Olympia
Die Aufregung hält sich bei Aargauer Schwimmern noch in Grenzen

Das Olympia-Team im Schwimmen mit David Karasek und Yannick Käser macht sich auf nach England. Die beiden Aargauer freuen sich auf die Erfahrung, aufgregt sind sie (noch) nicht.

Elia Diehl
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David Karasek (l.) und Yannick Käser (r.) halten sich mit Zielsetzungen für Olympia vornehm zurück.

David Karasek (l.) und Yannick Käser (r.) halten sich mit Zielsetzungen für Olympia vornehm zurück.

Elia Diehl

Um 15.26 Uhr hob gestern am Flughafen Zürich die Schweizer Olympiadelegation der Schwimmer Richtung London ab. Zwei der sechs Olympioniken sind der 24-jährige Meisterschwander David Karasek und der 20-jährige Yannick Käser aus Mumpf.

Die Vorfreude auf Olympia und die Eröffnungszeremonie am Freitag ist für die Neulinge gross. «Natürlich gehen wir beide an die Feier», sagt Karasek, sie müssten erst am vierten und fünften Tag schwimmen, ergänzt Käser, da bleibt genug Zeit, sich seriös vorzubereiten. Teamcaptain Dominik Meichtry, welcher schon zum dritten Mal an Olympischen Spielen teilnimmt, schaut sich den Einmarsch der Athleten hingegen am TV an.

Die Aufregung hält sich bei den Aargauern noch in Grenzen, es ist noch alles weit weg, die Nervosität steigere sich wohl Schritt für Schritt, meint Käser, der an der EM in Debrecen seinen Schweizer Rekord über 200 Meter Brust nochmals verbessern konnte. «Die Gänsehaut bekomme ich erst kurz davor», ergänz Kompagnon Karasek. Für den Fricktaler Käser ist London 2012 ein Pflaster, um Erfahrungen für die Zukunft zu sammeln, es sei sein erster grosser Anlass mit den besten Athleten der Welt. «Wenn es gut läuft, dann ist eine Halbfinalqualifikation drin», sagt der 20-jährige Brustspezialist. Jedoch brauche er dafür im Vorlauf wahrscheinlich eine Bestzeit, also müsse an dem Tag einfach alles stimmen. «Schon nach der SM im März glaubte ich mein momentanes Maximum erreicht zu haben, und dennoch konnte ich mich an der EM nochmals steigern», sagt der Mumpfer zuversichtlich.

Schwierige Heimkehr aus den USA

David Karasek hingegen , der nach seinem Studium in Amerika nach Europa zurückgekehrt ist, setzt mehr auf Lockerheit. «Ich will in London einfach Spass haben», das habe ihm auch sein Sportpsychologe geraten. Er denke nicht an die Zeit, denn dann würde er sich mental verkrampfen. «An Wettkämpfen spielt sie 90 Prozent im Kopf an», ergänzt der 24-Jährige, und mit seiner Einstellung sei er dieses Jahr überaus erfolgreich gewesen.

Im Gegensatz zu Käser konnte Karasek sich nach der SM und der sensationellen Verbesserung des Schweizer Rekords um über zwei Sekunden nicht mehr steigern, obwohl er die olympische A-Limite über 200 Meter Lagen anvisierte. «Ich hatte noch viele Wettkämpfe in Amerika, wie die NCAA-Meisterschaft», erklärt der Hüne, die Batterien seien danach etwas leer gewesen. Er habe vor der EM in Ungarn zu lange pausiert und danach falsch trainiert: «Der Aufbau hat einfach nicht gestimmt.» Zudem sei ihm die Rückkehr in die Schweiz schwerer gefallen als erwartet. Nicht in sportlicher Hinsicht, aber was das Leben rundherum betreffe, denn «vier Jahre sind eine lange Zeit, und ich habe all meine Freunde zurückgelassen.»

Zwei Wege, die sich kreuzen

Keiner der beiden Freunde, welche in London ein Doppelzimmer teilen werden, verspüren vor Olympia grossen Druck. «Es ist schon sensationell, dass ich dabei bin. Wer hätte das vor einem Jahr schon erwartet», so Käser. Karasek will sich auf seine eigenen Ziele konzentriere und sich nicht von den Erwartungen anderer unter Druck setzen lassen.

Schon zwei Wochen nach den Olympischen Spielen, am 20. August, geht für Yannick Käser die Reise weiter. Der 20-Jährige verlässt das Elternhaus Richtung Amerika. Er hat sich an der University of Virginia eingeschrieben, an jenem Ort, an welchem Karasek die letzten Jahre weilte. Dort findet Käser beste Voraussetzungen, um an seiner Schwimmkarriere zu basteln und noch besser zu werden. David Karasek verpasst der Fricktaler dort aber, denn diesen zieht es nun nach Madrid, wo er einen einjährigen Master in Finance absolvieren wird. «Es wird anspruchsvoll, aber ich schwimme vorerst weiter», sagt er, einen guten Schwimmklub habe er bereits gefunden. «Danach muss ich mich aber entscheiden, ob ich nochmals drei Jahre voll beim Sport bleibe oder ob ich anfange zu arbeiten», sagt er nachdenklich.

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