Bauarbeiten
Die Bahnhofstrasse braucht einen neuen Kanal

Mit der Vorstudie Instandsetzung Hochwasserentlastungskanal Bahnhofstrasse Langenthal hatte der Hochwasserschutzverband unteres Langetental an der 68. Delegiertenversammlung einen dicken Brocken zu schlucken.

Urs Byland
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Bahnhofstrasse

Bahnhofstrasse

az Langenthaler Tagblatt

Die 40 Jahre alte Kanalbaute knapp unter dem Strassenbelag ist etwa in der Mitte ihrer Lebensdauer angelangt, aber sie ist bereits schwer geschädigt. Dies haben Untersuchungen in den Jahren 2008 und 2011 gezeigt. Simon Jost vom Ingenieurbüro Wälchli&Partner konnte den zwölf anwesenden von insgesamt 17 Verbandsdelegierten die Schäden anhand von Bildern zeigen.

Der Kanal verläuft unter der Bahnhofstrasse bis zum Bahnhofplatz und weiter unter den Geleisen hindurch. Der sanierungsbedürftige Teil des Kanals weist eine Länge von 160 Metern auf und betrifft den Abschnitt vom Merkurgebäude bis zum Bahnhofplatz. Der kaum mannshohe und 4,5 Meter breite Kanal besteht im fraglichen Bereich aus den Seitenwänden und aus Betonelementen als Deckel. Darüber liegt eine 30 Zentimeter dicke Kiesschicht und ein zwölf Zentimeter dicker Teerbelag.

Salz floss in Seitenwände

Bilder von den Seitenwänden zeigen, dass der Stahl in den Wänden blank liegt. Er rostete und sprengte Betonteile weg. Simon Jost konnte auch den Grund für die Korrosionsschäden nennen. «Als der Kanal gebaut wurde, dachte niemand daran, dass das Salz, das im Winter Eis und Schnee zum Schmelzen bringen soll im Kanal zu Schäden führen könnte.»

Weil die Strassenoberfläche eine Neigung auf die eine Seite hat, sind vor allem dort die Seitenwände des Kanals betroffen. Das Salzwasser, das nicht in die Kanalisation gelangte, floss an diesen Seitenwänden hinunter, drang in den Beton ein und nagte unerbittlich am Stahl. Die Sondierungen in diesem Sommer haben zudem bestätigt, was Jost vermutete. «Über dem Kanal liegt keine Abdeckung. Hätte man damals den Kanal abgedeckt, dann hätte das Bauwerk sein vorgesehenes Alter sicher erreicht.»

Keine Einsturzgefahr

«Es besteht keine akute Einsturzgefahr, die Eindeckung hält noch.» Aber die Instandsetzung müsse wegen dieser Schäden dringend gestartet werden, riet Jost den Delegierten. «Ab jetzt werden die Schäden infolge chloridbedingter Korrosion massiv zunehmen.» Gleich vier Sanierungsvarianten präsentierte Jost den Delegierten. Die minimale Variante mit geschätzten Kosten von 300000 Franken wäre ein Flickwerk, das die Lebensdauer um zirka 15 Jahre verlängern würde. Diese Variante ersetze aber keine langfristige Instandsetzung.

Neben weiteren zwei Varianten erläuterte Jost den Anwesenden auch die maximale Variante. Diese sieht einen beinahe völligen Neubau des Kanals vor. Die stark geschädigte Wand Ost würde grossflächig ersetzt, die Wand West punktuell und die Betonelemente, die als Decke des Kanals dienen, würden gänzlich ersetzt. Diese sind durch die Karbonatisierung teilweise auch stark geschädigt. Über den Deckelementen würde eine Abdichtung aufgebracht. Die Kosten betragen hierfür geschätzte 800000 Franken.

Trockenes Jahr

Präsident Res Fankhauser riet den Delegierten, sich für diese Neubauvariante des Hochwasserentlastungskanales in ihren Gemeinden Madiswil, Lotzwil, Langenthal, Roggwil und Aarwangen einzusetzen. Er und auch Verbandssekretär Beat Schöni erklärten, dass sich der Verbandsrat sehr für den Neubau des Kanals erwärmen könne. Damit hätte der Verband mindestens 60 Jahre Ruhe mit dem Entlastungskanal.

Der Kanal unter der Bahnhofstrasse gehört zu einem System zum Hochwasserschutz, das beim Choufhüsi beginnt und bis in den Hardwald führt. 2007 wurde der Kanal letztmals genutzt, weil das Wasser nach einem heftigen Regenfall abgeleitet werden musste. Damals nutzte der Entlastungsstollen bei Madiswil nichts, weil die starken Regenfälle zwischen Madiswil und Langenthal geschahen. Sekretär Beat Schöni fügte zudem an, dass der Entlastungsstollen im Jahr 2010 während 59 Stunden in Betrieb war und über 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser abgeführt hat. Dass 2011 ein zu trockenes Jahr ist, zeigen die bis anhin gesammelten Werte. Während dreier Stunden Betrieb wurden 4564 Kubikmeter Wasser im Entlastungsstollen von Madiswil nach Bannwil in die Aare abgeführt.

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