Verkehrsplanung
Der Verkehr wird zur Herausforderung

Die Stadt stellt den neuen Richtplan vor – und will die Meinung der Bevölkerung einholen. Das städtische Verkehrskonzept von 1993 soll damit ersetzt werden.

Tobias Granwehr
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Solothurner Zeitung

Zu Stosszeiten rollen Dutzende Autos und Lastwagen mitten durch Langenthal. Vor allem die Aarwangen- und die St. Urbanstrasse sind stark belastet und bringen oft viel Verkehr ins Zentrum. Eine Bahnlinie trennt die Stadt zudem in Nord- und Südteil; weitere Bahnstrecken führen von Langenthal in alle möglichen Richtungen.

Auch Hunderte von Radfahrern sind jeden Tag in der Stadt unterwegs. Dass dieses Verkehrsaufkommen eine Herausforderung darstellt, ist auch den Behörden bewusst. Deshalb sind sie zurzeit daran, einen Verkehrsrichtplan zu erarbeiten. Dieser soll das städtische Verkehrskonzept aus dem Jahr 1993 ersetzen (wir berichteten).

An einer Orientierung für die Bevölkerung erklärte Stadtpräsident Thomas Rufener (SVP) die Basis des Konzepts: «Es ist die Koexistenz. Das heisst: Die Verkehrsteilnehmer teilen sich in gegenseitiger Rücksichtnahme den Strassenraum.» Das bisherige städtische Verkehrskonzept habe sich bewährt, sagte Rufener überzeugt. Es habe den Verkehrsfluss verbessert. «Durch die zunehmende Verkehrsbelastung sind aber auch die Anforderungen an den Verkehr gestiegen.»

Langenthal habe zum Beispiel einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Velofahrenden, so der Stapi. Beim neuen Verkehrsrichtplan gehe es nun darum, Bewährtes weiterzuentwickeln. Ziele des neuen Richtplans sind laut Rufener folgende: Erhöhung der Verkehrssicherheit; Aufwertung der Strassenräume zur Steigerung der Lebensqualität; negative Auswirkungen auf die Lebensqualität reduzieren.

Eine grosse Rolle im neuen Richtplan spielen das Bahnhofareal und die Bahnlinie. Gerade bei der Querung der Bahnlinie sieht Rufener Verbesserungspotenzial. Das zeige sich zum Beispiel in der Unterführung Aarwangenstrasse, die für Fussgänger heute nicht sehr attraktiv sei, so der Stadtpräsident. Weil es in diesem Bereich Potenzial gibt, ist die Stadt zurzeit ebenfalls daran, eine separate Planung mit Entwicklungsschwerpunkt Bahnhof zu erarbeiten.

Überdurchschnittlich viele Unfälle

An der Erarbeitung des Richtplans ist nebst den Behörden auch die Metron Verkehrsplanung AG aus Brugg beteiligt. Esther Arnet, Delegierte des Verwaltungsrates, erklärte den zirka 50 Anwesenden, was ein Richtplan beabsichtigt: Dieser sei ein Planungsinstrument, das Grundsätze und Ziele festlege. Es setze Leitplanken, führe aber keinesfalls zu Projektbewilligungen, so Arnet.

Ein Verkehrsrichtplan habe einen Zeithorizont von 20 bis 25 Jahren und sollte alle 10 bis 15 Jahre revidiert werden. Dieser sei in drei Teilrichtpläne unterteilt: motorisierter Individualverkehr; Fussverkehr; Radverkehr. Der öffentliche Verkehr ist dagegen nicht Teil des Richtplans. Dieser wird von der Regionalen Verkehrskonferenz (RVK) geplant.

Laut Peter Hotz von der Metron AG ist Langenthal zwar verkehrstechnisch auf dem richtigen Weg und «hat seine Aufgaben grösstenteils umgesetzt». Dennoch sei aufgefallen, dass es gerade auf Kantonsstrassen überdurchschnittlich viele Unfälle gegeben habe. Oft seien Radfahrer darin verwickelt, so Hotz. Das städtische Strassennetz genüge den Ansprüchen, allerdings müssten an einzelnen Orten die Geschwindigkeiten angepasst werden. «Das soll durch die Gestaltung der Strassen und nicht durch die Signalisation erreicht werden», sagte er.

Keine fachliche Diskussion

Rufener forderte die Anwesenden stellvertretend für die gesamte Bevölkerung der Stadt auf, sich an der Mitwirkung zum Richtplan zu beteiligen. Es gehe nicht um eine fachliche Diskussion, sondern darum, die persönlichen Erfahrungen einzubringen. Die Fachleute seien dann für die Umsetzung zuständig. Die Mitwirkung läuft bis und mit am 28. Februar. Später will Rufener das Thema auch im Stadtrat diskutieren, bevor der Verkehrsrichtplan dem Kanton zur Prüfung eingereicht wird.

Die Unterlagen zum Verkehrsrichtplan liegen im Stadtbauamt im 3. Stock des Verwaltungsgebäudes auf oder sind im Internet unter «Direktzugriff» zu finden. www.langenthal.ch