Bildung
Deutlich mehr Maturanden in Gemeinden mit tiefen Steuerfüssen

19,3 Prozent der jungen Zürcherinnen und Zürcher machten in den Jahren 2009 bis 2001 die Matur. Innerhalb des Kantons sind die Unterschiede enorm. Fast alle Landgemeinden mit hohem Gymnasiastenanteil sind Tiefsteuergemeinden.

Michael Rüegg
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Tiefe Steuern - hohe Maturandenquote

Tiefe Steuern - hohe Maturandenquote

Keystone

Als im September das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit über die Auswirkungen der Zuwanderung informierte, fiel auch das Stichwort «Erhöhung der Maturandenquote». Damit, so die Meinung, könnte dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden. Ob das nun zu viel oder zu wenig ist, sei von vorneweg ausgeklammert:
19,3 Prozent aller jungen Zürcherinnen und Zürcher machten in den Jahren 2009 bis 2011 die Matur. Im Kanton Tessin waren es derweil fast 30 Prozent. Doch auch innerhalb des Kantons Zürich sind die Unterschiede enorm: Die Chance auf die Hochschulreife für Schüler aus dem Bezirk Meilen ist fast dreimal so gross wie für Junge aus dem Bezirk Dielsdorf.

Die Bildungsdirektion hat die Maturandenquoten pro Gemeinde grafisch dargestellt. Von Weiss (weniger als 5 Prozent) bis Dunkelrot (über 40 Prozent) erkennt man auf einen Blick, wie viele Jugendliche einer Gemeinde das «Gymi» besuchen. Dass der Streifen vom Zürichberg bis nach Herrliberg vor Maturanden nur so strotzt, überrascht nicht. Interessant jedoch ist ein Blick auf die Regionen. So haben mehrere Landgemeinden einen Gymnasiastenanteil von über 30 Prozent. Fast alle sind absolute Tiefsteuergemeinden: Neerach, Uitikon und Winkel hatten im Jahr 2011 Steuerfüsse von unter
80. Wettswil, Maur und Oberrieden liegen bei 82 bis 83.

Idylle fördert Maturaquote

Die Gemeinden Trüllikon und Truttikon am nördlichen Rand des Zürcher Weinlandes haben ebenfalls einen Rekordanteil an Maturanden. Ihre Steuerfüsse liegen bei 112 und 113 Prozent, also deutlich höher als die der anderen maturandenlastigen Gemeinden. Allerdings sind die Steuern dort noch immer tiefer als diejenigen der meisten Nachbargemeinden im Bezirk Andelfingen.

Der Steuerfuss scheint jedoch nur ein Indikator für die Maturitätsquote zu sein. Trotz Abweichungen lässt sich sagen: je idyllischer die Wohnlage, je tiefer der Ausländeranteil, desto höher die Bildung. Wer mit Aussicht aufwächst, hat auch bessere Aussichten auf ein Hochschulstudium.

Natürlich ist nicht die nackte Zahl des Steuerfusses massgebend für die Maturitätsquote. Sie ist ein Ausdruck für den Anteil gut verdienender Einwohner. Und diese wiederum sind in der Regel besser gebildet als der Durchschnitt, der Gang ins Gymnasium hat in diesen Familien einen höheren Stellenwert.

Standortgemeinden im Vorteil

Ein anderer Faktor dafür, ob ein Kind das Gymnasium besucht oder nicht, ist scheinbar die geografische Nähe zu einer Maturitätsschule . So haben die Gemeinden Wetzikon, Urdorf, Uster und Bülach einen höheren Gymnasiastenanteil als die meisten ihrer Nachbargemeinden, trotz relativ hoher Steuerfüsse und Ausländeranteile. Die Nähe begünstigt die Schulwahl. Kein Wunder, nicht alle Eltern wollen ein 13-jähriges Kind mit Bus und Zug in eine weit entfernte Schule schicken.

Schlusslichter mit weniger als fünf Prozent Maturanden waren im Jahr 2011 übrigens die Gemeinden Oberglatt und Höri im Zürcher Unterland – trotz Nähe zu einer Kantonsschule. Beide verbindet: Sie haben einen hohen Steuerfuss und einen überdurchschnittlichen Ausländeranteil von um die 30 Prozent. Und – vermutlich ein Zufall – in beiden erzielte die SVP bei den letzten Nationalratswahlen über 40 Prozent der Stimmen.

Auch durch die Stadt Zürich zieht sich ein sozialer Graben. Vom Central bis nach Witikon sind es 51,9 Prozent Maturanden, in den Kreisen 4 und 5 sowie Altstetten und Schwamendingen bloss zwischen 15 und 20 Prozent. Doch insgesamt liegt die Stadt Zürich mit 25,3 Prozent Maturanden deutlich über dem kantonalen Schnitt – eben trotz hohen Steuern und hohem Ausländeranteil. Mit zehn Kantonsschulen auf Stadtgebiet spielt die Distanz zur Schule hier natürlich keine Rolle.