Präsidenten René C. Jäggi war bewusst: Nur eine Vorwärtsstrategie konnte den FCB aus dem Teufelskreis herausholen. 1996 verkündete er einen Fünfjahresplan mit dem Ziel, Meister zu werden und in die Champions League einzuziehen.

Spatenstich und Christian Gross

Am 13. Dezember 1998 kam es zum Spatenstich für das neue Stadion St. Jakob-Park. Jäggis Entscheid, Christian Gross als Trainer zu verpflichten, wurde zum Volltreffer. 2002 wurde der FCB, nach 22 Jahren, wieder Meister; mit einem Jahr Verzögerung war Jäggis Plan aufgegangen. Dank dem Fehlschuss von Celtics Sutton wurden die ersten magischen Champions-League-Nächte mit Gegnern wie Liverpool und Manchester United zelebriert. Präsident Jäggi gelang der Coup, die schwerreiche Gigi Oeri zum FCB zu lotsen – eine eminent wichtige finanzielle Absicherung. Sie war noch Präsidentin, als der FCB in der Champions League gegen Manchester United 2:1 gewann und sieben Spieler aus dem eigenen Nachwuchs auf dem Platz standen.

Der wichtigste Sponsor aber ist noch immer das Publikum. Mit Bernhard Heusler amtiert ein Präsident, der für die Balance zwischen Bodenständigkeit und Vorwärtsstrategie sorgt. Und so gut wirtschaftet, dass der FCB schon 50 Millionen auf der hohen Kante hat.

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