Regionale Hilfsorganisationen
Der Wille zu langfristigen Verpflichtungen schwindet

Limmattaler Wohltätigkeitsorganisationen sind fleissig. Es wird jedoch immer schwieriger, Spender zu finden. Wegen einer Überflutung von Organisationen, die Gutes tun.

Alex Rudolf
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Heute wird mit einem Gottesdienst und einem Mittagessen mit Kuchen das 50-Jahr-Jubiläum der Kinderhilfe Uitikon gefeiert. Carol Hofer (links) freut sich auf grosszügige Spenden.

Heute wird mit einem Gottesdienst und einem Mittagessen mit Kuchen das 50-Jahr-Jubiläum der Kinderhilfe Uitikon gefeiert. Carol Hofer (links) freut sich auf grosszügige Spenden.

Archivfoto: Mojan Salehipour

Stiftungen, Vereine und Organisationen, die sich für Wohltätigkeitsprojekte einsetzen, gibt es wie Sand am Meer. Auch im Limmattal gibt es viele Möglichkeiten, um Benachteiligten ein besseres Leben zu ermöglichen. Spender können den Effekt ihrer Gaben für Projekte, die wohltätige Arbeit in der Region leisten, leicht vor ihrer Haustür kontrollieren. Gehen die Gelder dieser regionalen Organisationen jedoch ins Ausland, wird es schwieriger.

Ein Blick in die Mitgliederliste der schweizerischen Zertifizierungsstelle für gemmeinnnützige, Spenden sammelnde Organisationen (Zewo) zeigt, dass im Limmattal nicht viele Organisationen registriert sind, obwohl es die Glaubwürdigkeit erhöhen würde. Eine ganze Reihe von Unternehmen bieten zudem Verbilligungen für zertifizierte Zewo-Mitglieder.

So vielversprechend die Argumente für ein Zewo-Gütesiegel sind, so anstrengend kann die Erfüllung der Anforderungen für kleinere Organisationen sein. Dies weiss auch Martina Ziegerer, Geschäftsleiterin der Zertifizierungsstelle: «Kleineren Organisationen ist der Aufwand für die Erfüllung unserer Standards manchmal zu hoch», sagt sie. Verlangt werde etwa, dass die Jahresrechnung nach einem Standard für Hilfswerke erstellt und durch eine externe Revisionsstelle kontrolliert wird. Dies seien in der Regel die Hauptgründe. Oft sei für kleine, stark lokal verankerte Hilfsorganisationen das Zewo-Gütesiegel auch nicht unbedingt notwendig, sagt Ziegerer. Denn: «Wenn Spender die Verantwortlichen kennen, kann ein enges Vertrauensverhältnis entstehen. Das Verlangen nach einer externen Kontrolle ist dann wohl weniger stark.»

Bei einigen Organisationen in der Region, die Hilfsprojekte im Ausland unterstützen, lässt sich in der Tat feststellen, dass sich das Klima verändert hat. So schreibt Carl Ziegler, Präsident des Vereins Kinderhilfe Uitikon, in der Publikation zum 50-jährigen Bestehen, dass sich die Gemeinde sehr gewandelt habe. «Sie ist gewachsen und wird dies in den kommenden Jahren weiter tun. Der Dorfcharakter wird sich unweigerlich verändern und nicht mehr jeder kann jeden kennen.» Er hält fest, dass der Verein noch immer sehr tief in der Gemeinde verankert sei. Spricht man mit Carol Hofer, Verantwortliche für die Kommunikation der Kinderhilfe, kommen mehr Bedenken zutage: «Viele Mitglieder – man zählt nebst vielen Spendern zirka 270 Mitgliedfamilien – sind älter», sagt sie auf Anfrage. Zudem lasse sich ein leichter Rückgang der Spendenbeiträge beobachten. Gründe dafür sieht Hofer in der Flut von gemeinnützigen Organisationen, die unterstützt werden wollen, und einem abnehmenden Willen einer längerfristigen Verpflichtung eines Spenders gegenüber Wohltätigkeitsorganisationen. «Da der ganze Vorstand Freiwilligenarbeit leistet, sind den Möglichkeiten, konstant in der Gemeinde präsent zu bleiben, Grenzen gesetzt», so Hofer.

Auch Adrian Basset vom Limmattaler 2-Stunden-Lauf findet es heute schwieriger, Leute zum Mitmachen zu animieren, als noch vor 20 Jahren. «Dies kann daran liegen, dass der Vorstand früher noch stärker im Vereinsleben integriert war», sagt er und hält fest, dass die Teilnahme am 2-Stunden-Lauf für alle in seinem Umfeld quasi eine Pflichtveranstaltung war. Nick Brockhaus aus Oberengstringen sammelt mit seiner Ineduco-Stiftung seit 13 Jahren für die Förderung von gesellschaftlichen Randgruppen in verschiedenen Gebieten Myanmars (Burma). Den Grund dafür, dass in diesem Jahr bereits rund 100 000 Franken zusammenkamen, sieht er darin, dass er schweizweit sammelt. «Ich erzähle bei jeder sich bietenden Gelegenheit – weit über die Gemeindegrenze hinaus – über meine Aktivitäten», sagt er. Eine Zewo-Mitgliedschaft hält man generell für wenig sinnvoll, so der Tenor bei den angefragten Organisationen. Diese sei zu teuer und bringe zu wenig Vorteile. Doch ganz auf die Glaubwürdigkeit der mit Zewo ausgestatteten Organisationen verzichten sie doch nicht. Die Kinderhilfe Uitikon beteiligte sich bereits an mehreren Projekten der «International Project Aid» (IPA), als auch am Projekt «Horyzon» — beide sind vom Zewo zertifiziert.

Heute feiert die Kinderhilfe Uitikon ihr 50-Jahr-Jubiläum. Um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst von Pfarrer Vincent Chaignat, ab 12.15 Uhr wird ein Mittagessen offeriert.

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