Wahlkampf
Die Bürgerlichen üben sich in Kuschel-Laune statt im Wahlkampf

Die bürgerlichen Kandidaten Christoph Eymann (LDP), Baschi Dürr (FDP), Christophe Haller (FDP) und Carlo Conti (CVP) präsentierten sich den Medien in Kuschel-Laune. Kritik an der bisherigen Regierung gabs keine.

Nicolas Drechsler
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Also Wahlkampf war das keiner. Die vier bürgerlichen Regierungsratskandidaten sassen sauber aufgereiht an einem Tisch im Restaurant Rebhaus und unterhielten sich mit den Journalisten. Die Grundrichtung war bald klar: In den letzten vier Jahren habe die Regierung gut gearbeitet, allerdings auch unter sehr günstigen äusseren Umständen. Nun kommen schwerere Zeiten und darum brauche es vier Bürgerliche in der Regierung, die in Krisenzeiten besser zusammenarbeiten würden.

Keine Kritik an Rot-Grün

«Gerade auch als Regierungspräsident würde ich versuchen, die grossen Probleme vermehrt departementsübergreifend anzupacken», sagte Baschi Dürr. Wer erwartet hatte, die vier würden Kritik an der bisherigen Regierung mit einer links-grünen Mehrheit üben, hat sich getäuscht. Niemand wollte die SP-Regierungsräte oder den grünen Regierungspräsidenten Guy Morin angreifen. Die neuen Anwärter Baschi Dürr und Christophe Haller (FDP) nicht und erst recht nicht die Bisherigen Christoph Eymann (LDP) und Carlo Conti (CVP). Eymann meinte: «Wir suchen ja gemeinsame Lösungen und finden sie auch nahezu immer. Es geht nicht darum, die Minderheit zu überstimmen.» Und Conti platzte gar unvermittelt der Kragen. Er verstehe die Frage nach Kritik am bisherigen Regierungsteam nicht. «Es gibt keine rot-grüne Regierung und keine bürgerliche Regierung, es gibt eine Allparteien-Regierung von sieben Persönlichkeiten mit unterschiedlichem Parteihintergrund. Und von diesem Hintergrund muss man sich lösen, wenn man in die Regierung kommt.» Kritik klang nur ganz leise an, offenbar haben sich die drei SPler und vor allem der Grüne Guy Morin in den Augen ihrer bürgerlichen Kollegen eben zu wenig gelöst von ihrem Parteibüchlein.

Keine thematische Überraschung

Ansonsten sprach Eymann über die Universität und ihre Zukunft. Conti verwies auf die Wichtigkeit des Pharma- und Forschungsstandortes und darauf, dass die Linke auch in Bern zu wenig zu diesem stehe. Haller referierte über sein neues Spezialthema, die Sicherheit, und kündigte mehr Polizisten auf der Strasse an. Und Dürr verkündete, als Regierungspräsident würde er die Schwerpunkte anders setzen und mehr Wert auf die Wirtschaftspolitik legen. «Wir wollen kein Sparprogramm, aber wir müssen aufhören, jedes Jahr mehr Geld auszugeben.»

Auch der geneigteste Zuhörer musste die Ohren genau spitzen, wollte er einen echten Grund erfahren, wieso nun die Mehrheitsverhältnisse in der Regierung gekehrt werden müssten. Ähnlich unklar blieb auch die Strategie der Bürgerlichen im zu erwartenden zweiten Wahlgang. Sicher sei aber, so Dürr: «Wir werden am Nachmittag des 28. Oktober intensiv miteinander reden.»