Die BaZ sucht einen Verleger

Filippo Leutenegger muss demissionieren, nun könnte Chefredaktor Markus Somm an die Reihe kommen.

Christian Mensch
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Mögliche Kandidaten für den Verlegerposten der «Basler Zeitung»: Eric Sarasin, Thomas Matter, Adriana Ospel-Bodmer und Markus Somm (v. l. n. r.). Fotos: Heike Grasser/Emanuel Freudiger/Chris Iseli/ALEX SPICHALE

Mögliche Kandidaten für den Verlegerposten der «Basler Zeitung»: Eric Sarasin, Thomas Matter, Adriana Ospel-Bodmer und Markus Somm (v. l. n. r.). Fotos: Heike Grasser/Emanuel Freudiger/Chris Iseli/ALEX SPICHALE

Schweiz am Wochenende

Der Verleger der «Basler Zeitung», Filippo Leutenegger, ist seit vergangener Woche neu gewählter Zürcher Stadtrat. Rein arbeitsökonomisch könnte der Medienunternehmer und FDP-Nationalrat das Basler Verlegeramt, das ihn zeitlich kaum beansprucht, weiter ausführen. Politisch wie rechtlich ist er jedoch gezwungen, die Pfründe abzutreten. Dies spätestens bis Anfang Mai, dem Termin des voraussichtlichen Antritts in der Zürcher Stadtregierung.
Einen Zeitplan zur Ablösung gibt es nicht. Filippo Leutenegger schweigt sich auf Anfrage aus. Das Sagen hat ohnehin Christoph Blocher. Der faktische Eigentümer der Zeitung lässt ausrichten: «Die Frage ist noch nicht entschieden.» Der SVP-Stratege hält direkt zwar bloss zwanzig Prozent der BaZ Holding, die Mehrheit liegt bei der Medien-Vielfalt Holding, deren Aktienmehrheit zumindest bei der Gründung der Tessiner Financier Tito Tettamanti hielt. Als Financier der verschachtelten Struktur liegt die Macht allerdings bei Blocher, dem damit auch das erste Zugriffsrecht auf das Verlegeramt zusteht. Obwohl Blocher bei seinen jüngsten Basler Auftritten beteuert, am Rheinknie auf immer bessere Akzeptanz zu stossen, ist allerdings fraglich, ob er sich der exponierten Stellung des Verlegers einer Basler Zeitung aussetzt.
Bereits vor zwei Jahren – nach dem turbulenten Ausscheiden von Moritz Suter und bevor Leutenegger überraschend die BaZ-Bühne betrat – wurde Chefredaktor Markus Somm als möglicher Verleger genannt. Das Vorbild gibt Roger Köppel ab, der bei der «Weltwoche» als Chefredaktor, Verleger und Herausgeber in Personalunion agiert. Somm hat in den vergangenen Monaten der Zeitung nochmals ein strafferes rechtsbürgerlich-publizistisches Programm verpasst und nimmt vermehrt direkten Einfluss auf die einzelnen Beiträge. Die Kompetenzen von Tagesleiter wie Ressortleiter hat er zurückgestuft. Diese Woche hat er eine Rochade der Ressortleiter verordnet und zudem den Theaterkritiker entlassen. Der Aufstieg in den Rang des Verlegers wäre eine mögliche Abgeltung seiner Verdienste um die rechtsbürgerliche Wende.
Keine Ambitionen auf das Verlegeramt hat der Geschäftsleiter Rolf Bollmann. Dieser wurde von Blocher vor gut einem Jahr als Sanierer eingesetzt und hat sein Pflichtenheft abgearbeitet. In kürzester Frist hat er die Belegschaft von 720 auf 150 Mitarbeiter reduziert, die Zeitungsdruckerei wurde stillgelegt und vergangene Woche die schwer verkäufliche Spezialitätendruckerei Birkhäuser an das Verpackungsunternehmen Schelling abgegeben. Wie Inhaber Beat Schelling erzählt, hat allerdings nicht Bollmann den Käufer für das Reinacher Druckunternehmen gefunden, sondern er selbst habe sich vor rund einem Jahr bei der BaZ gemeldet.
Bollmann erklärt gegenüber der «Schweiz am Sonntag» offen, dass er seinen Job als Firmensanierer eigentlich erledigt habe. Sein Vertrag läuft bis Ende Jahr. In dieser Zeit wolle er das Unternehmen noch konsolidieren und Blocher Vorschläge unterbreiten, wie sich die «Basler Zeitung» weiterentwickeln könnte.
Nicht ausgeschlossen ist, dass Blocher versuchen wird, eine neue Basler Galionsfigur zu installieren, die zur Reintegration der Zeitung in die Basler Gesellschaft beitragen könnte. Auf dieser Kandidatenliste dürfte etwa der Safra-Banker Eric Sarasin stehen, der bereits mit dem Kurzzeit-BaZ-Verleger Martin Wagner im Gespräch war. Als weiterer Banker könnte auch Thomas Matter in die Ränge kommen. Der politische Weggefährte von Blocher stammt aus dem Baselbiet und wickelt über seine Neue Helvetische Bank alle Finanzierungsgeschäfte ab. Eher wenig wahrscheinlich ist, dass sich Blochers Tochter und Läckerli-Huus-Eigentümerin Miriam Blocher einspannen lässt, obwohl sie bereits das Präsidium von Pro Innerstadt übernommen hat.
Höhere Medienambitionen werden dafür Adriana Ospel-Bodmer nachgesagt. Die Gattin des Ex-UBS-Bankers und Fasnächtlers Marcel Ospel sitzt bereits im Verwaltungsrat der BaZ Holding. Als Verlegerin müsste sie jedoch auch öffentlich in Erscheinung treten, was sie bisher stets zu verhindern wusste.
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